FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015

7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015™

Mead will zurück nach Kanada

ethany Mead #9 of England celebrates her team's first goal with team mates
© Getty Images

Die Bibliothek einer Universität scheint zunächst einmal ein ungewöhnlicher Ort für ein Treffen mit einer Fussballspielerin, doch Bethany Mead ist eine sehr beschäftigte junge Frau. Die Torjägerin der Sunderland Ladies traf sich zwischen einem Seminar und einem Vortrag ihres Sportstudiums zu einem Gespräch mit FIFA.com. Zudem muss sie noch Zeit für ihre Tätigkeit als Trainerin und natürlich auch für ihren Jack-Russell-Welpen finden.

Neben ihrem Studium und ihren weiteren Aufgaben erzielte die Stürmerin in 15 Einsätzen für ihre Mannschaft nicht weniger als 13 Tore. Am Ende der Saison setzte sich das Team vor den Doncaster Rovers Belles durch und sicherte sich den Aufstieg in die FA Women's Super League 1 (FAWSL1), die höchste Spielklasse im englischen Frauenfussball. Mead sorgte im vergangenen Sommer für viel Aufsehen, als sie bei der FIFA U-20-Frauen-WM ein Traumtor gegen Mexiko erzielte.

"Das war ein regelrecht surreales Erlebnis", so die Stürmerin. "Ich wusste sofort nach dem Schuss, dass der Ball reingehen würde, denn ich hatte ihn perfekt getroffen. Und dann entwickelte das Tor in den sozialen Medien ein echtes Eigenleben, das war verrückt. Damit hätte ich nie gerechnet, denn eigentlich wird ja nicht so viel über den Frauenfussball berichtet."

Trotz des tollen Treffers von Mead musste das Team von Trainerin Mo Marley nach der Gruppenphase die Heimreise antreten. In der schweren Gruppe mit dem späteren Finalisten Nigeria holten die Engländerinnen nur zwei Punkte. "Das war schon eine Enttäuschung, denn wir wussten, dass wir in jedem Spiel besser hätten spielen können", so Mead. "Aber wir leisteten uns ein paar dumme Fehler, was umso ärgerlicher war, weil wir so viel investiert und in den Monaten zuvor so hart trainiert hatten."

Die große Begeisterung über Meads Traumtor passt gut ins Bild des englischen Frauenfussballs, der derzeit einen enormen Beliebtheitsschub erfährt. Im November bestritten die Engländerinnen vor einer Rekordkulisse im Wembley-Stadion ein Freundschaftsspiel gegen Deutschland. Auch in der reformierten FAWSL steigen die Zuschauerzahlen kontinuierlich, und dank eines neuen TV-Vertrages bekommt der Frauenfussball mehr Sendezeit als je zuvor. "Es ist schön, dass diese Entwicklung jetzt stattfindet, wo ich mittdendrin bin", freut sich Mead. Der Frauenfussball durchlebt derzeit eine sehr interessante Phase. Ich hoffe, dass es noch weitere große Fortschritte gibt. 55000 Fans im Wembley-Stadion ist schon unglaublich!"

Die Stürmerin der Black Cats ist überaus ambitioniert und hofft darauf, nach der U-20-Weltmeisterschaft 2014 auch bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015 wieder in Kanada mit dabei zu sein. Ein Platz im 23er-Kader für die WM-Endrunde ist indes selbst einer Torjägerin von Meads Schlag nicht sicher. Englands Trainer Mark Sampson konnte sich in der WM-Qualifikation über eine makellose Bilanz freuen. Sein Team erreichte die Endrunde mit der überwältigenden Ausbeute von 52 Toren in zehn Spielen bei nur einem einzigen Gegentor.

"Im Oktober war ich in einem Trainingslager. Dort nahm mich der Trainer beiseite und führte ein langes Gespräch mit mir", erzählt Mead. "Er sagte mir, ich sei technisch sehr begabt, müsse aber intensiv weiter an den körperlichen Aspekten arbeiten. Ich kann also nur so weitermachen, wie bisher. Es war jedenfalls sehr schön, mal direktes Feedback und eine solche Anerkennung zu hören, auch wenn es eigentlich nicht nötig gewesen wäre. Bei der WM für mein Land zu spielen wäre natürlich der Höhepunkt meiner Karriere. Überhaupt dabei zu sein, wäre ja schon toll. Ich werde so hart ich kann arbeiten, um es in Marks Kader zu schaffen. Aber wir müssen abwarten und werden sehen, wen er am Ende auswählt."

Trotz aller Ambitionen als Neuprofi steht Mead weiterhin mit beiden Füßen fest auf dem Boden. Mit der Universität vereinbarte sie eine Fortsetzung ihres Studiums. Nach Kanada 2015 beginnt für sie das letzte Studienjahr. Im Vorfeld ihrer ersten Profi-Saison in der FAWSL1 und einer möglichen Reise zur WM-Endrunde nutzt Mead die Winterpause, um eine offene Rechnung zu begleichen. Von ihren ehemaligen Arbeitgebern in einem Gasthaus bekam sie finanzielle Unterstützung für ihre fussballerische Ausbildung.

"Jetzt ist Winter und ich trainiere nicht so viel. Ich werde wohl bald wieder hingehen, um auszuhelfen", so Mead. "Schließlich haben sie mir jahrelang sehr geholfen. Die Eigentümer des Gasthauses sind sehr interessiert an meiner Karriere und haben mich gern als Sponsoren unterstützt. Außerdem durfte ich hinter dem Tresen arbeiten und musste nicht mehr den Abwasch machen!"

Nachdem sie nun auch noch etwas in Erinnerungen geschwelgt hat, wird es für Mead Zeit, sich wieder ihren Büchern zu widmen. Und auch die Verteidigerinnen in der FAWSL1 und möglicherweise auch im kommenden Sommer in Kanada sollten ihre Hausaufgaben machen, wenn sie die Torjägerin von Sunderland stoppen wollen.

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