FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011 ™

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Steffi Jones: "Hand in Hand gegen Diskriminierung"

Steffi Jones, President of the organizing committee of the FIFA 2011 women's soccer world cup addresses media during a press conference
© AFP

An diesem Mittwoch jährt sich zum zehnten Mal der FIFA-Tag gegen Diskriminierung. Die beiden Halbfinalspiele der FIFA Frauen-WM 2011, die heute in Frankfurt und Mönchengladbach zwischen Schweden und Japan sowie den USA und Frankreich ausgetragen werden, stehen ganz im Zeichen des Kampfes gegen jede Form von sozialer Ungerechtigkeit.

Zu diesem Anlass nahm sich die ehemalige deutsche Weltklassespielerin und heutige Präsidentin des Lokalen Organisationskomitees der FIFA Frauen-WM 2011, Steffi Jones, Zeit für ein exklusives Interview mit FIFA.com.

Die heute 38-Jährige wuchs im Frankfurter Stadtteil Bonames, einem sozialen Brennpunkt, als Tochter eines U.S.-Soldaten und einer deutschen Mutter auf. Sie sprach über ihre Erfahrungen mit Diskriminierung und die Kraft des Fussballs, aber auch darüber, was die schönste aller Sportarten jungen Mädchen mit auf den Weg geben kann.

*Steffi, wann ist Ihnen das erste Mal bewusst geworden, dass Diskriminierung im Fussball präsent ist?
*
Nun ja, als kleines Mädchen ist mir das nie so wirklich aufgefallen. Frankfurt ist ja auch eine äußerst multikulturelle Stadt. Aber als ich dann begann, auf höherem Niveau zu spielen, und dadurch in andere Städte kam, war es zum ersten Mal so, dass ich wirklich sehr deutlich bemerkte, dass es unterschiedliche Zuschauer gibt, die einen manchmal auch aufgrund der Hautfarbe 'blöd anmachen'.

*Wie würden Sie Diskriminierung definieren?
*
Da kann ich aus persönlichen Erfahrungen sprechen. Das kann aufgrund der Hautfarbe sein, aufgrund des Glaubens, aufgrund der Körpergröße. Oder zum Beispiel auch aufgrund der Tatsache, dass man Brillenträger ist. Es gibt so viele grundverschiedene Formen der Diskriminierung!

*Wie sind Sie damit umgegangen?
*
Ich habe relativ früh von meiner Mutter gelernt, mich dagegen zu wehren, aber auch anderen zu helfen, wenn zum Beispiel Mitschüler diskriminiert und gehänselt wurden. Durch mein fussballerisches Talent hatte ich ein 'Standing', das mir erlaubte, darauf einzuwirken. Gerade auch Jungs hatten einen wahnsinnigen Respekt vor mir, weil sie wussten, ich kann teilweise sogar besser Fussball spielen als sie. Dann sagte ich: 'Hey Leute, das läuft so nicht!' Und dann haben sie auch aufgehört.

*Derartige Erfahrungen prägen. Haben sie Sie in Ihrer Entwicklung als Mensch und auch als Fussballerin verändert?
*
Da war auch wieder meine Mutter stark beteiligt - im positiven Sinne. Sie hat mir beigebracht, dass ich es aufgrund meiner Hautfarbe nicht immer einfach haben werde. Nicht nur in der Schule, sondern auch in meinem Berufsleben. Sie hat mir immer vorgelebt, ein guter Mensch zu sein, dann würde auch Gutes zurückkommen. Und so war es dann auch!

*Was genau gab sie Ihnen mit auf den Weg?
*
Sie lehrte mich, mich nicht auch so zu verhalten wie diese Leute, in deren Köpfen Diskriminierung herumschwirrt. Wenn mich jemand beleidigt, dann mache ich das nicht auch, sondern stehe darüber und denke mir: 'Das kriegst du schon irgendwann wieder auf eine andere Weise zurück.' Ich solle mich nicht auf dieses Niveau begeben, sagte sie mir: 'Steffi, andere legen sich unter die Sonnenbank, um deine Hautfarbe zu erhalten. Und andere zahlen eine Menge Geld für den Frisör, um eine Dauerwelle zu haben. Du hast sie auf ganz natürliche Weise. Sei stolz auf das, was du hast!'

Und welche Rolle spielte der Fussball dabei?
Er hat mir enorm geholfen, persönlich zu reifen. Der Fussball kann so viel vermitteln, dass man nur dankbar sein kein. Ich bin es zumindest. Das was ich 31 Jahre lang miterleben durfte, will ich jetzt zurückgeben. Das heißt nicht, dass alle Mädchen Nationalspielerinnen werden müssen. Man sollte aber auch schätzen, was man alles um den Fussball herum erleben und erfahren kann. Im Fussball lernt man, was es bedeutet, anderen zu helfen. Man lernt, Verantwortung zu übernehmen, und kann das dann auch in den Alltag übertragen. Beispielsweise klatschte ich nach einem Spiel einmal sogenannte Fans ab und hörte dann, als einer sagte: 'Jetzt kannst du behaupten, du hast einer Negerin mal die Hand geschüttelt.' Ich war absolut baff. Aber dann kamen meine Mitspielerinnen und riefen: 'Was bist Du denn für ein Depp?' Das war ein sehr wichtiges Gefühl für mich, zu wissen, dass mein Team hinter mir stand.

*Kannst Du verstehen, was in den Köpfen solcher Leute vorgeht?
*
Nein, ich kann mich in diese Köpfe absolut null reinversetzen. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich jeden Menschen respektiere. Es macht mich traurig, dass es so etwas gibt. Dass es da manchmal sogar zu körperlichen Attacken kommt, finde ich noch viel schlimmer. Worte können schon verletzend sein, aber wenn es dann auch noch körperlich wird, ist es einfach unendlich traurig. Aber das motiviert dann auch umso mehr, Hand in Hand mit vielen anderen gegen Diskriminierung anzugehen.

*Wovon profitieren junge Mädchen, wenn sie sich dafür entscheiden, Frauenfussball zu spielen?
*
Selbstvertrauen! Den Mut, sich Herausforderungen zu stellen! Und Teamgeist! Das alles nicht nur für den Fussball, sondern für das Leben! Das wächst unwahrscheinlich schnell und fängt schon mit einer Trainingseinheit an. Wenn man beispielsweise Angst davor hat, einen Ball zu köpfen, und dann hat man sich überwunden und es erstmals geschafft. Das ist eine Kleinigkeit, aber schon einmal ein erster großer Schritt. Der Fussball bringt mit, dass man schnell kleine Erfolge haben kann, die dann ganz große Wirkungen haben. Und das ist ganz einfach wunderbar!

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