FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Australien/Neuseeland 2023™

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Australien/Neuseeland 2023™

FIFA Frauen-WM 2023™

Rosie White will bei Neuseelands Heim-WM wieder glänzen

Rosie White #31 of the Seattle Reign FC is honored for representing the New Zealand Women's National Football Team prior to taking on the Chicago Red Stars during their game at Cheney Stadium on July 28, 2019 in Tacoma, Washington. 
© Getty Images
  • White gehörte bei dem letzten FIFA-Frauen-Turnier in Neuseeland zu den Stars
  • Heute ist sie Stammspielerin der Football Ferns und hofft, auch 2023 wieder zu beeindrucken
  • White spricht über ihre Erinnerungen, ihre WM-Hoffnungen und darüber, was sie in den USA gelernt hat

Eine Weltmeisterschaft auf eigenem Boden. Ein historischer Sieg in der Landeshauptstadt. Ein perfekter Hattrick … die meisten neuseeländischen Fussballerinnen dürften davon träumen, dass ihnen 2023 so etwas gelingt. Rosie White hingegen hat diesen Traum schon durchlebt – und zwar im zarten Alter von 15 Jahren.

Es war im Wellington Regional Stadium und Whites Tore – mit dem rechten Fuß, dem linken Fuß und per Kopf – bescherten ihrem Land den ersten Sieg aller Zeiten bei einem FIFA-Frauenturnier. Und all das trug sich vor der Familie und Freunden zu, als Neuseeland 2008 die erste FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft™ ausrichtete.

Rosie White of New Zealand celebrates her goal during the FIFA U-17 Women's World Cup match between New Zealand and Colombia at the Westpac Stadium on November 4, 2008 in Wellington, New Zealand. 
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"Das ist bis heute eine meiner schönsten Erinnerungen", sagte sie gegenüber FIFA.com. "Mir war gar nicht klar, was für eine große Sache diese Weltmeisterschaft in Neuseeland sein würde. Mit 15 daran beteiligt zu sein, war ein absolut großartiger Einstand im internationalen Fussball."

"Dieser Sieg gegen Kolumbien war einfach riesig. Schließlich war es der erste Sieg überhaupt für ein neuseeländisches Team bei einer Fussball-Weltmeisterschaft. Es war ein Gefühl, als hätten wir das Turnier gewonnen."

"Ich habe die gesamte WM als sehr emotionales Erlebnis im Gedächtnis. Wir waren alle noch so jung, wir standen uns im Team unglaublich nahe und es war einfach ein tolles Abenteuer für uns alle. Es ist jetzt schon ziemlich lange her, aber ich erinnere mich noch an alles, insbesondere an die Emotionen, sehr lebhaft. Bis dahin war Fussball für mich ein Sport, den ich liebte, aber nicht mehr. Dieses Turnier weckte in mir den Wunsch, daraus eine echte Karriere zu machen."

Zwölf Jahre später zeigt Whites Bilanz – 110 Länderspiele, drei WM-Teilnahmen, zwei Teilnahmen am Olympischen Fussballturnier der Frauen sowie Gastspiele bei Spitzenklubs in England und in den USA – wie richtig ihre als Teenager getroffene Entscheidung war.

Rosie White of New Zealand at the FIFA Women's World Cup France 2019.
© Getty Images

"Es war von Zeit zu Zeit eine echte Achterbahnfahrt, doch ich kann mich sehr glücklich schätzen", bilanziert sie. "Die Olympischen Spiele 2012 waren bisher das Allergrößte für mich.Das war das erste Mal, dass wir bei einem FIFA-Turnier den Sprung aus der Gruppenphase geschafft haben, und das fühlte sich an wie ein großer Durchbruch. Wir hatten damals einen echten Höhenflug. Und wenn wir nicht im Viertelfinale auf die USA getroffen wären, hätten wir vielleicht sogar noch weiter kommen können."

Trotz all der Tore und der vielen denkwürdigen Momente bei großen Turnieren ist White überzeugt, dass das Beste erst noch kommt. Und das liegt daran, dass erneut eine Weltmeisterschaft auf neuseeländischem Boden winkt.

Die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2023™ beginnt wenige Woche nach ihrem 30. Geburtstag, wenn White sich – sofern ihr keine Verletzungen dazwischen kommen – auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit befindet. Doch noch bedeutender ist die allgemeine Tragweite des Turniers.

"Das Tempo der Entwicklung und die Investitionen in den internationalen Frauenfussball waren im vergangenen Jahrzehnt so hoch, dass Neuseeland meiner Meinung nach kaum Schritt gehalten hat", so ihre Einschätzung. "Daher finde ich, dass es nicht nur fantastisch ist, dass diese WM kommt, sondern auch wirklich nötig – um den Frauenfussball bei uns wieder richtig auf Touren zu bringen."

"Für uns als Spielerinnen wird diese WM natürlich etwas ganz Besonderes, denn wir haben im Vergleich zu vielen anderen Nationalteams viel seltener die Chance, zu Hause zu spielen. Daher ist das immer ein ganz besonderes Gefühl. Wenn ich daran denke, wie toll die U-17-WM damals war und wie viel größer diese Frauen-Weltmeisterschaft sein wird, dann kann ich mir kaum vorstellen, wie fantastisch es wird. Ich bin schon ganz aufgeregt, wenn ich nur daran denke."

White hofft, dass die Entscheidung für eine Profikarriere, die sie als Teenagerin traf, nicht für alle Ewigkeit an die Bereitschaft geknüpft bleibt, die Heimat zu verlassen und ans andere Ende der Welt umzuziehen. Sie selbst hat enorm von ihren Erfahrungen in England und den USA profitiert und sie sehr genossen. Dennoch wünscht sich die 27-Jährige, dass die nächste Generation neuseeländischer Spielerinnen mehr Möglichkeiten und Chancen in der Heimatregion bekommt.

"Wir brauchen unbedingt ein professionelles Umfeld in Neuseeland und wir versuchen schon seit einigen Jahren, mit einem Team in der [australischen] W-League Fuß zu fassen. Hoffentlich bringt uns die Weltmeisterschaft dafür den benötigten Schwung", meint sie. "Ich musste vor zehn Jahren ins Ausland gehen und noch heute ist jedem jungen Mädchen klar, was auch mir damals klar war: Wenn du Fussballprofi werden willst, kannst du nicht in Neuseeland bleiben."

"Die Leute sagen oft: "Nun, wir sind ein kleines Land" – und das stimmt ja auch. Aber es gibt eine ganze Menge kleiner Länder auf der Welt – zum Beispiel in Skandinavien – mit professionellen Frauenteams. Wir müssen Kinder schon in jüngerem Alter fördern und motivieren, und dafür wären natürlich Profiteams in Neuseeland absolut wichtig."

In den vergangenen vier Jahren hat White die Vorteile des Profitums in der mit Stars gespickten NWSL selbst erlebt. Bei ihrem Klub OL Reign zählt die The Best – FIFA-Weltfussballerin Megan Rapinoe zu ihren Teamkameradinnen. Von ihr hat sich die Neuseeländerin langsam aber sicher abgeschaut, wie wichtig volle Konzentration, Selbstbewusstsein und unerschütterliche Entschlossenheit sein können.

"Dieser Aspekt der amerikanischen Mentalität ist wirklich interessant", findet sie. "Als ich in die USA kam, hat mich das ein bisschen genervt, das gebe ich zu. Eigentlich wollte ich dem aus dem Weg gehen. Diese ultra-selbstbewusste Einstellung und alles überaus ernst zu nehmen, läuft eigentlich genau gegen meine Natur und gegen alles, was ich in Neuseeland gelernt habe. Doch im Laufe der Zeit und insbesondere in den letzten paar Jahren habe ich mich durchaus darauf eingelassen."

"Ich meine eigentlich, dass ich mich abseits des Spielfelds nicht so sehr geändert habe, doch ich habe gesehen, wie wichtig diese Einstellung der U.S.-Spielerinnen auf dem Feld ist: "Ich werde nicht verlieren und es ist mir völlig egal, wer sich mir in den Weg stellt." Ich habe am Anfang unterschätzt, wie mächtig diese Einstellung ist. Aber ich habe gelernt, dass sie dazu beiträgt, die wirklichen Spitzenspielerinnen vom Rest abzuheben – und vielleicht auch das Team der USA von den anderen Ländern im Frauenfussball."

Schon lange ist es Whites persönliches Ziel, auch selbst dieses Eliteniveau zu erreichen. Nachdem sie in den vergangenen Jahren immer wieder durch Verletzungen und auch durch mangelnde Konstanz zurückgeworfen wurde, will die Stürmerin jetzt wieder Fortschritte in diese Richtung machen.

"Ich bin überzeugt, dass gute Zeiten kommen", sagt sie. "Technisch und taktisch habe ich das Gefühl, allmählich den Zenit zu erreichen. Jetzt muss ich mich noch mental und körperlich antreiben, um das nächste Level zu erreichen."

"Ich weiß, was ich tun muss, um auf höchstem Niveau konstant gut zu spielen, und um ehrlich zu sein, habe ich das in den letzten Jahren nicht geschafft. Für die Zukunft geht es darum, alles zusammenzufügen. Ich bin sehr optimistisch, weil ich weiß, dass noch eine ganze Menge mehr für mich drin ist. Ich bin wirklich gespannt, was ich erreichen kann."

Rosie White of New Zealand poses for a portrait
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