FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015

6 Juni - 5 Juli

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015™

Von einem Extrem ins andere

© Getty Images

TAGESRÜCKBLICK  - Zum Auftakt des dritten Spieltags im Achtelfinale der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015 gab es für Norwegen in der Hitze von Ottawa eine kalte Dusche gegen England. In der zweiten Partie des Tages durchlebte auch das U.S.-Team ein Wechselbad der Gefühle, um schließlich gegen Kolumbien die Oberhand zu behalten.

Die Skandinavierinnen waren den Engländerinnen weit überlegen und gingen folgerichtig durch einen Kopfballtreffer von Solveig Gulbrandsen in Führung. Doch die Three Lionesses, die schon seit Beginn des Turniers sehr wechselhafte Leistungen zeigen, konnten die Partie nach einem Kopfballtreffer von Steph Houghton und einem Traumtor von Lucy Bronze überraschend noch drehen.

Auch die U.S.-Amerikanerinnen erlebten gegen ein kolumbianisches Team, das nichts zu verlieren hatte, zwei vollkommen gegensätzliche Halbzeiten. In der ersten Hälfte wurden sie schwer in Bedrängnis gebracht und taktisch dominiert, doch nach der Pause nahmen sie das Heft in die Hand und sicherten sich souverän das Weiterkommen. Hierzu muss allerdings gesagt werden, dass sie nach dem Platzverweis von Torhüterin Catalina Perez die gesamte zweite Halbzeit in Überzahl waren.

*Die Ergebnisse
*
Norwegen - England 1:2
USA - Kolumbien 2:0

Das Tor des Tages
Norwegen - England 1:2, Lucy Bronze (76.)
Ingrid Hjelmseth wird die Heimreise mit vielen schönen Erinnerungen an Kanada antreten, aber auch mit einem sich wiederholenden Albtraum im Kopf. Nachdem sie schon in der Partie zuvor machtlos einen fantastischen Distanztreffer der Ivorerin Ange Nguessan mitansehen musste, kassierte die norwegische Schlussfrau gegen England fast die exakte Kopie jenes Tores in den gleichen Winkel durch Lucy Bronze. Dieses Mal aber handelte es sich nicht "nur" um den Ehrentreffer, sondern um das Siegtor, das für die Engländerinnen den Einzug ins Viertelfinale und für Hjelmseth und ihr Team das Aus bedeutete.

Die besonderen Momente
*Zwischen Vergangenheit und naher Zukunft
*Even Pellerud ist in Kanada kein Unbekannter, schließlich leitete er zwischen 1999 und 2008 die Frauen-Nationalmannschaft. Als der Trainer Norwegens aus der Kabine trat und in Richtung Spielfeld lief, sagte der Verantwortliche für die Ballmädchen und -jungen zu seinen Schützlingen: "Das ist der Trainer Norwegens. Er hat auch Kanada trainiert. Vielleicht würde er eines Tages gerne zurückkommen." Pellerud brach in Gelächter aus und sagte zu den Kindern: "Es kann sein, dass ich zurückkomme, und in einigen Jahren werde ich ein paar von euch trainieren!"

Großer Abstand, kleiner Unterschied
*In der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste der Männer belegt Kolumbien den vierten Platz und liegt damit 23 Stufen über den USA. Bei den Frauen ist es genau umgekehrt: Die USA liegen 26 Plätze über den *Cafeteras
auf Rang zwei. Gleichwohl war auf dem Spielfeld des Commonwealth Stadium von Edmonton kaum ein Unterschied zu bemerken. Zur Halbzeitpause hatten die Amerikanerinnen 54:46 Prozent Ballbesitz, sieben zu sechs Torschüsse sowie zwölf Fouls im Vergleich zu den nur drei der Südamerikanerinnen auf dem Konto. Doch eine rote Karte zu Beginn der zweiten Hälfte brachte das Kräfteverhältnis aus dem Gleichgewicht und führte zu dem erwarteten Ergebnis.

*Kalter Schweiß und Hitzewallungen
*Die Hitze in Ottawa beeinträchtigte nicht nur die Spielerinnen. Wenige Minuten vor dem Einlaufen der Teams war der englische Trainer Mark Sampson noch in Shorts und Badeschlappen gekleidet und kniete neben einem Eisbehälter, in den er seine Hände tauchte, um sich mit Eiswasser zu bespritzen. Wenige Minuten darauf brach ihm in langer Hose und Hemd zunächst der kalte Angstschweiß aus, da seine Spielerinnen den Norwegerinnen deutlich unterlegen waren. Doch am Ende wärmten sie ihm mit der erfolgreichen Qualifikation das Herz.

Doppelt qualifiziert, noch nicht endgültig ausgeschieden:
*Da sich alle auf die laufende WM konzentrieren, wird manchmal vergessen, dass sich die europäischen Teams gleichzeitig im Rennen um einen Startplatz für das Olympische Fussballturnier der Frauen Rio 2016 befinden. Nur die drei besten Teilnehmer haben Anspruch auf ein Ticket, das Deutschland und Frankreich durch den Einzug ins Viertelfinale von Kanada bereits gelöst haben. So werden sie sich den weiteren Verlauf gemütlich vor dem Fernseher ansehen können. Da England nicht zu den Kandidaten gehört, weil es nicht unter dem Banner Großbritanniens teilnimmt, kann nur noch das Team der Niederlande den Deutschen und Französinnen folgen. Aber auch bei einer Niederlage gegen Japan wären die *Oranje Leeuwinnen
nicht endgültig ausgeschieden: In diesem Fall würden Norwegen, Schweden und die Schweiz wieder im Rennen sein und der dritte Startplatz müsste in Playoff-Partien zwischen all diesen Ländern ausgespielt werden. Überflüssig zu erwähnen, dass Japan in Europa viele Unterstützer haben wird ...

*Die Zahl des Tages
1 - *
So viele Tore fehlen Abby Wambach noch, um mit Marta als bester Torjägerin (15 Treffer) des Wettbewerbs gleichzuziehen. Der Amerikanerin lag die Bestmarke schon auf dem Fuß, doch sie schoss ihren Elfmeter in den Abendhimmel über dem Commonwealth Stadium von Edmonton.

Das Zitat
"In dieser Position geben ich den Ball normalerweise weiter, damit jemand anderes ausführt. Doch der Trainer und meine Teamkameradinnen haben gesagt, dass ich auch mal schießen muss." -* Lucy Bronze (Verteidigerin, England)*

So geht es weiter
Dienstag, 23. Juni
Achtelfinale
Japan - Niederlande (BC Place Stadium, Vancouver, 19:00 Uhr)
*
(Alle Anstoßzeiten in Ortszeit)*

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