FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019™

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019™

7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-WM 2019™

Ein Trainer als Bindeglied zwischen Brasilien und Jamaika

Coach Rene Simoes of Atletico-GO during a match
© Getty Images
  • René Simões zieht Parallelen zwischen der jamaikanischen Männerauswahl von 1998 und der brasilianischen Frauenauswahl von 2004
  • In Jamaika noch immer hochgeschätzt, sieht er das Auftaktspiel Brasiliens als Herausforderung
    Die beiden Länder stehen sich in der ersten Runde der WM 2019 gegenüber

Von Giancarlo Giampietro, Teamreporter Brasilien

Wir befinden uns in Frankreich, in dem Land, in dem Jamaika zum ersten Mal bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ angetreten ist – im Männerfussball wohlgemerkt.

Jetzt wollen wir allerdings über den Frauenfussball berichten, denn darum geht es in diesem Beitrag. Da kommt uns das Olympische Fussballturnier der Frauen 2004 in Athen in den Sinn, bei dem die brasilianische Seleção zum ersten Mal im Finale stand und sich die Silbermedaille sicherte.

Nun fragen Sie sich sicher, was die eine Geschichte mit der anderen zu tun hat, oder? Ganz einfach: Es gibt ein Bindeglied zwischen dem karibischen Männerteam und der brasilianischen Frauenauswahl. Dieses Bindeglied ist René Simões, der Trainer, der bei den beiden historischen Turnierauftritten auf der Trainerbank saß.

Im Gespräch über das Auftaktspiel Brasiliens und Jamaikas zur FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019™ in Gruppe C, geht Simões von einem interessanten Standpunkt aus. Er erklärt gegenüber FIFA.com, dass es zwischen den beiden Teams, die er so erfolgreich geleitet hat, viel mehr Gemeinsamkeiten gab als allgemein angenommen.

“In Jamaika war der Fussball für viele eine Randsportart. Er stand beispielsweise bei Unternehmern nicht auf der Prioritätenliste für Investitionen. In Brasilien gibt es derweil noch heute einige Amtsträger, die behaupten, der Fussball sei kein Sport für Frauen. Damals war das die vorherrschende Ansicht."

Simões

So war sowohl beim Aufbau der jamaikanischen Männermannschaft von 1998 also auch beim olympischen Silbermedaillengewinner von 2004 reichlich komplexe Pionierarbeit erforderlich. Mit einer taktischen und technischen Ausrichtung war es nicht getan. Nachdem die Teams zusammengestellt waren, spielte der mentale Aspekt eine mindestens ebenso wichtige Rolle.

So wandte er mehrere Strategien an, um das Selbstbewusstsein der Brasilianerinnen zu stärken. Beispielsweise gab er jeder Spielerin im Kader einen Tennisball. Nun sollten sie sich vorstellen, das Objekt sei die Medaille, die sie gewinnen können (und am Ende gewonnen haben). Auch dies war Aufbauarbeit im weiteren Sinne.

Neues Debüt für Jamaika

Versuchen Sie sich vor diesem Hintergrund einmal vorzustellen, wie das Szenario im jamaikanischen Frauenfussball Ende der 1990er Jahre ausgesehen haben mag, wenn die Organisation selbst im Männerfussball noch in den Kinderschuhen steckte. Unsere Kollegin Kayon Davis, ehemalige Spielerin und die Expertin, die die Reggae Girlz bei der WM in Frankreich begleitet, kann ein Lied davon singen.

Die Situation hat sich jedoch verändert, und die Jamaikanerinnen sind bereit für ihr Debüt auf der Weltbühne. "Ich habe immer geglaubt, dass Jamaika im Sport alles schaffen kann. Ich freue mich sehr darüber, dass die Frauen sich für die WM qualifiziert haben", meint der Brasilianer, der in dem Karibikstaat noch immer hohes Ansehen genießt.

Laut Simões steht die Seleção im Auftaktspiel vor einer Herausforderung. "Jamaika hat ein sehr athletisches, physisch starkes Team, und ein Großteil der Spielerinnen hat das Fussballspielen in Nordamerika gelernt. Die Jamaikanerinnen hatten in der Vorrunde keine einfache Mission, und trotzdem haben sie es geschafft, sich zu qualifizieren. Allerdings ist Brasilien noch immer ein Aushängeschild, auch wenn die Ergebnisse in letzter Zeit nicht so gut waren."

Der Trainer wird die Partie zu Hause in Rio de Janeiro verfolgen. FIFA.com hat ihn nicht gefragt, wem er die Daumen drückt. Vielleicht hofft er ja insgeheim darauf, dass nach 90 Minuten in gewisser Weise alle Spielerinnen Siegerinnen sind. Auf und neben dem Platz.

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