FIFA Frauen-Weltmeisterschaft China 2007 ™

10 September - 30 September

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2007™

Interessante Spielerin: Cynthia Uwak

Als Cynthia Uwak vom Präsidenten ihres finnischen Vereins FC United Pietarsaari im vergangenen Oktober die frohe Botschaft übermittelt bekam, dass sie für die Wahl zur FIFA Weltfussballerin des Jahres nominiert worden war, konnte sie es kaum glauben. Blitzschnell loggte sie sich ins Internet ein, um diese Nachricht auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen und festzustellen, ob sie da nicht einem schlechten Scherz zum Opfer gefallen war. Doch dem war nicht so, und ab sofort stand das Telefon bei der 20-jährigen Stürmerin nicht mehr still, denn jeder wollte der sympathischen Nigerianerin zu ihrem Erfolg gratulieren.

"Diese Nominierung ist für mich schon eine große Motivation. Sie hat mir noch mehr Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten gegeben", so Uwak kürzlich in einem Interview auf der Website der Afrikanischen Fussball-Konföderation (CAF). Und der unerwartete Ritterschlag zeigte prompt Wirkung. Bei der Afrikameisterschaft im November im eigenen Land gelang Uwak im Auftaktspiel gegen Äquatorialguinea mit zwei Treffern in den ersten sieben Minuten ein Blitzstart in das Turnier, am Ende holte sich Seriensieger Nigeria mit einem 1:0-Sieg im Finale gegen Ghana souverän den Titel. Uwak erzielte im Turnierverlauf insgesamt sechs Treffer, darunter einen zweiten wichtigen Doppelpack im Spiel gegen Südafrika.

Da konnte sie es bei allem Ehrgeiz locker verschmerzen, dass ihre in China spielende Teamkollegin Perpetua Nkwocha mit dem Treffer im Finale ihr im letzten Moment noch den ersten Platz in der Torschützenliste vor der Nase wegschnappte. Zudem versüßte Nigerias charismatischer Staatspräsident Olusegun Obasanjo den Spielerinnen, die er liebevoll "meine Töchter" nennt, den Erfolg bei der Afrikameisterschaft mit jeweils rund 6.000 Euro.

Bei der FIFA-Wahl belegte sie am Ende einen mehr als respektablen elften Platz, Brasiliens Nationaltrainer Jorge Barcellos stufte sie in seiner persönlichen Wertung sogar auf Platz zwei ein. Darüber hinaus ist Uwak neben Sheila Okai aus Ghana und Portia Modise aus Südafrika für die Auszeichnung als "Afrikas Spielerin des Jahres 2006" nominiert und gilt als aussichtsreichste Kandidatin. Lob von höchster Stelle
Welch außergewöhnliche Spielerin Uwak ist, stellten schon die Expertinnen von der Technischen Studien-Gruppe (TSG) der FIFA bei der U-20-Frauen-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr in Russland fest.

Tina Theune-Meyer, ehemalige Nationaltrainerin von Welt- und Europameister Deutschland, lobte nach Nigerias 3:2-Erfolg gegen Kanada: "Uwak hat den Ausschlag gegeben, ihr Potenzial ist beeindruckend." Und Fran Hilton-Smith, frühere südafrikanische Nationalspielerin und Nationaltrainerin, sagte nach dem 8:0-Kantersieg gegen Finnland: "Sie war im Angriff überall zu finden, hat ein Tor selbst erzielt und zwei vorbereitet. Sie ist immer wieder rochiert und hat die finnische Abwehr über beide Außen aufgerissen."

Uwak selbst war ebenfalls mit ihrem Auftritt in Russland sehr zufrieden: "Das war ein großartiges Erlebnis. Die Erfahrung meiner vorherigen WM-Turniere in Kanada 2002 und Thailand 2004 hat mir sehr geholfen."

Doch wer ist diese junge Afrikanerin, die sich anschickt, bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft China 2007 für Furore zu sorgen?

Die im Bundesstaat Akwa Ibom im Süden Nigerias als eine von drei Kindern (eine Schwester, ein Bruder) geborene, 1,60 Meter große Spielerin kann sich zwar nicht mehr genau daran erinnern, wann sie als Kind mit dem Fussball spielen begann. Doch es muss wahrlich früh gewesen sein, versetzt sie doch heute die gegnerischen Abwehrreihen regelmäßig in Angst und Schrecken mit ihrer Schnelligkeit, ihren technischen Fähigkeiten und ihrer wunderbaren Ballkontrolle. Das Ganze gepaart mit einer mannschaftsdienlichen Spielweise, bei der sie nie den Blick für die Mitspielerinnen verliert.

Schon früh wurde Nigerias heutiger Nationaltrainer Ntiero Effiom Ntiero auf sie aufmerksam. "Sie fiel mir auf, als sie für Inneh Queens in Benin-City spielte. Ich wollte sie für mein Team Pelican Stars gewinnen, aber sie wollte nicht so weit entfernt von ihren Eltern sein, die weit weg von Calabar leben. Als ich jedoch im Jahr 2000 Trainer der U-19-Nationalmannschaft wurde, habe ich sie in den Kader aufgenommen. Seitdem ist sie unter meiner Obhut", so Ntiero gegenüber der nigerianischen Tageszeitung "The Guardian". Außerordentliches Potenzial
Von den Fähigkeiten seines Schützlings ist er überzeugt: "Uwak ist eine fantastische Spielerin, sie ist einfach von der Natur gesegnet. Sie hat alles, was eine Fussballerin braucht, und sie schießt Tore, wenn man es am wenigsten erwartet", so Ntiero weiter. Kein Wunder also, dass Uwak bereits bei der FIFA U-19-Weltmeisterschaft Kanada 2002 als 16-Jährige in der Nationalmannschaft spielte und 40 Minuten lang WM-Luft im Spiel gegen Gastgeber Kanada schnuppern durfte.

"Wenn sie weiterhin hart daran arbeitet, sich zu verbessern und von größeren Verletzungen verschont bleibt, wird sie eine große Karriere vor sich haben und für lange Zeit spielen", ist sich Ntiero sicher.

Zugute kommt Uwak dabei, dass sie als eine von nur acht nigerianischen Nationalspielerinnen im Ausland tätig ist und in Finnland wertvolle Erfahrung in einer starken Liga sammeln kann. Und dort in der vergangenen Saison hinter dem Team Honka Espoo Vizemeister wurde. Mit 17 Treffern verfehlte sie in der abgelaufenen Saison die Torjägerkrone dabei nur knapp um einen Treffer.

"Wenn uns Uwak nicht wegen der U-20-WM gefehlt hätte, hätten wir Meister werden können", ist sich Pietarsaaris Trainer Carl-August Löf sicher, der die Bedeutung der Spielerin somit noch einmal unterstreicht. Uwak meint: "Der Frauenfussball hat in Finnland einen hohen Stellenwert, und es gibt dort eine gute Infrastruktur. Die Qualität ist hoch, denn in der Liga finden sich gute Spielerinnen, etwa einige schwedische Nationalspielerinnen."

Doch was macht die Nigerianerin so stark? "Egal, ob Männer oder Frauen, wenn es um Fussball geht, sind alle sehr leidenschaftlich und motiviert", erklärt sie das Erfolgsgeheimnis nigerianischer Teams. Von diesen Tugenden wird man sich bei der WM in China sicherlich überzeugen können. Und dann wird vielleicht einmal mehr das Telefon nicht still stehen...

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