FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019

7 Juni - 7 Juli

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2019™

Daniels: Von ganz unten nach ganz oben

  • Yana Daniels will mit Belgien über die Playoffs nach Frankreich 2019
  • Die Stürmerin musste wegen einer schweren Knieverletzung zwei Jahre pausieren
  • Nach mehreren Operationen arbeitete sie zwischenzeitlich als Tierpflegerin im Zoo

"Fussballgene hat man für immer im Blut."

Sachlich, fast emotionslos kommen diese Worte aus Yana Daniels' Mund, doch der lange Leidensweg, den sie hinter sich gebracht hat, um schließlich im Playoff um die Teilnahme an der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ zu stehen, beweist nachdrücklich, dass sie den Erfolgshunger und die Leidenschaft tatsächlich in ihren Genen trägt.

Im März 2015 spielte sie mit ihrem damaligen Klub FC Twente gegen Club Brugge. Ihr Team gewann zwar mit 3:0, doch für Daniels hätte es das letzte Spiel ihrer noch kurzen Karriere sein können. "Ich habe mir zum dritten Mal einen Kreuzbandriss zugezogen und wusste, dass drei Operationen nötig waren, um das in Ordnung zu bringen", so die belgische Nationalspielerin im Gespräch mit FIFA.com. "Und ich wusste, dass es zwei Jahre dauern würde."

Eine derartige Prognose wäre wohl für jeden ein absoluter Tiefschlag. Dies gilt insbesondere für eine gerade 22-Jährige, die ihre Schulbildung abgeschlossen hat und sich über ihre Möglichkeiten und Perspektiven in der Welt klar werden muss. Es gab nur eine Möglichkeit, eine neuerliche Wiederholung der Verletzung zu verhindern: Ihr Bein musste gebrochen und gerichtet und die Bänder im Knie repariert werden. Dann konnte man nur noch hoffen.

"Ich musste in diesen zwei Jahren drei Mal aufs Neue das Gehen lernen – das war schon ziemlich hart. Ich saß monatelang im Rollstuhl, lief dann an Krücken – das volle Programm", so die Stürmerin von Liverpool im Rückblick auf die lange, harte Zeit der Rehabilitation. "Es ist echt hart. Du machst das Aufbautraining und dann brauchst du eine weitere Operation. Dann wieder Aufbautraining - und dann wieder eine OP."

Der Frust war so groß, dass der Fussball nicht mehr im Mittelpunkt stand. Daniels suchte sich eine andere Beschäftigung, zunächst als Tierpflegerin im Zoo, später dann als Busfahrerin. Ersteres war genau das, was sie brauchte.

"Das war herrlich. Ich habe im Zoo ein halbes Jahr bei den Elefanten gearbeitet und fand es toll, um ehrlich zu sein!", erzählt sie voller Begeisterung. Daniels hatte nach Abschluss ihrer Prüfungen das Stellenangebot im Zoo Planckendael zwischen Antwerpen und Brüssel gesehen und dachte: 'Warum eigentlich nicht?'

"Es erwies sich sogar als gute Rehabilitation denn man ist ständig auf den Beinen und in Bewegung. Und die Arbeit mit den Elefanten ist ganz schön anstrengend, es war also auch gut für die Fitness!"

Nach ihrer vollständigen Genesung gelang Daniels eine schnelle und spektakuläre Rückkehr auf den Platz – genau zur richtigen Zeit, um noch bei Belgiens erstmaliger Teilnahme an einer UEFA EURO der Frauen dabei zu sein. "Ich konnte ab Januar wieder Fussball spielen und im Juni wurden schon die Kader bekannt gegeben. Ich hatte also nur sechs Monate, um wieder das höchste Niveau zu erreichen."

Wachsende Träume

  • Bis 2017 war Belgien bei keinem großen Turnier dabei und war bei 18 Qualifikationsversuchen kaum einmal in die Nähe eines Erfolges gekommen
  • "Als Kind träumte man in Belgien eigentlich nicht davon, denn das lag in unerreichbarer Ferne. Doch jetzt liegt es viel näher und man beginnt zu träumen."
  • Nach dem Debüt bei der UEFA EURO der Frauen 2017 wird der Frauenfussball in Belgien mit anderen Augen gesehen
  • "Sehr viele kleine Mädchen haben angefangen, Fussball zu spielen, und es ist auch toll, dass jetzt viele kleine Fans am Spielfeld stehen. Es gibt schon viel mehr Zuschauer, rund 4.000 bis 5.000 kommen zu den Länderspielen. Früher waren es vielleicht 1.000 bis 2.000."

Nach den gelungenen Auftritten bei der EURO lief für Daniels alles wie im Zeitraffer ab. Zunächst unterschrieb sie in der englischen Women's Super League (WSL) bei Bristol Academy. Dann wechselte sie zu Liverpool. Und in der WM-Qualifikation steht nur noch die Playoff-Runde zwischen den Belgierinnen und ihrem WM-Debüt.

"Von ganz unten ging es für mich ganz nach oben. Wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, dass ich für Liverpool spielen werde, hätte ich ihn für verrückt erklärt."

Der Gegner im Playoff-Duell um die WM-Teilnahme ist die Schweiz, die bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015™ in Kanada ihr Debüt feierte. "Die Schweiz verfügt über viele sehr talentierte Einzelspielerinnen. Unsere Stärke hingegen liegt in der mannschaftlichen Geschlossenheit", so Daniels.

"Ein gutes Resultat im Heimspiel gegen die Schweiz würde uns viel Selbstvertrauen schenken. Dann könnten wir auch auswärts im Rückspiel versuchen, unser Spiel aufzuziehen."

Doch ganz unabhängig vom Ausgang dieses Duells ist Daniels rundum begeistert, dass sie nach ihrer langen Zwangspause nun wieder zur Fussballwelt dazu gehört. "Ich freue mich, dass ich die Möglichkeit habe, dies alles wieder zu erleben."

Daniels mit ihren Kollegen aus dem Elefantengehege

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