FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011 ™

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011 ™

7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011™

Hamm: "Der Frauenfussball wächst sehr schnell"

Mia Hamm and Steffi Jones pose for a photo during the Germany 2011 FIFA Women's World Cup Welcome Tour
© Getty Images

Es gibt wohl kaum eine Spielerin in der Geschichte des Frauenfussballs, die so beliebt und allgemein bekannt ist, wie die ehemalige U.S.-Nationalstürmerin Mia Hamm. Sie war einer der ganz großen Stars des Sports und es gibt nur wenig, das die mittlerweile 39-Jährige in ihrer beeindruckenden 17-jährigen internationalen Karriere nicht erreicht hat.

Die beiden Titelgewinne bei FIFA Frauen-Weltmeisterschaften™ (1991 und 1999) und die beiden Goldmedaillen bei Olympischen Fussballturnieren (1996 und 2004) sind dabei wohl an erster Stelle zu nennen. Was ihre persönlichen Erfolge angeht, so gibt es weder eine Nationalspielerin noch einen Nationalspieler der USA, die mehr Tore als diese Torjägerin erzielt haben. Was die Anzahl der Länderspiele angeht, liegt sie an zweiter Stelle hinter Kristine Lilly. Ihre Bedeutung in den Staaten lässt sich daran ablesen, dass das Logo der professionellen Frauenliga der USA die Silhouette von Mia Hamm aufweist.

Während ihres engen, vom Fernsehen vorgegebenen Zeitplans in Deutschland nahm sich Mia Hamm ein paar Minuten Zeit, um sich mit FIFA.com über den Wandel des Spiels, die rasche Entwicklung und das Turnier im Allgemeinen zu unterhalten.

Was denken Sie ganz allgemein über die WM 2011 in Deutschland? *
*Das Turnier war bislang großartig. Ich glaube, dass das Spielniveau hervorragend war und es eine ganze Reihe aufregender Spiele gab. Die Investitionen der FIFA und auch des LOK in dieses Turnier waren enorm. Die Veranstaltung hat auch gezeigt, dass das technische und taktische Niveau immer höher wird.

*Könnte man das Turnier als Wende im Frauenfussball ansehen? *
Ich glaube schon. Zunächst hatten wir zwei Neulinge im Turnier. Und ich glaube, dass jeder sehen konnte, dass sowohl Äquatorial-Guinea als auch Kolumbien gut mitgespielt haben und keineswegs den Eindruck machten, dass sie gegen die übermächtige Konkurrenz keine Chance hätten. Beide Mannschaften waren physisch und technisch stark, hatten Persönlichkeiten in ihren Reihen und versuchten, attraktiven Fussball zu spielen.

*Bewerten Sie die Entscheidung für 24 teilnehmende Mannschaften bei der nächsten FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ 2015 in Kanada also positiv? *
Auf jeden Fall. Das bietet nicht nur mehr Möglichkeiten, sondern wird auch andere Länder motivieren, in den Frauenfussball, besonders auch im Nachwuchsbereich, zu investieren. Die Vorteile kann man ja schon in Ländern wie den USA, Deutschland, England und Frankreich sehen, wo viel getan wird. All diese Dinge sind positiv für das Spiel, es ist wichtig, dass wir mehr Dynamik in den Frauenfussball bringen, damit er weiter wächst.

*Was sind die größten Unterschiede zwischen heute und den Zeiten, als sie auf der Weltbühne des Fussballs spielten? *
Die Kluft zwischen den Ländern ist viel geringer. Das Niveau der Spielerinnen und auch die Qualität der Trainer ist immer besser geworden. In den USA hatten wir immer großartige Trainer, aber das ist jetzt überall festzustellen. Die Trainer sind wirklich sehr interessiert daran, mehr über den Frauenfussball zu erfahren, und das halte ich für sehr wichtig.

*Hat es auch taktische Verbesserungen gegenüber den letzten FIFA Frauen-Weltmeisterschaften™ gegeben? *
Auf jeden Fall, und zwar auf breiter Front. Wir haben Mannschaften gesehen, die neue Spielsysteme ausprobieren. Brasilien hat ein ganz anderes defensives System angewendet und die Französinnen spielen ein 4-5-1, bei dem sie sehr rasch drei Spielerinnen in den Angriff verschieben können. Das alles ist sehr positiv.

Gibt es Spielerinnen, die Sie ganz besonders beeindruckt haben? *
*
Marta zu sehen, ist immer eine tolle Sache. Sie hat erneut unter Beweis gestellt, warum sie so gefährlich ist, weil sie wirklich nur ganz wenig Raum braucht. Wir konnten feststellen, dass ihr Spiel noch besser geworden ist. Sie zieht nicht nur viele Gegenspielerinnen auf sich, sondern macht dabei auch noch das Spiel. Eine Sache ist es ja, Spielerinnen zu haben, die sich freilaufen, eine andere, sie auch zu finden. Und genau das kann sie. Das französische Team hat mir sehr gut gefallen. Es hat Spaß gemacht, ihnen zuzusehen. Bei den Deutschen sahen wir phasenweise ganz starke Leistungen. Ich mag einige ihrer jungen Spielerinnen wie (Alexandra) Popp oder (Kim) Kulig, die mir wirklich sehr gut gefällt.

Was halten Sie von den Leistungen der USA im bisherigen Turnier? *
*
Das Spiel gegen Brasilien war sicherlich bislang das mit Abstand beste. Das Team hat sich das ganze Turnier über verbessert, und so sollte es ja auch eigentlich sein. Gegen die Schwedinnen musste man einen kleinen Rückschlag hinnehmen, wobei ich den Eindruck hatte, dass die Schwedinnen in diesem Spiel viel motivierter waren. Dennoch ist die Mannschaft jetzt wieder auf Kurs.

*Für viele junge Spielerinnen waren Sie das große Vorbild. Macht es Spaß, nun eine neue Generation von Spielerinnen zu sehen, die Ihre Rolle ausfüllen? *
Ich glaube, dass alles, was junge Mädchen - nicht nur im Bereich des Fussballs - inspiriert, eine tolle Sache ist. Ich hatte das Glück, dass mich meine Eltern und meine Familie unterstützt haben. Über den Sport habe ich viel Selbstbewusstsein gewonnen. Alles, was Mädchen selbstbewusster macht, ist äußerst wichtig.

Glauben Sie, dass der Fussball zur Entwicklung einer Person beitragen kann? *
*
Auf jeden Fall. Die meisten Dinge, die man im Fussball lernt, kann man auch im restlichen Leben sehr gut anwenden. Ich rede hier von Dingen wie Kommunikation, Zeiteinteilung, Teamarbeit und dem Überwinden von Hindernissen.

*Sie arbeiten während des Turniers als Kommentatorin für das U.S.-Fernsehen. Macht es Spaß, auf der anderen Seite der Kamera zu stehen? *
Ich habe viel gelernt. Es ist eine großartige Erfahrung und ich arbeite mit einem tollen Team zusammen. Ich freue mich als ehemalige Spielerin und Fan dieser Sportart natürlich auch darüber, dass ESPN jedes einzelne Spiel überträgt. Ich bin sehr dankbar dafür, denn das war noch ganz anders als ich ein Mädchen war. Jetzt können alle jungen Spielerinnen im ganzen Land jede Partie sehen, die sie möchten.

*Haben Sie hier bei der WM 2011 in Deutschland wieder Lust bekommen, noch einmal die Fussballschuhe zu schnüren? *
[Lacht]. Das habe ich noch beim ersten Spiel gesagt, aber als ich sah, wie alle Spielerinnen 90 Minuten lang den Platz herauf- und heruntergelaufen sind, habe ich mich wieder daran erinnert, wie anstrengend dieser Sport doch ist.

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