FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015

6 Juni - 5 Juli

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015™

Oshoala startet durch: Auf den Spuren einer Legende Afrikas

© AFP

Klischees sind zwar grundsätzlich überstrapaziert, doch dass die 20-jährige Nigerianerin Asisat Oshoala gerade "ihren Traum lebt", ist dennoch einfach wahr. Innerhalb von gerade einmal fünf Monaten hat sie den Goldenen Ball und den Goldenen Schuh von adidas bei der FIFA U-20-Frauen-WM, den Goldenen Ball bei der Afrika-Meisterschaft der Frauen, die Wahl zu Afrikas Nachwuchsfussballerin des Jahres sowie die Wahl zu Afrikas Fussballerin des Jahres gewonnen.

Und das sind nur die persönlichen Auszeichnungen. Nimmt man den zweiten Platz bei besagter U-20-Weltmeisterschaft in Kanada im vergangenen Jahr und den Sieg bei der Afrika-Meisterschaft sowie den in der Winterpause unterschriebenen Profivertrag beim FC Liverpool hinzu, bleibt nur der eine Schluss, nämlich dass Oshoala tatsächlich gerade ihren Traum lebt.

Sie ist auf dem besten Weg, Nigerias Frauenfussball-Legende Perpetua Nkwocha abzulösen. Dazu passt, dass - wie Oshoala jetzt gegenüber FIFA.com verriet - die viermalige Fussballerin des Jahres in Afrika, viermalige Afrika-Meisterin und dreifache WM-Teilnehmerin auch ihr Vorbild ist.

**Nkwochas Komplimente

**"Sie ist ein durch und durch guter Mensch und eine sehr gute Spielerin, die mich sehr ermutigt hat. Sie hat mir geholfen, mich zu verbessern. Ich habe versucht, ihre Spielweise zu kopieren, aber ich habe nicht nur auf dem Platz von ihr gelernt, auch außerhalb. Charakterlich können ihr junge Leute nur nacheifern."

Komplimente, die Nkwocha gern zurückgibt. Sie sagt: "Oshoala ist genial. Sie ist eine tolle Mannschaftsspielerin, stets bereit, Verantwortung für das Team zu übernehmen. Ich wüsste nicht, wo ihr Spiel noch Schwächen hat. Wenn ich ihr also einen Rat geben sollte, dann den, konzentriert zu bleiben."

Die Gefahr, dass Oshoala abheben könnte, scheint indes nicht zu bestehen. Der Erfolg ist ihr nicht zu Kopf gestiegen. Gefragt, ob sie den im vergangenen Jahr in Kanada erhaltenen Goldenen Ball gegen die Siegermedaille bei eben jenem Turnier eintauschen würde, lacht sie. "Schwierige Frage", gibt sie mit sympathischer Offenheit zu. "Das wäre keine einfache Entscheidung. Ich wüsste nicht, was ich tun würde."

Steile Karriere

Oshoala fing nach der Grundschule mit dem Fussballspielen an. "Ich war immer schon sportbegeistert. Zunächst habe ich mich in der Leichtathletik versucht. Von der Schule bin ich immer nach Hause gelaufen. Dann habe ich angefangen, mit meinen Freunden und Klassenkameraden Fussball zu spielen. Es waren hauptsächlich Jungs und irgendwann war ich dann richtig vom Fussballfieber ergriffen. Aber natürlich hatte ich damals noch keinen Gedanken daran, Profi zu werden. Meine Eltern haben mich nicht unterstützt. Sie wollten nicht, dass ich spiele. Erst als sie gemerkt haben, dass es mir ernst war mit dem Fussball, hat sich das geändert."

Oshoala ging zunächst zum FC River Internationals nach Lagos, ehe sie von den River Angels aus Port Harcourt verpflichtet wurde. Vor einigen Wochen hat Oshoala dann einen Vertrag in Liverpool unterschrieben. "Das ist etwas Besonderes. Ich bin mir sicher, dass ich dadurch viel mehr Erfahrung bekommen werde. Ich werde sogar Gelegenheit haben, in der Champions League zu spielen.

**Wertvolle Allrounderin

*Für Edwin Okon, Trainer der *Super Falcons, kann Oshoala überall spielen. "Sie ist so gut, ich könnte sie sogar in der Verteidigung einsetzen", glaubt er. "Aber ich bringe sie meist als Stürmerin." Oshoala selbst ist es nach eigener Aussage egal, wo sie spielt. "Eine Lieblingsposition habe ich nicht", sagt sie. "Der Trainer setzt mich oft auf dem Flügel ein und das ist okay für mich. Ich spiele einfach gern. Wo, ist mir egal."

Wahrscheinlich ist Oshoala bei der FIFA Frauen-WM in Kanada im Sommer im Sturm der Super Falcons gesetzt. Dort wollen die Afrikanerinnen endlich auch auf der ganz großen Bühne ankommen. Denn in den Nachwuchs-Altersklassen ist Nigeria schon lange eine große Nummer. Zuletzt kam die U-20-Auswahl des Landes drei Mal in Folge ins Halbfinale ins Halbfinale der WM.

**Kanada im Fokus

**Der A-Nationalmannschaft dagegen ist es bei bislang sechs Teilnahmen erst ein einziges Mal gelungen, die Vorrunde zu überstehen. "Auf Nachwuchsebene haben wir unzählige Talente, aber wir müssen ihnen auch das nötige Rüstzeug mitgeben, wenn sie in die A-Nationalmannschaft aufrücken", so Nkwocha. "Aber mit guter Vorbereitung wird die Mannschaft sicher viel erreichen. Wir haben die Spielerinnen und die Erfahrung, in Kanada gut abzuschneiden!"

Das sieht Oshoala genau so. "Ich bin zuversichtlich, dass sich Nigeria dieses Jahr gut schlagen wird. Die Spielerinnen dazu haben wir. Viele kennen sich schon aus der Jugend."

**Ein einmaliges Duo?

**Ob es in Kanada ein Sturmduo aus einer 20-Jährigen und einer 38-Jährigen gibt, hängt derweil von Trainer Okon ab. Ein Fingerzeig könnte sein, dass dieser Nkwocha Ende vergangenen Jahres zur Afrika-Meisterschaft mitgenommen hat. "Es ist Sache des Trainerstabs, ob sie mit nach Kanada fliegt oder nicht", stellt Okon klar. "Wir sehen uns die Spielerinnen genau an und stellen dann den besten Kader zusammen."

Nkwocha, die erst unlängst einen Vertrag als Spielertrainerin beim unterklassigen schwedischen Verein Clemensnäs IF unterschrieben hat, wäre jedenfalls gern in Kanada dabei. "Wenn ich gerufen werde, stelle ich mich nur zu gern in den Dienst meines Landes", erklärt sie. Es könnte die einzige Gelegenheit bleiben, bei der eine lebende und eine potenzielle afrikanische Fussball-Legende zusammen bei einer WM glänzen.

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