FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015

7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015™

England: Sanderson, Sampson und Sir Alex

England forward Lianne Sanderson looks on
© Getty Images

Wenn Fussballer sich bereits in jungen Jahren von der internationalen Bühne verabschieden, sind die Fans in der Regel überrascht, weil sie nicht verstehen, warum jemand nicht für sein Land spielen möchte. Als die 22-jährige Lianne Sanderson sich im August 2010 aus der englischen Frauen-Nationalmannschaft verabschiedete, sah sie sich häufig mit der Frage konfrontiert, was sie zu diesem Schritt veranlasst habe. Sanderson begründete ihren Rückzug vor allem mit persönlichen Differenzen mit der ehemaligen Nationaltrainerin Hope Powell. Nach dem schwachen Auftritt Englands bei der UEFA Women's EURO 2013 wurde Powell von ihrem Amt entbunden und Sanderson sah eine Chance, ins Nationalteam zurückzukehren, als Mark Sampson im Dezember 2013 zum neuen Trainer ernannt wurde.

Jeder Trainer hat seine eigene Philosophie und Sanderson, die bisher jedes Mal in seinem Kader vertreten war, findet, dass es auf dem Platz und abseits davon entscheidende Verbesserungen gab, seit der Waliser das Amt übernommen hat.

"Man sieht, dass die Mädels Spaß am Training haben, das schlägt sich auch auf dem Spielfeld nieder", fügt sie hinzu. "Nachdem ich nun seit fünf Jahren in Amerika bin, halte ich die Mentalität und Philosophie, die Mark umzusetzen versucht, für eine gute Sache. Er lässt uns Fehler machen. Er lässt uns Erwachsene sein, und das ist meiner Meinung nach wichtig. Die Spielerinnen treten ohne Angst auf. Wir fühlen uns am Ball sicherer. Wir sind kein Team mehr, das mit langen Bällen agiert. Ich will damit nicht sagen, dass das vorher der Fall war, aber jetzt habe ich das Gefühl, dass jeder auf dem Platz spielen kann. Auch als Innenverteidigerin oder rechte Abwehrspielerin musst du technisch gut sein. Jeder kann jederzeit in der Startelf stehen. Dieser Konkurrenzkampf ist meiner Meinung nach wichtig. Das ist jetzt ganz anders. Wir treiben uns gegenseitig dazu an, auf individueller Ebene immer besser zu werden. Mark und sein Team geben uns die besten Möglichkeiten, unser Potenzial voll abzurufen."

Sanderson und ihre Teamkameradinnen werden sich Ende des Monats in Hochform präsentieren müssen, wenn sie bei ihrem ersten Auftritt im Wembley-Stadion erfolgreich sein wollen. Das englische Frauenteam hat seit der Eröffnung der nationalen Spielstätte im Jahr 2007 noch nicht dort gespielt und tritt jetzt in einem Freundschaftsspiel gegen den zweimaligen Weltmeister und Erzrivalen Deutschland an. 55.000 Zuschauer werden die Partie verfolgen, die auch live im Fernsehen übertragen wird. Die ehemalige Starspielerin von Arsenal und Chelsea Ladies spielt das Großereignis jedoch herunter und sieht darin nur einen weiteren Schritt auf dem Weg zur FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ im nächsten Jahr.

"Das wird ein super Test für uns, eine Herausforderung, die wir annehmen werden und die uns weiterbringen wird", so Sanderson. "Unser langfristiges Ziel ist jedoch Kanada. Bei vielem, was wir tun, geht es um die Weltmeisterschaft. Wir arbeiten also nicht unbedingt auf Wembley hin. Ich glaube, jeder weiß, welche Größenordnung dieses Spiel hat. Wir werden antreten, um zu gewinnen und dem Land ein gutes Spiel zu bieten. Langfristiges Ziel ist jedoch Kanada. Dort können Sie eine gut vorbereitete englische Mannschaft erwarten. Wir haben schon mit der Vorbereitung begonnen, bevor wir überhaupt qualifiziert waren. Wir werden uns auf individueller Ebene physisch, mental und technisch bestmöglich in Form bringen - und Mark und sein Team geben uns die besten Chancen, unser Potenzial voll abzurufen."

Sampson wird 32 Jahre alt sein, wenn er England bei der WM in Kanada betreut, etwa 40 Jahre jünger als Sir Alex Ferguson, Sandersons großes Traineridol. Die leidenschaftliche Anhängerin von Manchester United traf vor ein paar Jahren im Emirates Stadium mit dem gefeierten Schotten zusammen und hatte ein Erlebnis, das ihr immer in Erinnerung bleiben wird.

"Ich sah ihn im Raum und weiß noch, dass ich dachte: 'Ich muss unbedingt mit ihm sprechen'. Allerdings musste ich den richtigen Augenblick abwarten", so die 26-Jährige rückblickend. "Ich wollte ihn nicht unterbrechen oder unhöflich sein. Wenn sich kein geeigneter Augenblick ergeben hätte, wäre es auch in Ordnung gewesen. Ich hätte mich auch darüber gefreut, ihn einfach nur zu sehen, aber dann kam er auf mich zu, als ich gerade auf dem Weg zur Toilette war und ich sagte: 'Sir Alex, ich hoffe, ich störe Sie nicht, aber ich wollte Sie nur kurz begrüßen.' Er war super. Wir haben uns dann bestimmt drei bis fünf Minuten lang unterhalten. Das mag einem nicht viel erscheinen, aber wir haben ein richtiges Gespräch geführt und er hat sich wirklich für meine Fussballkarriere interessiert."

"Sir Alex Ferguson ist für mich Manchester United in Person. Ihn zu treffen und mit ihm zu sprechen war abseits des Spielfelds wahrscheinlich einer der schönsten Momente meiner Karriere. Es war unglaublich. Nach dem Gespräch musste ich auf der Toilette erst einmal einen Moment allein sein und mich wieder beruhigen. Ich habe in den Spiegel geschaut und mich gefragt: 'Ist das eben wirklich passiert?'"

Sir Alex wurde beim FIFA Ballon d'Or 2011 für seine Verdienste im Fussball mit dem FIFA Presidential Award ausgezeichnet, und Sanderson wird die Veranstaltung des Jahres 2014 aufmerksam verfolgen. Das gilt natürlich ganz besonders, falls mit Verónica Boquete eine ehemalige Teamkameradin den Sprung unter die letzten Drei schaffen sollte. Die spanische offensive Mittelfeldspielerin, die auf Vereinsebene derzeit beim 1. FFC Frankfurt aktiv ist, hat die zehn Spielerinnen umfassende Vorauswahl erreicht, die sich am 1. Dezember auf drei Akteurinnen reduzieren wird. Sanderson ist der Ansicht, dass Boquete es auf jeden Fall verdient hat, zu der glanzvollen Veranstaltung nach Zürich zu reisen.

"Ich würde sie zu den besten drei Spielerinnen der Welt zählen, nachdem ich gegen sie gespielt habe und in Philadelphia ihre Mannschaftskameradin war", meint sie. "Für eine Spielerin, die nicht für eine der traditionell starken Nationalmannschaften spielt, ist sie hervorragend. Ich weiß, dass Spanien sich für die WM qualifiziert hat, aber Vero war im Verein und in der Nationalmannschaft auch vorher schon super. Jetzt bekommt sie endlich die Anerkennung, die sie verdient hat."

Mehr zu diesem Thema erfahren

Empfohlene Artikel

England forward Lianne Sanderson (l) celebrates after scoring against Wales

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015™

England in Kanada dabei

21 Aug 2014

Frauen-Schiedsrichter bereiten sich auf Kanada vor

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015™

Frauen-Schiedsrichter bereiten sich auf Kanada vor

05 Nov 2014