FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019™

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019™

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#WorldCupAtHome: Frankreichs Frauen in der Bredouille

  • WorldCupAtHome geht weiter: Frankreich - Brasilien (Frankreich 2019)
  • Die favorisierten Bleues setzten sich erst in der Verlängerung durch
  • Die Begegnung war nichts für schwache Nerven

Für Frankreich war es der erste echte Härtetest bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2019™ im eigenen Land: Das Achtelfinale gegen Brasilien bot letztlich genau die Spannung, mit der es erwartet worden war – weil die Seleçao, angeführt von den Legenden Cristiane und Marta, nicht bereit war, klein beizugeben. Frankreich hatte seine liebe Mühe. Erst in der Verlängerung erlöste Spielführerin Amandine Henry die Bleues und ihre Landsleute.

Spielinfo

Frankreich - Brasilien 2:1 (n.V.)

23. Juni 2019
Stade Océane, Le Havre (Frankreich)

Torschützen: 1:0 Gauvin (52.), 1:1 Thaisa (63.), 2:1 Henry (107.)

Aufstellungen:

  • Frankreich: Sarah Bouhaddi – Marion Torrent (109. Eve Perisset), Griedge Mbock Bathy, Wendie Renard, Amel Majri (118. Sakina Karchaoui) – Kadidiatou Diany, Amandine Henry (C), Elise Bussaglia, Viviane Asseyi (81. Gaëtane Thiney) – Valérie Gauvin (90.+3 Delphine Cascarino), Eugénie Le Sommer
  • Brasilien: Barbara – Leticia Santos (89. Poliana), Kathellen, Monica, Tamires – Formiga (75. Andressinha), Thaisa, Marta (C) - Ludmila (71. Beatriz), Cristiane (96. Geyse), Debinha

Hintergrund

Frankreich war der Favorit. Das lag auch daran, dass die Hausherrinnen im Stade Océane von Le Havre immer gewonnen hatten und noch in der Vorbereitung gegen die USA einen 3:1-Sieg feiern konnten. Durch die Gruppenphase waren die Gastgeberinnen mit voller Punktzahl marschiert, hatten dabei sieben Tore geschossen und nur eines kassiert.

Brasilien seinerseits war zwar nur als einer der besten Gruppendritten ins Achtelfinale gekommen, das aber überaus verdient. In der Gruppenphase siegten die Südamerikanerinnen gegen Jamaika und Italien. Dazwischen allerdings leisteten sie sich eine Niederlage gegen Australien, nachdem sie bereits mit 2:0 geführt hatten. Dann aber brachen sie unerklärlicherweise völlig auseinander und kassierten drei Gegentore.

Schon 2003 waren beide Mannschaften bei FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ aufeinander getroffen. Das Gruppenspiel in Washington endete seinerzeit 1:1. Brasilien war ins Viertelfinale vorgestoßen, die Bleues ausgeschieden.

Amandine Henry of France is put under pressure by Marta of Brazil
© Getty Images

Spielverlauf

Bouhaddi bekommt zu tun: Frankreichs Torhüterin Sarah Bouhaddi war in der Gruppenphase kaum gefordert worden. Das sollte sich in diesem Spiel drastisch ändern. Die Schlussfrau aus Lyon hatte reichlich Gelegenheit, sich auszuzeichnen, insbesondere bei einem Kopfball von Cristiane in der 55. Minute, den sie sensationell noch an die Latte lenkte. Einzig Thaisa konnte Bouhaddi in der 63. Minute ein Mal überwinden.

Marta und Cristiane – dominant und unvollendet: Marta, 33 Jahre alt und 21 WM-Spiele, und Cristiane, 34 Jahre alt und 19 WM-Spiele, waren die erfahrensten Spielerinnen auf dem Platz. Und diese Erfahrung spielten sie bei jeder Gelegenheit aus. Ihre Zuspiele waren zentimetergenau, ihre Tricks atemberaubend, ihre Gegenspielerinnen fast immer chancenlos. Bis irgendwann die Kräfte erlahmten. Nach 70 Minuten waren die Canarinhas körperlich am Ende. Die Bleues gewannen die Oberhand, vor allem durch die Hereinnahme von Gaëtane Thiney.

Henry macht es wie Henry: Henry schießt Frankreich in einem K.-o.-Spiel der Weltmeisterschaft gegen Brasilien nach Freistoß von außen eine Runde weiter. Das hatte es 2006 schon einmal gegeben. Damals hatte Zinédine Zidane den Ball auf den Fuß von Thierry Henry gezirkelt. Nun kam der Freistoß von Amel Majri und Amandine Henry vollstreckte, aber das Ergebnis war das gleiche. Frankreich war eine Runde weiter.

Der Star

Valérie Gauvin und Henry standen dank ihrer Tore im Rampenlicht, aber mindestens genau so wichtig war Griedge Mbock Bathy in der Defensive. In der 105. Minute, mitten in der Drangphase der Bleues, hätte Debinha das Stade Océane beinahe verstummen lassen. Die Brasilianerin brach auf links durch, zog in die Mitte und schoss. Sarah Bouhaddi patzte, aber Mbock Bathy war blitzschnell zur Stelle, warf sich in den Schuss und verhinderte das schon sicher geglaubte Tor.

Griedge Mbock vs Brazil
© Getty Images

Zitate

"Das Weiterkommen ist wunderbar. Wie alle Länderspiele war es schwierig, und es war außergewöhnlich, es mit all seinen Emotionen, der Unterstützung der Zuschauer, der Hitze und dem erbarmungslosen Druck mitzuerleben. Das sind die Spiele, die man liebt, und die eine Geschichte noch schöner machen."
Gaëtane Thiney (Mittelfeldspielerin, Frankreich)

"Das ist ein besonderer Moment, aus dem man Lehren ziehen muss. Ich sage das, damit wir das Ergebnis richtig einordnen. Wir fordern Unterstützung, denn was wir geleistet haben, verdient Anerkennung. Heute lächeln wir, und das halte ich auch für wichtig. Man muss erst weinen, um am Ende lachen zu können."
Marta (Spielführerin, Brasilien)

"Die Zuschauer haben uns heute von der ersten bis zur letzten Minute nach vorn gepeitscht, auch in Phasen, in denen wir nicht gut im Spiel waren. Dieser Sieg ist auch für sie. Jetzt heißt es erst mal regenerieren, wir haben ganz schön Federn gelassen."
Wendie Renard (Verteidigerin, Frankreich)

Und danach?

Nachdem die Hürde Brasilien genommen war, traf Frankreich in einem vorweggenommenen Finale auf Titelverteidiger USA. Megan Rapinoe brachte die Stars and Stripes mit ihrem Doppelpack auf den Weg zum erneuten Weltmeistertitel, während die Bleues wie schon vier Jahre zuvor im Viertelfinale scheiterten.

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