FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015

7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015™

Sjögrans trauriger Abschluss

© Getty Images

Die Schiedsrichterin pfeift das Spiel im Lansdowne Stadium in Ottawa ab und Therese Sjögran sinkt entkräftet zu Boden. Nicht nur, dass sie soeben mit 4:1 im Achtelfinale der Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015™ gegen Deutschland verloren hat und ausgeschieden ist, dieses Spiel war auch noch das letzte ihrer Karriere. Die Enttäuschung ist ihr ins Gesicht geschrieben, als *FIFA.com *die Schwedin fast eine Stunde später zum Interview trifft.

"In der Kabine war nicht viel los. Die Stimmung war am Boden. Natürlich sind wir sehr enttäuscht, aber Deutschland war heute stark. Jetzt fahren wir nach Hause", schildert die 38-Jährige ihre Eindrücke aus der Umkleide. So endete sie also, die fast zwei Jahrzente lange Karriere von Sjögran. "Jetzt kann ich noch nicht richtig zurückdenken. Aber ich habe sicherlich viele tolle Erinnerungen an meine Karriere, aber heute ist es sehr traurig", gesteht die Rekordnationalspielerin mit roten Augen. "Am traurigsten bin ich darüber, dass es so enden muss."

Irgendwie ist es aber vielleicht auch typisch, dass diese große Laufbahn nach einem Spiel gegen Deutschland endet. Die DFB-Elf hat Schwedens Nummer 15 mehrere herbe Rückschläge zugefügt. Da waren beispielsweise die Finalniederlagen bei der Europameisterschaft 2001 oder der FIFA-Frauen-Weltmeisterschaft 2003 und zuletzt 2013 das Ausscheiden im EM-Halbfinale vor eigenem Publikum.

"Angstgegner würde ich nicht sagen. Aber sie waren uns bei vielen Turnieren im Weg und heute haben sie uns wieder rausgeworfen. Natürlich ist das kein Team, auf das wir unbedingt treffen wollten. Sie haben zwar sicher auch viel Respekt vor uns, aber sie haben einfach diese Siegermentalität gegen uns", blickt sie wehmütig zurück.

Vorlage zum Abschluss
Durch den dritten Platz in der Gruppe D haben sich die Skandinavierinnen dieses schwere Los selbst zuzuschreiben, wie auch die 214-malige Nationalspielerin eingesteht. Die Deutschen seien heute einfach zu stark gewesen und hätten mit den zwei Toren den perfekten Start gehabt.

In der 82. Minute keimte bei der 1,70-Meter großen Mittelfeldspielerin noch einmal etwas Hoffnung auf, als Linda Sembrant das 1:3 köpfte - welches Sjögran mit einem gut getretenen Freistoß vorbereitet hatte. So hatte sie in ihrem letzten Spiel doch noch einen Grund zur Freude. "Das kann mich vielleicht irgendwann aufheitern, aber heute noch nicht. Wenn ich zurückblicke werde ich darauf schon stolz sein können", sagt sie und blickt auf ihr Souvenir, das sie unter dem Arm hält. Zum Karriereende hat sie nämlich den Spielball der heutigen Partie bekommen. Sicherlich eine weitere tolle Erinnerung.

Doch was ist denn nun eigentlich das Schönste an ihrer Laufbahn, in der sie 21 Tore im gelb-blauen Dress erzielte? "Die Weltmeisterschaft 2011, als wir Bronze gewonnen haben. Das war ein großer Moment", entscheidet sie relativ schnell und erstmals ist ein leichtes Lächeln auf dem Gesicht zu erkennen.

Bei vier WM-Teilnahmen mit insgesamt 18 Einsätzen - keine Schwedin hat je mehr - war Deutschland vor vier Jahren jedoch nicht das erfolgreichste Abschneiden. 2003 durfte sie sich mit Silber schmücken, 2007 musste sie  bereits nach der Gruppenphase abreisen. Nun wird sie die Stollenschuhe endgültig an den Nagel hängen, bleibt dem Fussball aber erhalten. Ab dem ersten August wird sie die sportliche Leitung des FC Rosengard, ihrem aktuellen Klub, übernehmen. Die Schweden werden ihre kampfstarke und erfahrene Antreiberin im Mittelfeld sicher vermissen.

Und ehe sie endgültig von dannen zieht, richtet sie noch einen Appell an die Deutschen, die ihr so oft in die Quere gekommen sind: "Ich hoffe, sie gewinnen den Pokal."

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