FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Australien/Neuseeland 2023™

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Australien/Neuseeland 2023™

FIFA Frauen-WM 2023™

Simon: Cathy Freemans Erfolg hallt immer noch in mir nach

Kyah Simon at Penrith Stadium in 2017
© Getty Images
  • Kyah Simon gehört zu den erfahrensten Spielerinnen und erfolgreichsten Torjägerinnen Australiens
  • Sie war bei den wichtigsten Erfolgsmomenten der Matildas stets mittendrin
  • Simon spricht über die FIFA Frauen-WM 2023, ihre größte Inspiration und zahlreiche weitere Themen

Vor 20 Jahren erlebte Australien einen seiner größten sportlichen Momente. Cathy Freeman einte die ganze Nation, als sie mit ihrem Sieg beim 400-m-Lauf bei den Olympischen Spielen von Sydney als erste indigene Australierin eine Olympische Goldmedaille in einer Einzeldisziplin holte.

Ganz in der Nähe im Westen Sydneys schaute damals die neunjährige Kyah Simon gebannt und voller Stolz und Freude zu. Die Inspiration war unermesslich und, was noch wichtiger ist, sie erwies sich als zeitlos.

Wann immer Australien einen Meilenstein bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ erreichte, war Kyah Simon ein wichtiger Faktor in der Erfolgsformel. Simon erzielte das einzige Tor der Partie, als Australien bei der WM 2015 in Kanada den bis heute einzigen Sieg in der K.o.-Phase einer Weltmeisterschaft feierte – ausgerechnet gegen Brasilien. Simon war vier Jahre zuvor die erste indigene Australierin, die ein WM-Tor erzielte, als die Matildas zum ersten und bis heute einzigen Mal bei einer WM einen europäischen Gegner besiegten.

Simon ist stolz auf ihre indigenen Wurzeln und verfügt über eine wichtige Qualität, die man nicht trainieren kann. Ex-Nationaltrainer Tom Sermanni nannte es ein "angeborenes Spielverständnis". Simon war es auch, die sich als 18-Jährige ein Herz fasste und den entscheidenden Elfmeter verwandelte, als die Matildas erstmals einen Sieg beim AFC Asien-Pokal feierten.

Fast ein Jahrzehnt lang spielte sie abwechselnd in der amerikanischen NWSL und der australischen W-League. Jetzt genießt Simon einen neuen Abschnitt ihrer Karriere beim niederländischen Klub PSV Eindhoven. Simon erzählte FIFA.com über ihr neues Abenteuer in Europa, die schmerzhafte Erfahrung der verpassten FIFA Frauen-WM 2019™ wegen einer Verletzung, ihre Vorfreude auf die FIFA Frauen-WM 2023 im eigenen Land und ihre Erinnerungen an die Olympischen Spiele von Sydney.

FIFA.com: Beginnen wir mit einer Rückblende, Kyah: Welche Erinnerungen haben Sie an den Gewinn der Goldmedaille durch Cathy Freeman bei den Olympischen Spielen 2000?

Kyah Simon: Ich saß mit meiner ganzen Familie vor dem Fernseher (im Westen Sydneys). Wir waren regelrecht an den Bildschirm gefesselt und absolut aus dem Häuschen, als Cathy die Ziellinie überquerte. Wir waren im Olympiafieber und ihr Rennen war der absolute Höhepunkt für uns. Es hatte ja im Vorfeld auch einen enormen Hype darum gegeben. Selbst heute bekomme ich noch eine Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke. Ich erinnere mich noch sehr genau an alles. Es war ein riesiger Moment für den australischen Sport, für die Ureinwohner und für das Land im Allgemeinen.

Hat dieser Moment Sie damals als indigene Sportlerin inspiriert? Und heute auch noch?

Sie ist die Heldenfigur und Sportlerin, die mich als Kind inspiriert hat. Wir teilen durch unsere Aboriginal-Abstammung die gleiche Kultur und das gleiche Erbe. Das machte die ganze Sache natürlich noch intensiver. Es zeigte mir, dass auch Aboriginal-Frauen Erfolge haben können. Insofern war es für mich als damals neunjähriges Mädchen eine enorme Inspiration.

Im niederländischen Frauenfussball hat sich in den vergangenen Jahren enorm viel getan. Sehen Sie auch in der Eredivisie der Frauen positive Veränderungen?

Ich habe den Eindruck, dass es hier riesige Verbesserungen gegeben hat. Auch in Gesprächen mit anderen Spielerinnen wird deutlich, dass hier enorme Fortschritte gemacht werden. Einige Spielerinnen, die schon seit sechs, sieben Jahren dabei sind, bestätigen ebenfalls, dass die Veränderungen in dieser Zeit außerordentlich sind. Es gibt riesige Fortschritte und man tut viel, um die Qualität der Liga so weit wie möglich zu steigern. Das zeigt sich auch daran, dass einige Nationalspielerinnen in die Liga zurückgekehrt sind. PSV ist ein durch und durch europäisch geprägter Klub und wird sehr professionell geführt. Es erinnert mich stark an Melbourne City in meiner Heimat, mit ähnlich guten Anlagen und Einrichtungen.

Wie gefällt Ihnen Ihr erstes fussballerisches Abenteuer bei einem europäischen Klub und die hiesige Fussballkultur?

Es gefällt mir sehr. Vielleicht hätte ich diesen Wechsel schon etwas früher machen sollen, doch besser spät als nie. Ich denke, dass ich in den kommenden Jahren in Europa bleiben werde. Ich genieße die Veränderungen, die das Leben und der Fussball in Europa mir bieten. Das ganze Jahr bei ein und demselben Team zu bleiben, ist sicher eine gute Sache. Es ist wohl das erste Mal, dass ich bei einem Klub die gesamte Saisonvorbereitung mitgemacht habe. Auf den eigenen Körper und die Gesundheit zu achten ist für Fussballer überaus wichtig. Die Voraussetzungen hier erlauben mir, das zu tun.

Es wird viel Fussball im Fernsehen gezeigt, und zwar nicht nur mitten in der Nacht. Ich habe hier das Gefühl, immer und überall vom Fussball umgeben zu sein und auch dieser Aspekt gefällt mir sehr gut.

Was haben Sie gedacht, als Sie erfuhren, dass die FIFA Frauen-WM 2023™ in Australien und Neuseeland stattfindet?

Ich war bei der Ankündigung in Sydney. Es war ein absolut verrücktes Erlebnis. Ein Gefühl der puren Ekstase. Ich habe ja schon bei Weltmeisterschaften gespielt und weiß daher, was für eine besondere Erfahrung das ist. Das nun im eigenen Land zu erleben, wenn sich das ganze Land auf dieses Turnier konzentriert, so wie wir es bei den Olympischen Spielen 2000 erlebt haben, wird schon eine Riesensache – und dann noch selbst aktiv dabei zu sein … . Es sind sehr aufregende Zeiten und es wird bestimmt auch sehr interessant, was in den kommenden Jahren im Vorfeld des Turniers alles passiert.

Wie sind Sie damit zurecht gekommen, dass Sie die FIFA Frauen-WM Frankreich 2019™ verpasst haben?

Das war sehr hart. Aber nichts passiert ohne Grund. Dadurch ist meine Entschlossenheit nur noch größer, in Zukunft bei wichtigen Turnieren dabei zu sein. Ich werde alles in meiner Kraft und Macht Stehende tun, um dabei zu sein.

Inspiriert Sie die Ausrichtung des Turniers in Australien noch mehr, oder ist das verpasste Turnier 2019 Ihr größter Antrieb?

Ich denke, man sollte versuchen, sich auf das Jetzt zu konzentrieren und sich von Tag zu Tag zu verbessern, und sich nicht zu sehr auf das Morgen konzentrieren und zu weit in die Zukunft denken. Es sind ja auch noch andere Ziele in Sicht: die Olympischen Spielen 2021, der AFC Asien-Pokal, dann die Weltmeisterschaft und die nächsten Olympischen Spiele. Das alles sind individuelle Ziele für mich, auf die ich hinarbeite. Ich versuche stets, mir Tag für Tag neue Herausforderungen zu stellen und so zu trainieren, dass ich bei diesen großen Turnieren in Bestform sein kann.

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