FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015

7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015™

Mjelde: Vom großen Bruder gelernt

Maren Mjelde of Norway
© Getty Images

Einen Freistoß gut zu schießen, gehört zu den großen Künsten im Fussball und nur wenige beherrschen das perfekt. Diejenigen, die sich zu dieser Elite zählen können, bleiben den Fans jedoch immer in Erinnerung. Denkt man nur einmal an die Fähigkeiten von David Beckham oder den sagenhaften Schuss von Roberto Carlos gegen Frankreich, der sich zuerst vom Tor weg und auf einmal wieder hin bewegte. Norwegens Maren Mjelde darf sich seit vergangenem Donnerstag auch zu diesem Kreis zählen.

Im Gruppenspiel gegen Deutschland bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015™ gelang der 25-Jährigen ein wahrer Kunstschuss. Der Ball lag in zentraler Position knapp vor der Sechzehnmeter-Linie. Zwischen Mjelde und dem Tor stand eine Sieben-Frau-Mauer und die ehemalige FIFA Weltfussballerin Nadine Angerer im Tor. Norwegens Nummer sechs nahm drei Schritte Anlauf und knallte den Ball unhaltbar unter die Latte in die Maschen. Angerer selbst konnte der Kugel nur machtlos hinterherschauen.

Es war der wichtige 1:1-Ausgleich der Skandinavierinnen nach gut einer Stunde. Googelte man bereits wenige Minuten nach dem Abschluss der Partie den Namen Mjelde, so bekam man als erste Ergebnisse sofort unzählige Videos mit dem Titel "Mjeldes traumhafter Freistoß gegen Deutschland". Die Schützin selbst war im Anschluss natürlich total begeistert und fast sprachlos gegenüber FIFA.com. "Ich habe einige Bilder davon in meinem Kopf, aber ganz kann ich mich nicht daran erinnern. Ich muss mir unbedingt noch ein paar Videos davon ansehen. Aber ich weiß, dass er wirklich stark war."

Den Gegner beeindruckt
Bekommt man dann auch noch vom Gegner Lob für sein Kunstwerk, so kann man sich auf jeden Fall sicher sein, dass man Außergewöhnliches geleistet hat. "Der war sehr gut geschossen. Da konnte ich nichts machen, daher war es sinnlos, mich zu bewegen. Das wäre nur Energieverschwendung gewesen", zeigte sich Angerer beeindruckt am Mikrophon von FIFA.com. "Den Freistoß schießt sie einmal im Jahr so", fügte Deutschlands Angreiferin Alexandra Popp noch hinzu.

Als Glücksschuss würde Mjelde ihren Treffer jedoch nicht bezeichnen, eher als das Ergebnis von viel harter Arbeit. "Ich trainiere wirklich oft Freistöße. Ich habe in den letzten Monaten sehr viele geschossen und immer weiter geübt. Jetzt hat es sich ausgezahlt", erklärte die rechte Außenverteidigerin. Ein weiterer Faktor zu diesem Erfolg sei auch ihr großer Bruder Erik gewesen, der beim norwegischen Erstligisten Sandefjord Fotball unter Vertrag steht.

Er verfüge über einen starken linken Fuß und habe ebenfalls schon mehrere Freistöße direkt verwandelt. "Ich habe da schon einiges von ihm gelernt. Ich denke, ich werde einige Nachrichten von ihm auf meinem Telefon haben", grinste sie. Dieses Mal sind es sicherlich bessere Nachrichten, als nach dem ersten Spiel gegen Thailand. Da zeigte sich Mjelde nämlich nicht so treffsicher und scheiterte bei einem Strafstoß an der Torhüterin.

Konzentration von Beginn an
"Der Elfmeter hat mich sehr geärgert. Der war so schlecht geschossen und da habe ich mir geschworen, dass ich heute ein Tor schießen würde, wenn ich die Chance dazu hätte." Gegen die Asiatinnen war ihr Fehlschuss weniger schlimm, da ihr Team bereits klar in Führung gelegen war, unter anderem durch einen weiteren direkten Freistoß. Diesen traf jedoch Spielführerin Trine Ronning, die gegen Deutschland verletzungsbedingt auf der Bank Platz nehmen musste.

Bei all diesen Spezialisten stellt sich die Frage, wer denn eigentlich die Beste bei ruhenden Bällen ist. "Wir haben ein paar, die gute Freistöße schießen können. Trine ist richtig stark, vor allem ist sie konstant und hat schon viele Tore geschossen."

Tore sind auch das richtige Stichwort, wenn man auf das letzte Spiel in der Gruppenphase vorausblickt. Da treffen die Skandinavierinnen kommenden Montag, 15. Juni, nämlich auf die Elfenbeinküste. Der Turnierdebütant musste im ersten Spiel gegen Deutschland eine 10:0-Schlappe einstecken. Jetzt, da Norwegen dem Team von Silvia Neid ein Unentschieden abgetrotzt hat, könnte man denken, ein ähnliches Ergebnis wäre möglich.

"Das könnte schon passieren, dafür müssen wir aber so gut spielen, wie sie [Deutschland, Anm. d. Red.] es gemacht haben", sprach Mjelde selbstbewusst. Sie müssten die Partie jedoch sehr ernst nehmen und von Beginn an konzentriert zu Werke gehen, fügte sie noch an. Dann würden sich auch genügend Tormöglichkeiten ergeben.

Sollten die Norwegerinnen zu viele von diesen auslassen, können sie immer noch auf einen weiteren Geniestreich von Mjelde hoffen.

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