FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015

7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015™

'Outlaws' wollen Kanada stürmen

© Getty Images

Sie nennen sich die American Outlaws: Eine unabhängige Fangruppierung, die in den USA inzwischen zum Synonym für die wachsende Basis der Fussballanhänger geworden ist. Schon während der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ waren es die Outlaws, die den Fussball mit Macht in die traditionellen Medien ihres Landes brachten. Nun peilen sie eine abermalige Steigerung bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015™ an. Angesichts der besonderen Beziehung der USA zum der Frauenfussball-Nationalmannschaft könnte das ein weiterer Schritt nach vorn sein - nicht nur für "Soccer" in Amerika, sondern für den Sport allgemein.

"Ich rechne damit, dass wir in großer Zahl in den Stadien präsent sein werden", so Outlaws-Präsident Korey Donahoo unlängst gegenüber FIFA.com zu den Plänen der Gruppe. Zusammen mit seinen Mitstreitern will er Auswärtsfahrten zur siebten Frauen-WM-Endrunde im nördlichen Nachbarland der USA organisieren und möglichst viele neue Fans mobilisieren. "Ich glaube, eingefleischte Auswärtsfans sieht man bei einer Frauen-Weltmeisterschaft nicht unbedingt oft. Um so gespannter bin ich, was daraus wird", so Donahoo.

Die Gruppierung wurde vor sieben Jahren von Donahoo und einigen Freunden gegründet und erfreut sich seitdem eines erstaunlichen Mitgliederzuwachses. Binnen sechs Jahren gab es 100 lokale Ortsgruppen, weitere 66 sind allein in den letzten 18 Monaten hinzugekommen. In dieser Zeit wirkte die Gruppierung bereits in einigen aufwendigen Fernsehwerbespots rund um die WM mit. Landesweite Zeitungen und Magazine brachten Portraits. Allein das ist eine große Veränderung im Vergleich zu den Tagen, da die U.S.-Nationalmannschaften selbst bei Heimspielen kaum unterstützt wurden.

Zwar konnten die U.S.-Fussballfrauen ihr Standing im Laufe der Zeit durch zwei WM-Titel verbessern, aber der letzte Triumph datiert aus dem Jahr 1999. Deshalb hofft AO-Pressechef Dan Wiersema umso mehr darauf, dass seine Gruppierung für den nötigen Schub auf dem Weg zum möglichen dritten Titel sorgen kann. "Bislang sind wir der größte Abnehmer für WM-Einzeleintrittskarten", kann er vermelden. "Darauf sind wir stolz. Die Welt soll wissen, dass wir unsere Männer- und Frauen-Nationalmannschaften überall unterstützen.

Wir haben den Männerfussball populärer gemacht und haben jetzt einfach das starke Gefühl, der Frauenfussball ist unsere neue Aufgabe. Deshalb haben wir unsere Ortsgruppen im vergangenen Jahr darauf eingeschworen, verstärkt unsere Fussballfrauen zu unterstützen."

Der lange, merkwürdige Trip
Die Entstehungsgeschichte der American Outlaws ist dabei gar nicht mal so ungewöhnlich: Die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft USA 1994™ war für viele die erste Berührung mit dem Fussball, der relative Erfolg in Korea/Japan 2002 eine weitere Inspiration. Doch erst die Reise nach Deutschland 2006 war die Initialzündung und Südafrika vier Jahre später der vorläufige Höhepunkt. Der 23. Juni 2010 ist so etwas wie der Tag des Durchbruchs für den Fussball in den USA. Damals war es Landon Donovans Tor gegen Algerien in letzter Sekunde, das ein ganzes Land aufhorchen ließ. Zugleich war es der Tag, an dem der damalige Nationaltrainer das Entstehen einer echten Fankultur lobte.

"Ich werde es nie vergessen", sagt Donahoo. "Wir hatten uns versammelt, marschierten und sangen und wollten auf uns aufmerksam machen. Dann bog der U.S.-Mannschaftsbus in die Straße ein. Wir waren alle total aus dem Häuschen. Wir konnten die Spieler sehen. Sie alle deuteten mit dem Daumen nach oben. Und dann, nach diesem absolut denkwürdigen Spiel, da hätte Bob Bradley ja eine Menge sagen können, aber das, was ihn am meisten zu bewegen schien, war, dass der Mannschaftsbus vor dem Spiel durch ein Spalier von U.S.-Fans gefahren war. Er hatte sogar richtig Tränen in den Augen. Ab diesem Augenblick wussten wir, was unsere Aufgabe war: die Mannschaft zu beflügeln. Das war ein absolutes Hochgefühl."

Im Unterschied zu den meisten anderen Ländern war der Frauenfussball in den USA immer beliebter als der Männerfussball. Entsprechend wichtig war der Erfolg der U.S.-Frauen für die gesamte Sportart. "Nach der enttäuschenden Leistung der Männer bei der WM 1998 wäre ich um ein Haar die längste Zeit Fussballfan gewesen", gibt Wiersema zu, der heute die Bemühungen der Gruppierungen im Frauenfussball koordiniert. "Aber 1999 habe ich dann meine Fussball-Patriotismus wiedergefunden [als die USA im eigenen Land gegen die VR China Weltmeister wurden]. Dadurch bin ich Fan des amerikanischen Fussballs geblieben. Ich habe großen Respekt für den Frauenfussball entwickelt. So sehr ich auch Fan der Männer-Nationalmannschaft bin, ich bin vielleicht ein noch größerer Fan der Frauen-Auswahl."

Die Gruppierung hat bereits 700 Plätze für das Endspiel in Vancouver gebucht. Verläuft alles nach Plan, wäre das der Höhepunkt der Reise. Aber selbst wenn nicht, würden die American Outlaws wie alle Fangruppierungen trotzdem aus Liebe zum Fussball ihre Lieder singen. "Die Frauen-Nationalmannschaft macht einem die Unterstützung leicht. Da gibt es keinerlei Diven oder so. Dieser Kader macht Spaß!"

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