FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015

7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015™

England kostet den Erfolg aus

Steph Houghton and Ellen White of England
© Getty Images

Nur wenige Sportarten können für derartige Höhen und Tiefen sorgen wie der Fussball. Diese Aussage werden insbesondere die 23 englischen Spielerinnen im Kader von Kanada 2015 mit Sicherheit sofort unterschreiben. Am Mittwoch musste England einen herzzerreißenden Tiefschlag verkraften, als der Traum vom Einzug ins Finale nach einem überaus unglücklichen Eigentor in der vorletzten Minute der Partie jäh zerplatzte. Pechvogel Laura Bassett, die den Ball ins eigene Tor befördert hatte, verließ den Platz unter Tränen und verbarg ihr Gesicht später in einem Handtuch, als sie zum Mannschaftsbus trottete.

Nur drei Tage später hingegen war die Freude auf Seiten der Engländerinnen nach dem knappen 1:0-Sieg in der Verlängerung gegen Deutschland mit den Händen greifbar. Die Three Lionesses hatten den Erzrivalen Deutschland besiegt – erstmals überhaupt im 21. Aufeinandertreffen – und sich damit die Bronzemedaille bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015™ gesichert. Dieses Mal tanzten die englischen Akteurinnen eine Ehrenrunde durch das Commonwealth Stadium in Edmonton und genossen jede Sekunde.

Sinnbildlich für das entschlossene und engagierte Auftreten der Engländerinnen war Spielführerin Steph Houghton, die während der Partie zahlreiche gegnerische Vorstöße abfing und ein Mal sogar auf der Linie klärte. Wie die Spielführerin erklärt, war es für die Spielerinnen gleichermaßen eine mentale wie physische Herausforderung, die Riesenenttäuschung des verlorenen Halbfinals zu überwinden. "Ich werde nicht lügen: Die letzten Tage waren sehr hart", so Houghton nach dem Spiel gegenüber FIFA.com.

"Wir mussten als Gruppe zusammenhalten und genau das haben wir ja auch während des gesamten Turniers gemacht. Ich meine, wir haben diese Medaille verdient. Gegen Deutschland ist es alles andere als leicht, schließlich sind die Deutschen amtierender Europameister. Ich empfinde großen Respekt für das Team. Heute haben wir eine englische Mannschaft mit viel Charakter und enormem Willen erlebt."

"Natürlich waren wir nach dem Halbfinale sehr enttäuscht, schließlich waren wir ganz knapp dran am Einzug ins WM-Finale. Wir wussten, dass es ein harter Kampf werden würde, aber wir wussten auch, dass wir die Chance auf den Gewinn einer Medaille hatten."

*Stärke und Courage
*
Niemand zeigte mehr mentale Stärke als Bassett, Houghtons Partnerin in der Innenverteidigung, die trotz der schweren letzten Tage von Beginn an spielte. "Sie hat mit ihrer Leistung gezeigt, wie professionell sie ist und wie viel ihr dies bedeutet", so Houghton über Bassett. "Ich war die Erste, die nach dem Schlusspfiff zu ihr rübergelaufen ist und sie umarmt hat. Denn wir haben gemeinsam eine ganze Menge durchgestanden. Es war fabelhaft, mit ihr gemeinsam hier hinten drin zu spielen."

Die Leistung dieses englischen Teams bei der WM 2015 in Kanada ist ein entscheidender Moment für den Frauenfussball in England. Bislang war das beste Abschneiden der Engländerinnen die Runde der letzten Acht gewesen – und das bei einem Starterfeld mit nur 16 Teams. Die Wandlung des Teams in den letzten Jahren unter dem neuen Trainer Mark Sampson ist in jeder Hinsicht bemerkenswert. Vor gerade einmal zwei Jahren waren die Engländerinnen bei der UEFA Europameisterschaft der Frauen ohne einen einzigen Sieg ausgeschieden. Doch im vergangenen Monat erholte sich das Team von einer eher dürftigen Auftaktniederlage gegen Frankreich und holte danach fünf Siege in Folge, darunter auch gegen Ex-Weltmeister Norwegen und Gastgeber Kanada.

Houghton hofft, dass die Leistungen des Teams dem Frauenfussball in England zusätzlichen Schwung verleihen. "Hoffentlich haben wir das ganze Land inspiriert", so die Verteidigerin von Manchester City. "Wenn wir zurückkommen, wird das, was wir erreicht haben, hoffentlich ins Bewusstsein eindringen.

Im Hinterkopf hatten wir stets den Wunsch, junge Mädchen und Jungs zu inspirieren, Fussball zu spielen. Ich denke, das ist uns gelungen. Die Unterstützung in der Heimat war einfach fantastisch. Hoffentlich genießen die Leute in England den englischen Fussball nun wieder um so mehr. Das wäre gut für uns alle."

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