FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019™

7 Juni - 7 Juli

FIFA Frauen-WM 2019™

Von 2003 bis 2019: Lindahls Weg bei der WM

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  • Hedvig Lindahl wurde kürzlich zur besten Torhüterin der Welt gewählt
  • Die Nummer 1 der Schwedinnen bereitet sich auf ihre fünfte FIFA Frauen-WM vor
  • Sie spricht über ihre vielfältigen Erinnerungen an die bisherigen Turniere und ihre Hoffnungen für 2019

Sie ist 35 und steht vor ihrer fünften Teilnahme an einer FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™. Doch von einem Nachlassen der Kräfte ist bei Hedvig Lindahl nichts zu spüren.

Für viele ist sie weiterhin die beste Torhüterin der Welt. Diese Einschätzung spiegelte sich kürzlich auch bei der Wahl der ersten FIFPro Weltauswahl der Frauen wieder, bei der sie von tausenden Kolleginnen ins Team gewählt wurde.

"Was mein Spielverständnis und meine Entscheidungen angeht, war ich nie besser", so Lindahls Selbsteinschätzung gegenüber FIFA.com. "Ich werde älter und das bringt einige Herausforderungen mit sich. Sicher, manchmal muss man versuchen, sich selbst davon zu überzeugen, dass man immer noch schaffen kann, was man früher in der körperlichen Blütezeit geschafft hat. Aber ich spüre eindeutig, dass ich noch nie so ruhig gespielt und einen so guten Überblick über die Geschehnisse auf dem Rasen gehabt habe wie jetzt."

Lindahl hat mehr als 150 Länderspiele für Schweden bestritten und es bei zwei Weltmeisterschaften aufs Podium geschafft. Ihr Weg auf der globalen Fussballbühne war indes nicht frei von Turbulenzen. Bevor sie einen Ausblick auf ihre fünfte und letzte FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ im kommenden Jahr in Frankreich wagt, blickt Lindahl zurück auf die Turniere seit 2003 und die Lektionen, die sie dabei gelernt hat.

USA 2003

Die damals 20-jährige Lindahl sah von der Bank aus zu, wie die Schwedinnen bis ins Finale gegen Deutschland stürmten, das sie erst in der Verlängerung durch ein Golden Goal verloren.

"Ich erinnere mich noch, dass ich ziemlich naiv dachte: 'So wird es immer sein, ganz bestimmt.' Wir würden immer solche Erfolge haben und bei unserer Rückkehr eine Begrüßungseskorte durch die schwedische Luftwaffe bekommen. Ich ging davon aus, das wäre normal. Natürlich weiß ich heute, dass das keineswegs der Fall ist! Die wichtigste Lernerfahrung bei diesem Turnier war das hohe Niveau. Ich war mit einer Gruppe zusammen, die Leistung auf sehr hohem Niveau gebracht hat und viel von sich selbst und dem gesamten Umfeld gefordert hat. Dieses Team gab sich schlichtweg nicht mit weniger als Weltklasse zufrieden."

China 2007

Als Titelaspirantinnen angereist, schieden die Schwedinnen bereits nach der Gruppenphase aus. Die entscheidende Niederlage gegen die USA wurde nicht zuletzt Lindahl angelastet.

"Das war die erste WM, bei der ich tatsächlich spielte, und natürlich habe ich dabei immens viel gelernt. Ich weiß noch, dass ich mich im Spiel gegen die USA am Fuß verletzte, aber ich sagte mir 'Ich mache weiter'. Aber dann machte ich einen Fehler und musste mich der Presse stellen. Das war ziemlich schwer. Später wurde mir klar, dass ich nicht hätte weiter spielen sollen, denn die Fußverletzung schmerzte ziemlich stark und das beeinträchtigte meine Leistung. Zudem hatte ich im Januar einen Kreuzbandriss gehabt und war so schnell wie möglich auf den Platz zurückgekehrt. Auch das war rückblickend wohl nicht die beste Entscheidung. Doch das alles ist ziemlich schwer, denn Weltmeisterschaften sind im Frauenfussball sogar noch wichtiger als bei den Männern. Der Frauen-Klubfussball wächst und gedeiht überall, doch wir stehen damit längst nicht so stark im Fokus wie die Männer. Daher sind die Welt- und Europameisterschaften und die Olympischen Spiele absolut herausragende Ereignisse für uns. Man will dabei nie auch nur ein einziges Spiel verpassen."

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Deutschland 2011

Bei Schwedens Vorstoß bis ins Halbfinale zeigte Lindahl erneut starke Leistungen. Doch gegen Japan unterlief ihr wieder ein Fehler und schon stand sie wieder im Mittelpunkt der Medienkritik.

"Ich war dort in den meisten Spielen ziemlich gut, insbesondere in den wichtigsten. Auf jeden Fall hatte ich durchaus einen großen Anteil daran, dass wir so weit gekommen sind. Die meisten Erinnerungen an 2011 sind also schöne Erinnerungen. Aber es gab auch wieder einige sehr harte Momente nach der Niederlage im Halbfinale gegen Japan. Man lud die ganze Schuld dafür auf meine Schultern. Ich erinnere mich noch, dass ich vor dem Spiel um Platz drei im Speisesaal einen regelrechten Zusammenbruch hatte. Glücklicherweise habe ich danach trotzdem wieder gut gespielt und wir haben die Bronzemedaille geholt. Ich war stolz darauf, dass ich mich emotional erholt hatte und zu diesem Erfolg des Teams beitragen konnte. Ehrlich gesagt würde ich ja gern mal ein Turnier spielen, bei dem ich nicht so etwas durchmachen muss – eine WM, wie Mbappé sie gespielt hat. Aber es gibt eben gerade für Torhüterinnen immer wieder solch schwere Momente. Damit zurecht zu kommen und sie hinter sich zu lassen ist enorm wichtig."

Kanada 2015

Dieses Turnier war für die Schwedinnen eine große Enttäuschung. Sie schieden bereits im Viertelfinale mit einer heftigen 1:4-Niederlage gegen Deutschland aus

"Wir waren einfach nicht konstant genug. Ich erinnere mich noch, dass wir gegen Nigeria im Auftaktspiel nur 2:2 gespielt haben, obwohl wir zur Pause schon mit 2:0 geführt hatten. Das war schon so eine Art Vorbote. Aber es war keineswegs alles schlecht. Im nächsten Spiel haben wir gegen die USA ein 0:0 gehalten und dabei wirklich gut gespielt. Eigentlich hätten wir sogar gewinnen müssen. Dann gab es auch gegen Australien ein Unentschieden. Wir rutschen so gerade noch ins Viertelfinale, das wir dann aber klar gegen Deutschland verloren haben. Das war ein echter Tiefpunkt. Eigentlich haben wir uns erst mit den Olympischen Spielen 2016 (bei denen Schweden das Finale erreichte) wieder davon erholt. Mit unserer Leistung in Rio haben wir gezeigt, dass wir immer noch eine Macht im Frauenfussball sind."

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Frankreich 2019

Aller guten Dinge sind fünf? Lindahl ist überzeugt, dass Schweden zu den Titelanwärtern gehört. In der gesamten Qualifikation kassierte das Team jedenfalls nur zwei Gegentore.

"Das wird auf jeden Fall meine letzte Weltmeisterschaft. Irgend jemand wird mich schon mit dem Kopf voran rauswerfen, wenn ich versuchen sollte, danach noch einmal dabei zu sein! Und genau deswegen will ich das höchste Ziel anpeilen und nach Gold streben. Ich will jede Minute genießen und dann mit dem Wissen zurücktreten, dass wir etwas Besonderes erreicht haben. Noch nie hat eine schwedische Frauen-Mannschaft eine Goldmedaille geholt. Warum sollte es dieses Mal nicht klappen? Ich denke, dass wir wirklich viele große Talente im Team haben und eine gute Mischung aus älteren Spielerinnen, Youngstern und denen dazwischen. Ich hege große Erwartungen für uns und für diese WM im Allgemeinen und ich erwarte, dass sie größer und besser als alle zuvor wird."

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