FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019™

7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-WM 2019™

Modise: "Eine Ehre, zum 100-Tore-Klub zu gehören"

© Getty Images
  • Südafrikas Legende "sprachlos" über Zugehörigkeit zum 100-Tore-Klub
  • Modise möchte südafrikanische Frauen fördern und zum Fussballspielen ermutigen
  • Ehemalige Stürmerin hofft auf positive Auswirkungen durch WM-Debüt

Als Alex Morgen letzte Woche gegen Australien ihr 100. Tor für die USA erzielte, stieß sie in den illustren Kreis der Spielerinnen vor, die diesen Meilenstein erreicht haben. Christine Sinclair, Abby Wambach und Birgit Prinz haben ihre Namen auf diese Liste gesetzt, ebenso wie Südafrikas Rekordtorschützin und Mitglied der FIFA-Legenden Portia Modise. 

Es ist für jeden ein Riesenerfolg, 100 Tore für seinen Klub oder seine Nationalmannschaft zu erzielen, doch für Modise ist es noch einmal etwas ganz Besonderes. Sie wuchs als eines von drei Kindern einer behinderten Mutter in Soweto auf, und es war schon eine große Herausforderung, überhaupt den Durchbruch als Fussballerin zu schaffen.  

"In meinem Umfeld war es sehr schwer, das zu erreichen, was ich erreicht habe. Aber meine Trainer haben etwas in mir gesehen und die nötige Zeit investiert", meint sie.

"Sie waren wie Vaterfiguren und haben darauf geachtet, dass ich zur Schule ging und dass es mir gut ging. Ich lebte in einer Baracke, habe viele Opfer gebracht und möchte nicht, dass andere junge Mädchen dasselbe durchmachen wie ich."

Diese Opfer mögen sich für Modise in finanzieller Hinsicht nicht besonders gelohnt haben, doch am Ende wurde sie durch ihre Fussball-Leidenschaft und harte Arbeit zu einer der erfolgreichsten Spielerinnen Afrikas – auch wenn sie vielleicht mehr Anerkennung verdient gehabt hätte.

Nachdem Sie beim dänischen Klub Fortuna Hjørring angeheuert hatte, vertrat Modise ihr Land bei den Olympischen Spielen 2012 in London. Dort erzielte sie bei der 1:4-Niederlage gegen Schweden von der Mittellinie aus das schönste Tor des Turniers.

Wirklich Schlagzeilen machte sie dann allerdings im Oktober 2014, als es ihr als erster Afrikanerin gelang, die Marke von 100 Länderspieltoren zu erreichen. Sie beendete ihre Karriere schließlich mit 101 Treffern in 134 Einsätzen.

"Ich war 2014 in Namibia beim Afrikanischen Nationen-Pokal und wurde von einer Teamkameradin angespielt. Ich ließ alle Gegenspielerinnen hinter mir, entschied mich aber, abzugeben statt selbst zu schießen. Dann bekam ich eine weitere Chance, bei der ich es mit einer Verteidigerin und der Torfrau aufnehmen musste. Gott sei Dank hat es geklappt, und ich habe mein 100. Tor erzielt. Das war ein toller Moment. Ich betone immer wieder, dass es mich sprachlos macht, zu einem Kreis so vieler hervorragender Spielerinnen mit 100 Toren zu gehören, weil ich aus ganz anderen Verhältnissen stamme. Ich fühle mich wirklich geehrt."

Trotz all ihrer Erfolge gibt es eines, was Modise gern noch erreicht hätte: gemeinsam mit Marta auf dem Platz stehen.

Sie behauptet zwar keinesfalls, auf demselben Niveau zu sein wie die sechsmalige FIFA-Weltfussballerin des Jahres, wohl aber, dass ihre Spielweise der Martas ähnelt. Daher hätte sie ihre Fähigkeiten gern gegen eine der ganz Großen des Frauenfussballs auf den Prüfstand gestellt.

"Sie ist eine ganz besondere Spielerin. Ich wollte sein wie sie und gegen sie spielen. Ich finde es toll, dass sie im Frauenfussball ein Vermächtnis hinterlassen will. Wenn wir zu meiner aktiven Zeit über geniale Spielerinnen gesprochen haben, dann waren das Marta und Mia Hamm."

Modise hatte zwar nie Gelegenheit, gegen Marta anzutreten, sie möchte allerdings ähnlich wie diese ein Vermächtnis hinterlassen. Daher setzt sie sich in Südafrika weiterhin für den Frauenfussball ein.

Die Einführung einer neuen Profiliga in diesem Jahr wird der Banyana Banyana langfristig zugutekommen, hofft sie. Außerdem glaubt sie fest daran, dass das WM-Debüt Südafrikas dieses Jahr in Frankreich für einen entscheidenden Durchbruch des Frauenfussballs in ihrem Heimatland sorgen wird. Nur zu gern wäre sie selbst auf dem Spielfeld dabei.

"Die neue Liga ist sehr wichtig, und wir haben lange auf diesen Tag gewartet. Auch die Weltmeisterschaft spielt eine wichtige Rolle, und ich kann es kaum noch erwarten. Ich freue mich schon darauf und würde am liebsten die Fussballschuhe schnüren und selbst auf dem Platz stehen. Dadurch wird sich für viele junge Frauen etwas ändern und Mädchen, die bislang nicht wussten, wohin sie sich wenden sollten, werden Zugang zu einer Plattform erhalten. Ich glaube, langsam ändert sich etwas."

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