FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011 ™

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Japan setzt sich die Krone auf

Homara Sawa of Japan lifts the trophy
© Getty Images

Japan ist zum ersten Mal Weltmeister. Im Finale der FIFA Frauen-WM 2011 in Deutschland besiegten die Ostasiatinnen am Sonntagabend die USA in einem packenden Duell mit 5:3 nach Elfmeterschießen, nachdem es nach der regulären Spielzeit 1:1 und nach Verlängerung 2:2 gestanden hatte. Vor 48.817 Zuschauern in der ausverkauften Frankfurter Arena brachten die eingewechselte Alex Morgan und Abby Wambach die U.S.-Girls jeweils in Führung, aber Aya Miyama und Homare Sawa gelang zwei Mal der Ausgleich. Im dramatischen Elfmeterschießen wurde Torfrau Ayumi Kaihori dann zur Matchwinnerin, indem sie zwei Mal parieren konnte.

Nicht einmal 30 Sekunden waren gespielt, als die U.S.-Girls ein erstes Ausrufezeichen setzten, denn Lauren Cheney überlief auf dem linken Flügel Azusa Iwashimizu, und ihr Schuss aus spitzem Winkel konnte von der japanischen Keeperin Ayumi Kaihori reflexartig mit einer Fußabwehr pariert werden. Das Team von Trainerin Pia Sundhage, die etwas überraschend Amy Rodriguez für Megan Rapinoe auf die Bank setzte, legte mit gewohnter Dynamik und äußerster Entschlossenheit los. Chiney und Rapinoe aus kurzer Distanz sowie Wambach per Distanzschuss verfehlten in den Folgeminuten jeweils nur um Zentimeter das Gehäuse der Nadeshiko.

Während die im Vergleich zum 3:1-Halbfinalsieg gegen Schweden personell unverändert angetretenen Ostasiatinnen große Probleme gegen das früh attackierende U.S.-Team hatten, ging das Offensivfeuerwerk der Stars and Stripes weiter. Nach 18 Minuten tauchte die äußerst agile Rapinoe abermals gefährlich im Strafraum von Kaihori auf und scheiterte am Außenpfosten. Auf der Gegenseite verbuchte Japan zwar mit einem 25-Meter-Schuss von Shinobu Ohno, der weit das Ziel verfehlte, eine erste Torchance. Doch spätestens als Wambach nach einer knappen halben Stunde mit einem Linksschuss von der Strafraumgrenze die Unterlatte traf, musste das Kollektiv von Coach Norio Sasaki froh sein, nicht längst einem Rückstand hinterherzulaufen.

Mit zunehmender Spieldauer gelang es dem Vierten der FIFA Frauen-Weltrangliste, sich gegen den Topplatzierten ein wenig zu befreien. Als Kozue Ando nach einer halben Stunde von einem feinen Ohno-Pass in Szene gesetzt wurde und aus leicht spitzem Winkel an U.S.-Torfrau Hope Solo scheiterte, dachte sich vermutlich so mancher Zuschauer im weiten Frankfurter Rund, dass die Nordamerikanerinnen ihre mangelnde Torausbeute noch bereuen könnten. Allerdings ließ auch das Sundhage-Ensemble nicht locker und hätte vor dem Pausenpfiff fast doch noch Grund zum Jubeln gehabt, als Cheney das Leder aus kurzer Distanz über die Querlatte köpfte.

Nach dem Seitenwechsel kam Morgan für Cheney in die Partie, und der U.S.-Jungstar benötigte nicht einmal vier Minuten, um erstmals für Gefahr vor Japans Gehäuse zu sorgen: Die pfeilschnelle Heather O’Reilly flankte von rechts scharf nach innen und Morgan setzte den Ball aus zwei Metern an den Pfosten. Die Nordamerikanerinnen schienen ihren kräftezerrenden Anstrengungen, das gefürchtete japanische Kombinationsspiel mit Aggressivität, Zweikampfstärke und Laufbereitschaft zu unterbinden, allmählich Tribut zollen zu müssen. Die Nadeshiko wurden stärker.

Nach gut einer Stunde schickte Spielmacherin Sawa ihre Mitspielerin Yukari Kinga mit einem Traumpass auf die Reise, doch die Rechtsverteidigerin realisierte nicht, dass sie im Eins-gegen-Eins auf Torfrau Solo hätte zulaufen können, und schoss überhastet vorbei. Auf der Gegenseite konnte Kaihori einen Wambach-Kopfball gerade noch mit den Fingerspitzen über die Latte zu lenken. In der 69. Minute war die japanische Keeperin dann aber machtlos: Rapinoe spielte einen perfekt getimten Pass über das halbe Spielfeld genau in den Lauf der 22-jährigen Morgan, die das Leder annahm und von der Strafraumgrenze trocken und flach mit links zum 1:0 ins lange Eck schoss.

Die nun mit dem Rücken zur Wand stehenden Ostasiatinnen blieben konzentriert und warfen nicht alles nach vorne. Dies sollte sich auszahlen, denn in der 81. Minute wurde ein grober Schnitzer der U.S.-amerikanischen Hintermannschaft eiskalt zum 1:1-Ausgleichstreffer genutzt: Verteidigerin Rachel Buehler wollte in Folge eines Strafraumgetümmels vor Solos Gehäuse klären, schoss dabei ihre Mitspielerin Ali Krieger an und der Ball landete vor den Füßen der lauernden Miyama, die aus sechs Metern mühelos einschieben konnte. 120 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit hatte die japanische Mittelfeldakteurin dann sogar ihren zweiten Treffer auf dem Fuß, ihr Schuss aus 18 Metern verfehlte das Gehäuse aber ebenso knapp wie ein Linksschuss der U.S.-Flügelspielerin O’Reilly in der Nachspielzeit.

In der Verlängerung ließen beide Seiten zunächst keinen Zweifel daran aufkommen, die Entscheidung über die Titelvergabe nicht dem drohenden Nervenspiel im Elfmeterschießen überlassen zu wollen. Morgan und Wambach hatten zunächst mit einem Linksschuss und einer Kopfballchance jeweils kein Glück. Doch in der 104. Minute sorgten genau diese beiden Akteurinnen für die erneute Führung der U.S.-Girls: Morgan flankte von der linken Seite genau auf die Stirn von Wambach, die mühelos aus kurzer Distanz zum 2:1 einköpfte. Für die 31-jährige Stürmerin war es der vierte Turniertreffer, allesamt erzielte sie per Kopf.

Doch Japans Superstar Sawa hatte die perfekte Antwort parat, als sie in Minute 117 in Folge eines Miyama-Eckballs schneller am Ball war als die gesamte U.S.-Defensive, ihn mit dem rechten Fuß akrobatisch aus vollem Lauf am kurzen Pfosten über die gegnerische Torlinie bugsierte und damit doch das Elfmeterschießen erzwang. Nachdem Azusa Iwashimizu in der 120. Minute aufgrund einer Notbremse mit der Roten Karte vom Platz gestellt wurde, avancierte Kaihori schließlich zur gefeierten Heldin: Die japanische Keeperin konnte Elfmeter von Shannon Boxx und Tobin Heath halten und durfte dann mit ansehen, wie Saki Kumagai den entscheidenden Schuss im Winkel unterbrachte, um Japan erstmals zum Weltmeister zu machen.  

Spielerin des Spiels: Ayumi Kaihori (Japan)

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