FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft USA 1999 ™

19 Juni - 10 Juli

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 1999™

Zweiter Titel für die USA und Meilenstein in der Geschichte des Damensports

© Others

Die letzte FIFA Frauenfussball-WM des Jahrhunderts leitete den Beginn einer neuen Erfolgsära für den Frauenfussball ein und stellt einen Meilenstein in der Geschichte des Damensports insgesamt dar.

Drei volle Wochen lang versammelten sich 320 der besten Fussballspielerinnen der Welt in den Vereinigten Staaten, um an einem Ereignis noch nie da gewesenen Ausmaßes teilzunehmen. Das Turnier wurde zum ersten Mal in riesigen Stadien ausgetragen, und im Hinblick auf Zuschauerzahlen, Berichterstattung und TV-Einschaltquoten wurden neue Maßstäbe gesetzt.

Die Spiele wurden insgesamt von über 660.000 Zuschauern verfolgt, fast 2.500 Medien übernahmen die Berichterstattung. Alle 32 Spiele wurden im nationalen Fernsehen live übertragen, und etwa 40 Millionen Fernsehzuschauer verfolgten allein in den Vereinigten Staaten am Bildschirm, wie die gastgebende Mannschaft zum zweiten Mal den Weltmeistertitel eroberte. Der WM-Sieg der Amerikanerinnen wurde zur Story des Jahres, und sie schlugen eine ganze Nation in ihren Bann.

"Diese Weltmeisterschaft war eine unvergleichliche, eigenständige Frauen-Veranstaltung mit Weltklasseniveau und -format", so Marla Messing, CEO des US-Organisationskomitees. "Wir haben alle Geschichte geschrieben."

Am 10. Juli 1999 drängte sich eine für den Frauensport einmalige Anzahl von 90.185 sonnengebräunten Fans, einschließlich des damaligen Präsidenten Bill Clinton in die Rose Bowl in Pasadena, Kalifornien. Sie verfolgten ein atemberaubendes Finale, in dem es der Heimmannschaft gelang, die Chinesinnen im Elfmeterschießen mit 5:4 zu schlagen.

"Das ganze Land ist gebannt", freute sich Clinton. "Dieses Ereignis wird mehr bewegen, als man jemals vermutet hätte. Es wird weitreichende Auswirkungen haben, und zwar nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in anderen Ländern."

Als die US-amerikanische Abwehrspielerin Brandi Chastain nach 120 Spielminuten einschließlich der 30-minütigen Verlängerung den fünften Elfmeter für ihre Mannschaft an der chinesischen Torhüterin vorbei im Netz versenkte, war das der krönende Abschluss eines Fussball-Sommers, der die ganze Nation begeisterte. Chastain fiel auf die Knie wie Björn Borg nach dessen Wimbledon-Sieg, riss sich das Trikot vom Leib und schwang es vor dem begeisterten Publikum jubelnd über dem Kopf.

"Ich war in diesem Moment einfach unzurechnungsfähig, nicht mehr und nicht weniger", sagt Chastain später. "Ich habe an gar nichts gedacht. Ich dachte, mein Gott, das ist der großartigste Moment meines Fussball-Lebens."

Die amerikanische Mannschaft hatte sich den Weg ins Finale mit fünf Siegen erkämpft, darunter ein 3:2-Erfolg im Viertelfinalspiel gegen Deutschland, in dem man bereits zurückgelegen hatte, und ein 2:0-Sieg gegen Brasilien in einem spannungsgeladenen Halbfinale. Im Finale dominierten die Amerikanerinnen das Mittelfeld und lagen auch in Punkto Ballbesitz eindeutig vorn, es gelang ihnen jedoch nicht, die Abwehr der Chinesinnen zu knacken.

China war mit dem besten Sturm des Turniers und einem Torverhältnis von 19:2 ins Finale gegangen, die amerikanische Abwehr störte jedoch schon im Mittelfeld, sodass es den chinesischen Mittelfeldspielerinnen nicht gelang, den Sturm schnell zu bedienen.

Aber China hätte die amerikanische Siegesfeier in der Verlängerung fast noch mit einem Golden Goal verdorben. Nachdem die Chinesinnen in der regulären Spielzeit nur zwei Torschüsse zu verzeichnen hatten, waren es in der 30-minütigen Verlängerung gleich drei, von denen einer eigentlich eine 100%ige Torchance darstellte. Die chinesische Abwehrspielerin Fan Yunjie beförderte den Ball nach einem von Liu Ying ausgeführten Eckball per Kopf Richtung leeres Netz, und alles deutete auf ein sicheres Tor hin. Die amerikanische Mittelfeldspielerin Kristine Lilly erreichte den Ball jedoch mit einem Riesensatz, bevor er die Torlinie überschreiten konnte, und köpfte ihn am Tor vorbei.

Xie Huilin und Qui Haiyan verwandelten die ersten beiden Elfmeter für China. Beim dritten Versuch der Chinesinnen warf sich die amerikanische Torfrau Briana Scurry jedoch nach links und wehrte Liu Yings Schuss ab. Nachdem Carla Overbeck, Joy Fawcett, Kristine Lilly und Mia Hamm bereits für die amerikanische Mannschaft verwandelt hatten, hämmerte Brandi Chastain den Ball zum spielentscheidenden Elfmetertor ins Netz.

Witzigerweise war es bereits das zweite Mal, dass das Finale einer FIFA Weltmeisterschaft in der Rose Bowl nach einem torlosen Unentschieden durch Elfmeterschießen entschieden wurde. Beim Finale der Männer 1994 schlug Brasilien die italienische Mannschaft auf die gleiche Weise.

Die Gruppe B, von den Medien auch als "Todesgruppe" bezeichnet, setzte sich aus der gesetzten deutschen Mannschaft, Italien, Brasilien und Mexiko zusammen und war wohl zweifellos das härteste Vorrundenlos dieser Weltmeisterschaft.

Das brasilianische Team, das bei der Weltmeisterschaft 1995 in Schweden bereits nach den Gruppenspielen ausscheiden musste, dann aber bei den Olympischen Spielen 1996 Norwegen schlug und die Bronzemedaille gewann, galt unter den Damenmannschaften als das Team mit dem größten Leistungsaufschwung der Welt. Die große Sissi hat nicht enttäuscht. Sie eröffnete das Turnier mit einem Hattrick gegen Mexiko und erzielte beide Treffer beim 2:0-Sieg gegen Italien, der deutlich machte, dass die Südamerikanerinnen fest entschlossen waren, sich im Weltfussball zu etablieren.

Brasilien stürzte auch die deutsche Mannschaft ins Verderben. Aufgrund des 3:3-Unentschiedens beim direkten Aufeinandertreffen beider Mannschaften mussten sich die Deutschen in Gruppe B mit dem zweiten Platz zufrieden geben und trafen im Viertelfinale auf die Amerikanerinnen. In den vorherigen Spielen hatte Deutschland die Mexikanerinnen zwar mit 6:0 besiegt, war jedoch gegen Italien über ein 1:1 nicht hinausgekommen.

Im vielleicht unterhaltsamsten Spiel des Turniers unterschätzten die Brasilianerinnen das erste afrikanische Team, dem es in der Geschichte der Frauenfussball-WM gelang, das Viertelfinale zu erreichen: Nigeria mit Starspielerin Mercy Akide. Nachdem man zur Halbzeit noch mit 3:0 gegen die Nigerianerinnen geführt hatte, ging das Spiel schließlich noch in die Verlängerung. Nur durch ein Golden Goal von Sissi gelang es Brasilien, dass Spiel mit 4:3 für sich zu entscheiden und ins Halbfinale einzuziehen.

Kanada und Japan eröffneten den Wettbewerb in der Gruppe C mit einem 1:1-Unentschieden. Dann brach Kanada jedoch ein und erlitt zwei empfindliche Niederlagen gegen Norwegen (1:7) und Russland (1:4). Der russischen Mannschaft, die zum ersten Mal an einer Frauenfussball-Weltmeisterschaft teilnahm, gelangen gegen Kanada zwei späte Tore durch Elena Fomina und Olga Karasseva, durch die sich das Team die Viertelfinalteilnahme sicherte. Der Gegner hieß China.

In Gruppe D hatten die Schwedinnen einen Traumstart. Sie erzielten das zweitschnellste Tor in der WM-Geschichte. Nach nur zwei Minuten gelang der Mittelfeldspielerin Kristin Bengtsson mit einer großartigen Einzelleistung der Führungstreffer gegen China. Die chinesische Mannschaft bestätigte jedoch einmal mehr ihren Status als treibende Kraft im Frauenfussball und kippte das Spiel noch zum 2:1-Endstand.

Nach einem 3:1-Sieg gegen Australien traf Schweden zum ersten Mal auf eine afrikanische Mannschaft: Ghana. Die Schwedinnen gewannen zwar mit 2:0, der Sieg musste jedoch teuer bezahlt werden, da sich die ausgezeichnete Abwehrspielerin Hanna Ljungberg eine ernsthafte Verletzung zuzog und somit für die Viertelfinalpartie gegen Norwegen ausfiel.

Im Viertelfinale gegen Norwegen lagen die Schwedinnen zwar in Punkto Ballbesitz vorn, konnten sich jedoch nur wenige Torchancen erarbeiten. Norwegens Ann Kristin Aarønes gewann ein Kopfballduell gegen die schwedische Torhüterin Ulrika Karlsson, und die dominanten Norwegerinnen siegten schließlich mit 3:1. Schweden erzielte in der Nachspielzeit (91. Minute) noch einen Ehrentreffer, der zwar keinen Einfluss mehr auf den Ausgang des Spiels hatte, der Mannschaft jedoch zur Qualifikation für die Olympischen Spiele verhalf. Russland musste stattdessen zu Hause bleiben.

Bei ihrer ersten Teilnahme an einem bedeutenden internationalen Turnier konnten Ghanas "schwarze Königinnen" zunächst mit viel Kampfgeist beeindrucken. In ihrem Auftaktspiel erreichte die Mannschaft ein 1:1-Unentschieden gegen Australien. Drei Tage später wurde Ghanas Abwehr beim 0:7 gegen die Chinesinnen jedoch in Einzelteile zerlegt. Dabei erzielte Sun Wen drei Treffer und ihre Mannschaftskameradin Zhang Ouying zwei. Nach einer 0:2-Niederlage gegen Schweden musste Ghana sich am Ende der Vorrunde in Gruppe D mit einem einzigen Punkt zufrieden geben.

Der amtierende Weltmeister Norwegen brachte erfahrene Spielerinnen mit ins Turnier, darunter auch Mittelfeldspielerin Hege Riise, Torfrau Bente Nordby, die Abwehrspielerinnen Anne Nymark Andersen und Linda Medalen sowie die Stürmerin Ann Kristin Aarønes, die schon 1995 dabei gewesen waren. Nach einem anfänglichen 2:0-Erfolg gegen Russland schlugen die Skandinavierinnen mit einem 7:1-Sieg gegen Kanada Kapital aus ihren zahlreichen Tormöglichkeiten.

Trotz klarer Siege gegen Japan (4:0) und Schweden (3:1) konnten die Norwegerinnen am Ende des Turniers keine Medaille für sich verbuchen. Platz 3 der WM ging an Brasilien. Die Mannschaft gewann das Spiel nach Elfmeterschießen mit 5:4. Es war das erste Spiel in der Geschichte der Weltmeisterschaft, das nach der regulären Spielzeit mit einem torlosen Unentschieden endete.

Die Brasilianerinnen behielten im Elfmeterschießen die Nerven und gewannen schließlich ohne die Hilfe der Starspielerinnen Pretinha und Sissi. (Da das Finale kurze Zeit später stattfand, gab es in diesem Spiel keine Verlängerung.) Pretinhas Schuss ging bei Brasiliens erstem Versuch über das Tor hinweg, und Sissi trat gar nicht erst an. Die Entscheidung brachte schließlich die Mittelfeldspielerin Formiga, die ihren Elfmeter flach in der rechten Torecke versenkte. Die brasilianischen Spielerinnen stürmten anschließend auf sie und Torhüterin Maravilha zu und begruben vor lauter Begeisterung beide unter sich.

Die größte Enttäuschung des Turniers war wohl die dänische Mannschaft, die in der europäischen Qualifikation durchaus überzeugen konnte und dann punktlos wieder nach Hause fuhr. Dasselbe Schicksal ereilte die Mexikanerinnen, die bei ihrem ersten WM-Auftritt einige harte Lektionen lernen mussten. Nordkorea war vor diesem Turnier ein unbeschriebenes Blatt im internationalen Frauenfussball. Dennoch gelang der Mannschaft ein 3:1-Überraschungssieg gegen Dänemark. Auch bei den Niederlagen gegen die Vereinigten Staaten (0:3) und Nigeria (1:2) konnte das Team durchaus überzeugen.

Die besten acht Mannschaften des Wettbewerbs sollten sich für die Olympischen Spiele 2000 qualifizieren. Nachdem Gastgeber Australien auf Platz 11 landete (nach einem 1:1-Unentschieden im Auftaktspiel gegen Ghana und zwei 1:3-Niederlagen gegen Schweden und China), erhielten die besten sieben Viertelfinalteams eine Fahrkarte nach Sydney.