FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015

7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015™

Stoney: Mit Leidenschaft für Fussball und Familie

© Getty Images

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Letztes Jahr wurde das Leben der Abwehrspielerin Casey Stoney auf den Kopf gestellt, und zwar in vielerlei Hinsicht. So ist das normalerweise, wenn man sich auf das Abenteuer der Mutterschaft einlässt. Und wenn das Schicksal einem Zwillinge beschwert, ist die Herausforderung doppelt so groß.

Auf beruflicher Ebene hat es ebenfalls Veränderungen gegeben. Seit Mark Sampson das Traineramt bei der englischen Nationalmannschaft übernommen hat, hat die frühere Spielführerin des Teams nur ein einziges Spiel bestritten. Knapp einen Monat vor Beginn der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015™ hält die Spielerin nicht damit hinter dem Berg, dass sie ihre Situation als "frustrierend und enttäuschend" empfindet.

Dennoch glaubt Stoney fest daran, dass sie den Sprung in den WM-Kader schaffen und zum dritten Mal am Weltturnier teilnehmen kann. Eine mehrwöchige Reise nach Kanada würde derzeit allerdings andere Probleme mit sich bringen als zuvor.

"Ehrlich gesagt würde ich leiden, weil ich die Kleinen sehr vermissen würde. Das wäre ein schwieriger mentaler Kampf. Ich kann es mir finanziell nicht leisten, meine Familie mitzunehmen. Außerdem sind die Kinder erst sechs Monate alt…", erklärt die Spielerin des FC Arsenal Ladies im Gespräch mit FIFA.com. Tilly und Teddy würden also zu Hause bei ihrer zweiten Mama Megan Harris bleiben, ehemalige Profispielerin bei den Lincoln Ladies, wo die beiden sich kennengelernt haben.

Einsatz und Motivation
Anders als bei anderen Spielerinnen, die Kinder bekommen, hatte die Ankunft der Zwillinge – einmal abgesehen vom unvermeidlichen Schlafmangel – keine besonders großen Auswirkungen auf Stoneys Karriere, da ihre Partnerin die Babys zur Welt gebracht hat. "Megan war absolut überzeugt davon, dass ich weiterspielen sollte. Sie wollte die Fussballschuhe an den Nagel hängen, um die Kinder zu bekommen. Und sie hat es nicht bereut."

Eine einvernehmliche Entscheidung, wie alle, die im Hause getroffen werden. "Während Megan stillt, bin ich für das Kochen, Putzen und Einkaufen zuständig… Es ist kompliziert, weil wir in der Nähe niemanden haben, der uns helfen kann, obwohl unsere Familien oft kommen, um uns zur Hand zu gehen", betont sie.

Neue Aufgaben, neue Pflichten, neue Augenringe…doch Stoney ist glücklich. "Ich finde, dass mein Leben sich positiv verändert hat. Es ist vollständiger geworden. Trotz des Schlafmangels hatte ich bei den letzten Fitnesstests meine besten Werte. Dadurch wird deutlich, wie sehr ich mich dafür einsetze, meinen Wunsch von der WM-Teilnahme zu erfüllen", versichert sie uns. "Außerdem stellen die Kinder für mich eine Motivation dar, noch besser zu spielen. Sie inspirieren mich dazu, über mich hinauszuwachsen, weil ich möchte, dass sie stolz auf mich sind."

Kurz vor Vollendung ihres 33. Lebensjahres erlebt sie laut eigener Aussage den besten Augenblick ihres privaten und beruflichen Lebens und denkt gar nicht daran, das Handtuch zu werfen: "Ich habe meinen Teams noch viel zu bieten", versichert sie. Stoney ist daran gewöhnt, für das zu kämpfen, was sie will. Niemand hat ihr auf dem Weg zum Erfolg etwas geschenkt.

Nachdem sie anfänglich in der Nationalmannschaft keine Berücksichtigung fand, kämpfte sie und fungierte am Ende mehr als 100 Mal als Spielführerin, unter anderem auch in der britischen Auswahl, die bei den Olympischen Spielen in London antrat. Sie ließ sich auch nicht unterkriegen, als sie angegriffen wurde, nachdem sie sich öffentlich zu ihrer Homosexualität geäußert hatte, und avancierte letztendlich zum Vorbild und zu einer Stütze für viele andere. Mit ihrer Partnerin überstand sie den langen und oftmals frustrierenden Prozess der künstlichen Befruchtung, bis sie schließlich ihre Kinder in den Armen halten konnte.

"Ich war schon immer stark, habe schwierige Situationen überwunden und mich immer bemüht, mein Bestes zu geben und anderen dabei zu helfen, das Beste aus sich herauszuholen", meint sie mit Bestimmtheit.

Das ist eine Philosophie, die sich in der Kabine immer gut macht. Sie ist der einzige Weg zum kollektiven Erfolg, für den sie in Kanada mit einer runderneuerten englischen Mannschaft kämpfen will. "Das Team hat sich sehr verändert, aber wir haben ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Jugend und Erfahrung. Im Angriff haben wir mehr Optionen als je zuvor."

Die Zukunft
Das dürfte ein Schlüsselfaktor sein, da in der Nationalmannschaft eine Spielerlegende wie Kelly Smith ersetzt werden muss. "Das ist ein großer Verlust. Sie ist eine Weltklassespielerin. Wenn wir in einem Spiel dieses Fünkchen mehr, dieses gewisse Etwas brauchten, dann hat Kelly es beigetragen. Ein einzigartiges Talent. Andererseits verfügen wir jetzt über andere Optionen", meint sie optimistisch. Mit ihren Teamkameradinnen Jodie Taylor und Francesca Kirby verweist sie auf zwei Spielerinnen, die in den nächsten Jahren von sich reden machen werden.

Laut Stoney, die bei den Weltmeisterschaften der Jahre 2007 und 2011 zum englischen Kader gehörte, lösen sich die Probleme, die bei beiden Gelegenheiten für ein Ausscheiden im Viertelfinale sorgten, langsam in Wohlgefallen auf: "Wir haben mehr Optionen auf der Bank, so dass wir rotieren können, und sind mental auf die Erfordernisse des Achtelfinales einer WM eingestellt", so ihre Analyse.

Die Weltmeisterschaft ist ein Ereignis in naher Zukunft, dem sie mit Vorfreude entgegensieht. Ein anderes Ereignis schreckt sie jedoch. Ende des Jahres laufen ihre beiden Verträge mit Arsenal und dem PFA (englischer Verband der Fussballprofis) aus, wo sie als erste Frau in den Verwaltungsausschuss aufgenommen wurde. Dies sind die einzigen Einkommensquellen der Familie.

"Ich versuche, die Dinge auf den Weg zu bringen. Ich mache meinen Trainerschein und werde die Lizenz im November bekommen. Ich möchte dem Fussball treu bleiben. Der Fussball ist nicht einfach nur mein Beruf, er ist meine Leidenschaft. Aber an erster Stelle steht natürlich das Wohl meiner Familie", erklärt sie.

Diese couragierte Mutter wird sicher die richtige Lösung finden. Vor 20 Jahren musste sie noch Geld aus der eigenen Tasche bezahlen, um bei ihrem Verein spielen zu können. Wer hätte damals schon damit gerechnet, dass sie eines Tages davon leben könnte? Wer hätte ihr prophezeit, dass sie gemeinsam mit ihrer Partnerin eine Familie gründen würde? Wer hätte schon vorausgesagt, dass ihr persönliches Bekenntnis, vor dem sie sich so gefürchtet hat, sie zu einem Vorbild machen und ihr viel Bewunderung einbringen würde?

Glücklicherweise entwickelt sich die Welt genau wie der Frauenfussball immer weiter. Das ist nicht zuletzt Menschen wie Stoney zu verdanken.

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