FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019™

7. Juni - 7. Juli

Nächster Schritt: Frankreich 2019

Melissa Borjas hat das Schiedsrichter-Gen

© Getty Images
  • Melissa Borjas pfiff als erste Frau Spiele in Honduras Top-Liga der Männer
  • Sie kam bei der FIFA Frauen-WM 2015 in Kanada zum Einsatz
  • Nächster Schritt: Frankreich 2019

Viele Nationalspielerinnen können auf einen ähnlichen Beginn ihrer Karriere zurückblicken: Als junge Mädchen haben sie mit Jungs zusammengespielt, da es noch keine Mädchenmannschaften gab. Das ist auch bei Melissa Borjas nicht anders - auch wenn sie sich für eine andere Karriere im Fussball entschieden hat. Statt auf dem Platz um Titel zu kämpfen, leitet sie als Schiedsrichterin die Begegnungen.

"Ich habe einen Onkel, der ist Schiedsrichterassistent, und das schiedsrichten sozusagen in den Genen", erzählt Borjas lachend im Interview mit FIFA.com. "Ich habe Fussball gespielt, um den Moment zu genießen und mit meinen Freunden zu entspannen. Mein Onkel hat mich dann gefragt, ob ich es nicht mal mit dem schiedsrichten probieren möchte. Vielleicht würde es mir gefallen."

Wie sehr ihr die Rolle als Schiedsrichterin zugesagt hat, zeigt der Umstand, dass Borjas zur ersten Schiedsrichterin avancierte, die in Honduras Top-Liga der Männer (Liga Nacional de Fútbol Profesional de Honduras) pfeifen durfte.

"Es war eine sehr große Geste von meiner Föderation und der Schiedsrichterabteilung, mir diese Möglichkeit zu geben", beschreibt die 31-Jährige. "Bevor ich meine 'lokale' Karriere begann, war ich bereits FIFA-Schiedsrichterin und hatte internationale Erfahrung. Ich war bei FIFA-Turnieren, Turnieren der CONCACAF und internationalen Freundschaftsspielen dabei - aber nicht in meinem Heimatland", führt sie aus und verdeutlicht, welchen Einfluss auch Twitter & Co. hatten.

"In den sozialen Medien begannen die Leute zu fragen: Warum ist Melissa außerhalb von Honduras so wichtig, aber nicht innerhalb? Man muss ihr ein Spiel geben. Dann werden wir sehen, warum sie international so großartig ist. Also gab der Verband mir die Möglichkeit, und ich bekam mein Spiel. Für meine Kollegen, die Instruktoren und in den sozialen Netzwerken gab es dann keinen Zweifel mehr, dass ich in der obersten Liga bleiben kann."

Dank ihrer harten Arbeit ist es Borjas gelungen, den Weg für andere Frauen zu ebnen, die sich nun auch für eine Karriere als Schiedsrichterin entscheiden. Aber als Vorbild sieht sie sich nicht. "Ich mag die Aufmerksamkeit nicht. Aber wenn ich dadurch mehr Frauen einbeziehen kann, dann ist das halt so. Für mich ist das großartig", zeigt sich die sympathische Honduranerin bescheiden.

Ihre Aufmerksam gilt ganz allein ihrer Aufgabe als Unparteiische und den Entscheidungen, die sie auf dem Platz treffen muss. Denn wie jeder andere Spielleiter muss auch sie sich ständig aufs Neue beweisen.

"Es gibt immer einige Spieler, die versuchen, mich einzuschüchtern. Ich bin den Spielern gegenüber nie respektlos. Ich höre einfach auf zu diskutieren. Für dich? Keine Diskussionen mehr! Ich bin eine respektvolle Person und du bist es nicht. Seltsamerweise wissen sie dann, wie sie sich mir gegenüber zu verhalten haben", beschreibt Borjas mit einem Schmunzeln.

Auch ihre körperliche Verfassung und ihre Fitness stehen unter Beobachtung, dessen ist sie sich bewusst. "Wenn ich eine schwierige Entscheidung treffe, dann heißt es: 'Hey Melissa, du warst im Mittelfeld. Wie kannst Du eine Entscheidung für den Strafraum treffen?' Ich antworte dann: 'Ich war nicht im Mittelfeld. Ich bin direkt hinter dir. Warum denkst du, du musste meine Entscheidung in Frage stellen? Denkst du, ich bin nicht fit genug?' Manchmal sind die Schiedsrichter fitter als die Spieler. Es ist lustig. Es ist richtig, dass Männer und Frauen verschieden sind. Aber der erste Gesichtspunkt ist immer die Fitness. Wir bereiten uns darauf vor. Man muss sich nur die Übungen anschauen, die wir bei Seminaren machen. Es ist hart! Aber wir müssen bereit sein."

Bereit sein! Das ist das Stichpunkt. Bereit für die nächste Herausforderung, die es zu meistern gilt. Eine bestmögliche Vorbereitung auf die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019™. Denn diese hat Borjas fest im Visier.

Das besondere Spiel ihrer Karriere
"Ich werde mein erstes Spiel bei der WM nie vergessen. Es war Kanada 2015, Ecuador gegen Japan. Es war eine wirklich schöne Überraschung,, für die Weltmeisterschaft nominiert zu werden. Ich werde dieses Spiel nie vergessen, da ist zur ersten Schiedsrichterin aus Honduras wurde, die ein WM-Spiel leiten durfte - sowohl bei den Männern als auch den Frauen."

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