FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019™

7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-WM 2019™

"Tiki-Taka" in der Hintermannschaft der USA

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  • Davidson ist eine der Zukunftshoffnungen der USA
  • 20-jährige Innenverteidigerin kämpft um Stammplatz
  • Mit FIFA.com spricht sie über ihre von Tiki-Taka geprägte Ausbildung

Wenn man sich mit Tierna Davidson unterhält, hat man den Eindruck, mit einem alten Hasen zu sprechen. Das Gespräch wechselte munter zwischen taktischen Nuancen und den Eigenschaften und größten Stärken der Gegner hin und her. Diese Reife macht sich auch auf dem Spielfeld bemerkbar, wo Ruhe und Gelassenheit zu ihren Markenzeichen zählen.

Dabei ist Davidson gerade einmal 20 Jahre alt.

Die Innenverteidigerin der USA, die auch bereits Erfahrung im defensiven Mittelfeld gesammelt hat, bereitet sich gerade auf ihre erste Weltmeisterschaft vor. Dabei hat sie neben Abby Dahlkemper und Becky Sauerbrunn gute Chancen auf einen Platz in der Startelf.

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US-Cheftrainerin Jill Ellis hat auf jeden Fall viel Vertrauen zu ihr, denn die aus Menlo Park (Kalifornien) stammende Spielerin war seit Julie Foudy im Jahr 1994 die erste, die bei ihren ersten fünf Spielen in der A-Nationalmannschaft über die komplette Spielzeit auf dem Platz stand. Wir wollten wissen, woher sie diese Ruhe und Gelassenheit nimmt.

"Soweit ich weiß, war ich schon immer so", meint Davidson im Gespräch mit FIFA.com. "Mir jagen natürlich schon viele Gedanken durch den Kopf, aber ich schätze, ich mache dabei immer einen gelassenen Eindruck. Wahrscheinlich kommt das daher, dass wir bei meinem Klub eine tiki-taka-mäßige Spielweise hatten. Dabei habe ich gelernt, am Ball die Ruhe zu bewahren."

*Tiki-Taka* ist eine auf Ballbesitz ausgerichtete Spielphilosophie, die in jüngster Zeit vor allem durch die spanischen Nationalteams bekannt wurde, die die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™ sowie die UEFA EURO 2008 und 2012 gewonnen haben. Viele Teams auf der ganzen Welt haben sich daran orientiert, darunter auch einige, mit denen Davidson während ihrer Ausbildung in Kontakt kam.

"Stanford [University] gehört wahrscheinlich zu den besten Tiki-Taka-Teams von allen. Es gibt so viele talentierte Spielerinnen, von denen viele mit dieser Spielweise weitermachen möchten, die wirklich sehr hilfreich war. Selbst als Innenverteidigerin habe ich das Spiel gestaltet. Das ist etwas ganz Besonderes für mich."

Tierna Davidson im Kurzprofil

  • Davidson gab ihr Debüt in der US-amerikanischen Nationalmannschaft mit 19 Jahren. Die ersten vier Spiele bestritt sie gegen Dänemark, Deutschland, Frankreich und England.
  • Sie wurde 2018 in den USA zur Nachwuchsfussballerin des Jahres gewählt.
  • Sie wurde 2019 beim "College Draft" als erste Spielerin für die NWSL (National Women's Soccer League) verpflichtet, und zwar von den Chicago Red Stars.
  • Sie gewann 2017 mit Standford University die NCAA-Meisterschaft.
  • Ihre Großmutter war von 1955 bis 1957 Spielführerin des Feldhockeyteams der Republik Irland.

Davidson entspricht dem Idealbild einer modernen Innenverteidigerin, denn ihr Aktionsradius beschränkt sich keineswegs auf die defensiven Zonen des Spielfelds. Dank ihrer Fähigkeiten und Spielintelligenz überzeugt sie auch in der Spieleröffnung und beim Einleiten von Spielzügen. Wir wollten wissen, inwiefern sich ihre Tiki-Taka-Vorgeschichte auf das Nationalteam auswirkt.

"Das ist auf jeden Fall ein Aspekt unserer Spielweise", so Davidson. "Ich glaube allerdings, wir verfügen auch über genügend Alternativen und Kraft, um bei Bedarf ein direkteres Spiel aufzuziehen. Wenn wir zum Beispiel in den letzten zwei oder drei Minuten unbedingt noch ein Tor schießen müssen, sind wir dazu physisch durchaus in der Lage und können bei Bedarf auch präzise lange Bälle schlagen. Ich glaube, unsere Spielweise ist eher eine Mischung, und auf internationaler Ebene brauchst du diese Flexibilität auch."

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Davidson, die an der Universität Wirtschaftsingenieurwesen studiert hat und sich sehr für Luftfahrt und Astronomie interessiert, hat in ihrer noch jungen Karriere bereits viele schwere Verletzungen überwunden. Nach einer Sprunggelenksfraktur, die sie sich in einem Spiel für Stanford zugezogen hatte, verpasste sie die CONCACAF-Meisterschaft der Frauen – das Qualifikationsturnier für die WM in Frankreich.

"Ich gehe nach diesen Verletzungen wirklich ganz anders an die Sache heran. Sie haben mir die Augen geöffnet", so Davidson. "Ich genieße einfach jedes Spiel und jede Trainingseinheit, die ich mit diesem fantastischen Team bestreiten darf. Letztendlich kann man nichts als selbstverständlich hinnehmen und muss den Augenblick genießen."

Wenn sie in Frankreich aufläuft, wird sie sicherlich den Augenblick genießen und perfekt in die Rolle passen, auch wenn es ihr erster Auftritt auf der Weltbühne ist.

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