FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011 ™

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011 ™

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011™

Ein Tor schockt eine ganze Nation

Karina Maruyama of Japan scores
© Getty Images

Der zweimalige Weltmeister und dreimalige Olympiamedaillengewinner Deutschland ist auf globaler Ebene ausgesprochen erfolgreich. Wenn es in den letzten Jahren etwas gegeben hat, das diese stolze Tradition befleckt hätte, dann war es sicher das Ausscheiden im Viertelfinale der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011™ auf heimischem Boden gegen den späteren Titelgewinner Japan. In den Schlagzeilen tauchte zwar in erster Linie Homare Sawa auf, die Spielführerin der Nadeshiko, doch eigentlich war es eine relativ unbekannte Stürmerin namens Karina Maruyama, die die Herzen der Deutschen brach.

Da Deutschland 2003 und 2007 mit beeindruckenden Leistungen den Titel geholt hatte und nun zum ersten Mal selbst eine FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ ausrichtete, waren die Erwartungen hoch. Tatsächlich hing in der Arena des VfL Wolfsburg im Allerpark schon Vorfreude in der Luft, als das deutsche Team an jenem Sommerabend im Juli vor 26.000 Zuschauern das Spielfeld betrat. Schließlich hatte Japan bei vorherigen Auflagen der Frauen-WM lediglich drei von 16 Spielen gewonnen. 2011 hatten die *Nadeshiko *dann zwar in ihren ersten beiden Gruppenspielen beeindruckt, waren in der dritten Partie mit einer 0:2-Niederlage gegen England allerdings wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden. Aufgrund dieses Ergebnisses kam es nun zum Aufeinandertreffen mit den amtierenden Weltmeisterinnen.

*Stelldichein mit dem Schicksal *
Doch das Viertelfinale sollte sich für Deutschland als Katastrophe erweisen. Nachwuchssensation Kim Kulig musste das Spielfeld schon nach wenigen Minuten mit einer schwerwiegenden Knieverletzung wieder verlassen, und Japan hielt dem unermüdlichen Druck auf das Tor von Ayumi Kaihori stand. Nach 90 Minuten zeigte die Anzeigetafel noch immer ein torloses Unentschieden, die Heimmannschaft war aber dennoch felsenfest davon überzeugt, dass sie die Sache schon schaukeln würde.

Doch dann geschah das Unvorstellbare. Die eingewechselte Maruyama erlief sich den Ball nach einem wunderschönen Zuspiel von Homare Sawa und beförderte ihn aus einem schwierigen Winkel an Nadine Angerer vorbei ins Tor. Schlagartig herrschte Stille im Stadion. Noch waren zwölf Minuten zu spielen, doch die Deutschen fanden keine Mittel gegen die hoch motivierten Asiatinnen, die sich 120 Minuten lang nicht aus dem Takt bringen ließen. Mittlerweile haben sie sich mit ihrer metronomischen Spielweise einen Namen gemacht.

Maruyama erinnert sich an den entscheidenden Augenblick: "Es war, als sei die Zeit stehengeblieben [als das Tor fiel]", erklärt die inzwischen 33-Jährige im Gespräch mit FIFA.com. "Bei den Zehntausenden von Menschen im Stadion herrschte augenblicklich Totenstille. Ehrlich gesagt konnte ich gar nicht begreifen, was da gerade passiert war. [Nach dem Spiel] blieb ich einfach auf dem Platz und sonnte mich in diesem wunderbaren Gefühl."

Maruyama, die derzeit für Speranza FC Osaka in der japanischen Liga spielt, verriet außerdem, dass Trainer Norio Sasaki ihr besondere Anweisungen gegeben hatte, bevor sie zur Halbzeit eingewechselt wurde. "Kurz bevor ich auflief, sagte unser Cheftrainer Sasaki mir, ich solle die Räume hinter den Verteidigerinnen nutzen. Außerdem sagte er: 'Du kannst es schaffen. Du kannst das Tor schießen und das Spiel entscheiden.'"

Sasakis Worte sollten sich als prophetisch erweisen. Maruyama bewegte sich zwischen den Linien und arbeitete mit einem perfekten Vorstoß zwischen zwei Verteidigerinnen die Torchance heraus. "In dem Moment, indem ich hinter die Verteidigungslinie gelaufen bin, sah ich sofort den Weg zum Tor."

Dies war zwar ein großer persönlicher Erfolg, doch der absolute Höhepunkt für Maruyama war der Gewinn des Weltmeistertitels. Wichtig war ihr auch, dass sie den Menschen in ihrem Heimatland nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe, die gerade einmal drei Monate zurücklag, eine Freude bereiten konnte. "Das Beeindruckendste an der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011 war für mich, dass Japan zum ersten Mal Weltmeister geworden ist. Das Turnier fand nur wenige Monate nach dem Erdbeben in Ostjapan statt, und ich erinnere mich noch genau daran, dass wir uns während der Zusammenkünfte und vor dem Spiel Videos von den betroffenen Regionen und Menschen angesehen haben. Das hat uns sehr motiviert."

Für Deutschland war dies das Ende einer "goldenen" Ära, die von Stars wie Birgit Prinz, Inka Grings und Kerstin Garefrekes geprägt worden war. Sie alle mussten sich auf traurige Weise von der Weltbühne verabschieden. Für die Japanerinnen war diese Partie hingegen der Wendepunkt auf dem Weg zum bahnbrechenden Erfolg. Sie gaben sich nicht mit dem Sieg gegen die Titelverteidigerinnen zufrieden, sondern schlugen im Halbfinale auch die europäische Supermacht Schweden und setzten sich im Finale nach Elfmeterschießen gegen die USA durch – ein beachtlicher Triumph.

Und was Maruyama betrifft, so wird ihr entscheidender Beitrag in einem denkwürdigen Spiel der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ sicher auch in einigen Jahrzehnten noch nicht vergessen sein.

Mehr zu diesem Thema erfahren