FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015

7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015™

Von Casillas bis Tirapu: Amieiros Erfolgsformel

Manuel Amieiro
© FIFA.com

"Du wirst begeistert sein", kündigte Ignacio Quereda an, als er ihn 2007 einlud, Teil seines Projekts zu werden und der spanischen Frauenauswahl neue Impulse zu verleihen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Manuel Amieiro keinerlei Kontakt zum Frauenfussball gehabt. Seine Erfahrung beschränkte sich auf die Männer.

Doch die Prophezeiung sollte sich erfüllen. Der ehemalige Nachwuchstrainer von Iker Casillas, César und Diego López bei Real Madrid hat derzeit die Aufgabe, die Qualität der drei Torfrauen zu steigern, die auserwählt wurden, um Spanien 2015 in Kanada bei der ersten Teilnahme an einer FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ zu vertreten.

Amieiro war in Bezug auf das Torwarttraining einer der großen Pioniere seines Landes. "Früher gab es weder entsprechende Methoden noch Kriterien, und da ich als Spieler auf dieser Position gespielt hatte, habe ich mich nach dem Erwerb des Trainerscheins weitergebildet und spezialisiert", so der Trainer der spanischen Nationaltorhüterinnen.

Vor acht Jahren begann schließlich sein Engagement in der spanischen Frauen-Nationalmannschaft. "Der erste Tag war schockierend, da ich aus der Elite kam und nun unbekannte Frauen trainieren sollte, die noch nie einen Torwarttrainer gehabt hatten. Sie haben sich aber dermaßen engagiert, dass ich bis heute sehr glücklich und zufrieden bin."

"Das Tor ist der anfälligste Bereich in diesem Sport", betont der Trainer. "Hier waren aus vielerlei Gründen nur langsam Fortschritte zu verzeichnen: Es wurde keine spezifische Arbeit geleistet und oftmals wurden die falschen Spielerinnen ausgewählt. Früher stand die Spielerin zwischen den Pfosten, die entweder nicht allzu gut mit dem Ball umgehen konnte oder einfach nur die Größte war. Eignung und Qualität spielten eine untergeordnete Rolle", so der 61-jährige ehemalige Schlussmann.

Die Dinge haben sich seit seiner ersten Kontaktaufnahme deutlich gewandelt. "Die Frauen, die heute im Tor stehen, machen dies aus Überzeugung und werden anhand äußerlicher und physischer Faktoren ausgewählt. Dadurch steigt das Niveau. Der Rückstand auf andere Positionen ist allerdings immer noch gewaltig. Das wird auch noch einige Zeit in Anspruch nehmen."

Zudem ist die Position der Torfrau besonders komplex. "Das Schwierigste ist, den Kopf zu trainieren. Du musst sie davon überzeugen, dass sie in der Lage sind, das zu tun, was du ihnen vorgibst. Für einen guten Torwart ist der Kopf entscheidend. Entscheidest du dich spät, reagiert auch der Körper spät. Man muss also ein Gleichgewicht zwischen den mentalen Reflexen und der Antwort des Körpers schaffen", so Amieiro, der für den kometenhaften Aufstieg des jungen Casillas verantwortlich zeichnet.

Drei Modelle
Derzeit betreut er die andere Nummer eins des spanischen Fussballs: Ainhoa Tirapu. "Ihr Verdienst ist gewaltig, da sie lange Zeit alleine trainiert hat und alleine durch ihren Willen weit gekommen ist. Sie ist sehr selbstkritisch und das hilft ihr, sich weiterzuentwickeln. Sie ist eine ruhige und erfahrene Spielerin und gibt diese Gelassenheit an ihre Mitspielerinnen weiter. Sie hat eine professionelle Einstellung und ist sehr umsichtig. Ihr großer Trumpf ist ihre Stärke auf der Linie", so Amieiro über die Nummer eins im spanischen Tor.

Als Ersatztorhüterin ist in Kanada Lola Gallardo vorgesehen. "Sie verfügt über ein beeindruckendes spielerisches Talent. Dadurch strahlt sie eine Sicherheit aus, als würde sie bereits seit zehn Jahren auf dieser Position spielen", so der Trainer über die Schlussfrau von Atlético Féminas. "Trotz ihrer eher schwachen Physis verfügt sie über ein ausgezeichnetes Stellungsspiel und kann sich so breiter machen und das Tor zustellen. Sie ist talentiert, handelt intuitiv und ist in ihren Aktionen äußerst effizient."

Abschließend kommt der erfahrene Trainer noch auf die Qualitäten der dritten Torfrau zu sprechen. "Sandra Paños verfügt über ein großes Potenzial. Sie kann inzwischen ihre Emotionen besser kontrollieren und wird mit zunehmender Einsatzdauer immer besser. Technisch gesehen spielt sie auf einem sehr hohen Niveau", so Amieiro, der die Deutsche Nadine Angerer, die U.S.-Amerikanerin Hope Solo und die Norwegerin Ingrid Hjelmseth als Vorbilder sieht.

Und was hat den Ausschlag dafür gegeben, dass sich die Vorhersage von Quereda erfüllt hat und Amieiro die Arbeit mit den Frauen begeistert? "Ihre Fähigkeit, alles zu geben und das permanente Bestreben, ihr Potenzial zu zeigen. Bei den Männern geht man davon aus, dass sie spielen können, bei den Frauen, dass sie es nicht können. Folglich müssen sie permanent beweisen, dass sie es können. Für mich war es ein Ansporn zu sehen, dass sie die von mir vorgegebenen Ziele nach und nach erreicht haben. Das alles ist Teil ihres Alltags und des Wunsches, besser zu werden und dazuzulernen. Ich schätze Menschen, die versuchen, jeden Tag ein bisschen besser zu werden."

Mit dieser Philosophie tritt die Mannschaft nun die Reise nach Kanada an - um jeden Tag ein bisschen besser zu werden. Zunächst gegen Costa Rica, dann gegen Brasilien und zum Abschluss gegen die Republik Korea. Spiel für Spiel. "Wir müssen viele kleine Schritte tun. Die Fortschritte werden klein aber kontinuierlich sein. Im Falle eines Scheiterns sind die Rückschläge und Enttäuschungen aber auch geringer."

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