FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015

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FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015™

Wambach: "Noch nie ein Tor alleine erzielt"

Abby Wambach #20 of the USA celebrates with her teamates after passing Mia Hamm
© Getty Images

**Abby Wambachs Beruf ist das Toreschießen. Die Verbesserung des Rekords von Mia Hamm (158 Tore) lag für die groß gewachsene, kraftvolle Stürmerin schon lange "in der Luft". Letzten Monat in New Jersey avancierte sie mit einem Kopfballtreffer zur erfolgreichsten Torschützin in der Geschichte des Frauenfussballs. Mit vier Toren gegen Korea Republik (5:0) ragte Wambach einmal mehr aus der Masse heraus. Zu gleichen Teilen mit Mut, Timing und Technik brach sie die Bestmarke ihrer ehemaligen Teamkameradin, Mentorin und Freundin. Ein Triumph, den sie nun einzuordnen versucht.

Die amtierende FIFA Weltfussballerin des Jahres und zweifache Olympiasiegerin sprach mit FIFA.com über ihre 160 Länderspieltore, ihre zehn Jahre im Fussball und über das zwiespältige Gefühl, den Rekord ihres Vorbilds zu brechen. Aktuell hat sie "das große Ziel" FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015 im Visier, denn es ist der einzige große Titel, der ihr noch fehlt. Sie tut dies mit einer ruhigen und maßvollen Konzentration, vor der sich die gegnerischen Verteidigerinnen in den nächsten zwei Jahren wohl hüten werden müssen.

Ihre Teamkameradinnen schienen sich mehr zu freuen als Sie, als der Rekord fiel…
Wenn du einen individuellen Rekord brichst, liegt es immer an der Größe dessen, was vor dir kommt. Ich kann nicht in Worten ausdrücken, wie dankbar ich jeder Teamkameradin bin, mit der ich in meinem Leben zusammengespielt habe. Angefangen bei meinen Mitspielerinnen in der Jugend bis hin zu Megan Rapinoe, die mir den Pass zum Rekordtreffer gab. Ich bin noch nie durch das gesamte Feld gedribbelt und habe ein Tor alleine geschossen. Ich hätte kein einziges Tor erzielt, wenn es meine Teamkameradinnen nicht gäbe.

160 sind eine Menge Tore. Wie fühlt es sich an, darauf zurückzublicken?
Es ist einschüchternd, darüber nachzudenken, so viele erzielt zu haben. Das bedeutet, dass ich schon eine ganze Weile dabei bin. Ich musste viele Opfer bringen, um das Niveau zu erreichen, das ich jetzt habe, doch ich bin sehr glücklich.

Und der große Moment kam vor 20.000 Fans und durch einen klassischen Wambach-Kopfballtreffer. Wie waren Ihre ersten Gefühle, als der Ball reinging?
Es war so intensiv und unglaublich. Mir ging plötzlich alles Mögliche durch den Kopf – die Familie, das Reisen, die Opfer, Teamkameradinnen. Meine Familie war auch im Stadion, und deshalb war es etwas sehr Besonderes. Seit ich vier Jahre alt bin, unterstützt mich meine Familie beim Fussball. Sehr häufig träumten sie für mich, wenn ich nicht wusste, wie gut ich werden könnte. Sie haben den Rekord mit mir zusammen gebrochen, und ich konnte es mit ihnen auf dem Platz feiern. Es ist schwer zu beschreiben, wie besonders dies war.

Sie und Mia Hamm waren bis zu ihrem Rücktritt etwa ein Jahr lang Teamkameradinnen. Haben Sie nach dem Spiel mit Ihr gesprochen?
Wir haben uns direkt nach dem Spiel SMS geschickt. Sie war, und in gewisser Hinsicht ist sie es immer noch, ein großartiger Mentor für mich. Als ich jung war und wir zusammenspielten, realisierte ich nicht, welche Wirkung und welchen Einfluss unsere Beziehung letztlich auf mich haben sollte.

Wie fühlt es sich an, dass Ihr Name in der Torschützenliste nun über ihrem steht?
Wenn ich in den Spiegel blicke, sehe ich keine Person, die einen solchen Einfluss auf den Fussball gehabt hat wie Mia Hamm. Sie ist immer noch mein Idol, die großartigste Spielerin und Teamkameradin. Sie hat auf so verschiedene Arten so viel erreicht. Was sie für den Frauenfussball getan hat, kann nicht ermessen werden. Sie hat sich für mich gefreut, und nun kann ich auf jemanden warten, der meinen Rekord bricht.

Es klingt beinahe so, als ob ein Teil von Ihnen den Rekord gar nicht brechen wollte...
In einer perfekten Welt, und wenn ich nicht immer noch eine WM gewinnen könnte, wäre ich an dem Tag zurückgetreten, an dem ich ihn eingestellt habe. Doch mehr als jeder andere Mensch hat gerade sie mir beigebracht, dass immer noch ein nächstes Kapitel geschrieben werden muss. Es geht um das Team und das Spiel, nicht um mich.

Die Frauen aus den frühen Jahren der U.S.-Nationalmannschaft sprechen häufig von einer besonderen Harmonie und Verantwortung. Ist dieser Geist im Team immer noch lebendig?
Ich habe von den Besten gelernt, von Julie Foudy, Mia und Kristine Lilly. Sie vertraten bedingungslos die Ansicht, dass du das Spiel in einem besseren Zustand verlassen musst als du es vorgefunden hast. Als U.S.-Frauen-Nationalmannschaft haben wir eine wahre Verantwortung. Wir waren von Beginn an ein Top-Team, und wir müssen dort bleiben und das ernst nehmen.

Sie sehen die U.S.-Frauen nach wie vor als Pionierinnen, die den Frauenfussball vorwärts bringen?
Sehen Sie sich um und Sie können den Einfluss auf Teams wie Japan, Deutschland, Schweden oder Kanada sehen. Es gibt eine Menge Teams, die Dinge erreichen, die zuvor nicht möglich waren. Sie investieren in den Frauenfussball. In den meisten der Top-Ten-Mannschaften sind die Spielerinnen heute Profis, und das ist bedeutsam. Früher mussten Spielerinnen wie Joy Fawcett, Mia und Julie Foudy ihre Trikots selber waschen.

Bei der nächsten FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015 wird das Teilnehmerfeld von 16 auf 24 anwachsen. Ist dies ein weiterer Schritt in der Entwicklung des Frauenfussballs?
Es wird acht Teams mehr geben, und vielleicht werden sie technisch nicht auf der gleichen Höhe sein wie viele etablierte Teams, doch darauf können sie aufbauen. Sie können ihren Weg nach oben beginnen. Wir sind die Frauen-Nationalmannschaft der USA, doch wir spielen auch für den Fussball auf der ganzen Welt. Wenn ich mit anderen Spielführerinnen aus anderen Ländern spreche, fragen sie mich oft: 'Wie habt ihr euren Verband dazu gebracht, euch besser zu behandeln?' Wir haben die Verantwortung, den Weg aufzuzeigen.

In Kanada 2015 werden die USA mit einem neuen Coach antreten. Wie ist es dem ehemaligen australischen Cheftrainer Tom Sermanni ergangen, seit er im letzten Jahr das Amt von Pia Sundhage übernommen hat?
Er bringt ein unterschiedliches Fachwissen, eine andere Art an Kenntnissen mit, die wir vorher nicht kannten. Er versucht immer noch, seinen Weg zu finden, und wir als Mannschaft versuchen, uns an seine Arbeitsweise anzupassen. In Australien hatte er unterschiedliche spielerische Voraussetzungen, ein anderes Budget – alles war ein wenig anders als hier in den Staaten. Es ist für beide Seiten ein Lernprozess.

Er hat mit neuen Aufstellungen, Spielsystemen experimentiert und einige Spielerinnen auf ungewohnten Positionen eingesetzt.
Er zeigt uns, dass er Vertrauen in seine eigene Vision hat, dass er daran interessiert ist, das Niveau zu steigern. Er will, dass wir ein schönes Spiel zeigen, so wie es auch Pia [Sundhage] getan hat. Doch er will dies auch um die Hartnäckigkeit und Härte ergänzen, für die amerikanische Athleten bekannt sind.

Ein neunter Triumph beim Algarve Cup im März scheint darauf hinzudeuten, dass die Dinge in die richtige Richtung laufen...
Er [Sermanni] nutzte den Algarve Cup, um Spielerinnen zu bewerten, und er hat dabei nach vorne gedacht. Er stellte sich wichtige Fragen wie: 'Habe ich die richtigen Spielerinnen auf den richtigen Positionen?' oder 'werden meine älteren Spielerinnen bei der Weltmeisterschaft in der Lage sein, 90 Minuten durchzuhalten?' 'Muss ich darüber nachdenken, jüngere Spielerinnen einzusetzen?' Er ist ein Typ, der das große Ganze im Blick hat.

Die Frauen-Weltmeisterschaft ist die einzige Trophäe, die Sie noch nicht gewonnen haben. Wie weit entfernt scheint für Sie 2015 zu liegen, da es wahrscheinlich Ihre letzte Weltmeisterschaft sein wird?
Ich denke nicht jede Sekunde an die Weltmeisterschaft, doch ich habe sie immer im Blick, wenn ich Entscheidungen treffe. Es ist mein großes Ziel, und es gibt einen Prozess und einen richtigen Weg, es zu erreichen. Ich muss mir selbst einen Plan aufstellen. Ich werde 2015 35 Jahre alt sein, deshalb kann ich zurzeit nicht mehr immer Vollgas geben. Ich muss für mich einen Rhythmus finden, um zur besten Form meines Lebens zu gelangen. Ich muss intelligent vorgehen und mir nicht zu viele Gedanken über das 'was wäre, wenn' machen.

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