FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011 ™

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KICKFAIR: Mit Straßenfussball auf den richtigen Weg

The first European Street Football Festival took place in May in the town of Foca in Bosnia and Herzegovina
© FIFA.com

Die Bilder feiernder Japanerinnen, die die Trophäe der FIFA Frauen-WM 2011 in den Frankfurter Nachthimmel stemmten, gingen vor knapp zwei Wochen um die Welt. Der Fussball bietet aber mehr als Triumph und Trauer oder Freude und Frust. Dass die schönste aller Sportarten auch an der Basis Perspektiven schaffen kann, beweist KICKFAIR. Der in Stuttgart ansässigen und bundesweit agierenden Organisation gelingt es auf ganz besondere Weise, Kindern und Jugendlichen mit der Kraft des Fussballs zu mehr Selbstwertgefühl und Verantwortungsbewusstsein zu verhelfen.

Nicht nur Jungs, sondern auch Mädchen finden dadurch immer häufiger den Weg in ein selbstbestimmteres Leben. Das weltweite Kräftemessen der Fussballerinnen-Elite in Deutschland hat nun dafür gesorgt, dass die äußerst wirkungsvolle Arbeit noch weiter ausgebaut werden kann. Der Erlös sämtlicher SONY-Bildschirme, die während des Turniers - unter anderem auf den Pressetribünen und in den Medienzentren rund um die Stadien - verwendet wurden, spendete die FIFA an KICKFAIR, das bereits seit mehreren Jahren mit der Abteilung CSR (Corporate Social Responsibility) des Weltfussballverbandes kooperiert.

"Wir sind sehr erfreut, eine solch erfahrene und erfolgreiche Organisation wie KICKFAIR über unsere Football-for-Hope-Initiative unterstützen zu können. Ihre langfristig angelegte Arbeit mit Jugendlichen ist vorbildlich und hat im Austausch auch weit über Deutschland hinaus positive Impulse gesetzt", so Federico Addiechi, Leiter der FIFA-Abteilung soziale Verantwortung.

*Individuell und als Kollektiv wachen
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"Wir stärken individuelle Fähigkeiten und fördern persönliche Entwicklung", erklärt KICKFAIR-Direktorin Steffi Biester. Unter dem organisatorischen Dach eines eingetragenen Vereins entwickelt die 41-jährige Mitbegründerin gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen langfristig angelegte Konzepte für Bildung, Lernen, Training und Schulungen. Bei allem ist Straßenfussball der Ausgangspunkt und Zugang für Themenschwerpunkte wie "Integration", "Regel- und Demokratielernen" oder "Engagement junger Leute in der Kommune".

Seit nunmehr zehn Jahren initiieren Biester und Co. vielfältige und vielfach ausgezeichnete Projekte für Kommunen, Schulen, Vereine, Bildungsträger, Multiplikatoren und Unternehmen. "Anfänglich sind wir auf Schulen, Jugendeinrichtungen, Vereine und verschiedene Projekte zugegangen und haben eine Kooperation angeboten. Mittlerweile ist es so, dass man auch auf uns zukommt. Es ist wundervoll, zu sehen, wie Mädchen und Jungen über den Straßenfussball miteinander agieren und dadurch individuell sowie als Kollektiv wachsen", so Biester, die hinzufügt: "Fussball ist ein Phänomen. Alle mögen Fussball. Das ist nicht erklärbar!"

*Keine Theorie, sondern Praxis
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Gespielt wird immer vier gegen vier mit gemischten Teams. Mindestens ein Mädchen pro Seite muss dabei sein. Es gibt keinen Schiedsrichter. Deshalb müssen eigene Formen der Kommunikation und Spielbewertung abgestimmt werden. Bevor es losgeht, treffen die Teams in einer sogenannten "Dialogzone" Vereinbarungen über Regeln und den Umgang miteinander. Jugendliche aus der Zielgruppe, die "Teamer" genannt werden, begleiten diesen Prozess als Mediatoren. Nach dem Schlusspfiff wird dann das Einhalten der Regeln von allen beurteilt und mit Fair-Play-Punkten bewertet. Diese gemeinschaftlich vergebenen Fair-Play-Punkte zählen ebenso zum Spielergebnis wie erzielte Tore.

"Wichtig ist, dass wir nicht mit der Entwicklung unserer Konzepte in der Theorie bleiben, sondern auch in der Praxis arbeiten und die Jugendlichen selbst erfahren und weiterverarbeiten lassen. Dies hat eine ganz andere, viel stärkere Echtheit", sagt Biester. "Ich erinnere mich immer wieder gerne an Mädchen und Jungen, die zu mir kommen und sagen: 'Ich dachte, ich kann nichts und bin dumm. Dann habe ich ein KICKFAIR-Projekt kennengelernt. Und heute studiere ich.'" Besonders interessant sei es, zu beobachten, dass viele dieser Jugendlichen langfristig in den Projekten bleiben, um als Mentoren zu wirken.

*Aus der eigenen Erfahrung heraus
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Längst werden bei den Straßenfussball-Veranstaltungen bereits lieber Teams mit zwei Mädchen und zwei Jungs geformt. "Die Jungs sagen dann: 'Der ganze Druck lastet nicht mehr auf uns', und die Mädchen erleben sich als gleichwichtig." Insgesamt sei es enorm wichtig, durch das Erfahren und Entwickeln als dynamisches Mittel zum Beispiel zu realisieren, dass "Vielfalt keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung" sei.

Fünf Hauptamtliche, sechs Honorarmitarbeiter und rund 150 Freiwillige sind mittlerweile für KICKFAIR im Einsatz, um den Jugendlichen über den Fussball einen besseren Weg ins Leben zu ermöglichen. Biester ist zufrieden und steckt weiter voller Tatendrang: "Durch diese Projekte bekommen die Geschichten ein Gesicht, denn jedes Mädchen und jeder Junge hat ganz eigene Erfahrungswerte, die sie bzw. er selbst weiterverarbeiten kann. Wir wollen niemandem mit dem Finger den Weg weisen. Wir möchten nur ermöglichen, dass sie ihren eigenen Weg finden."

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