FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011 ™

7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011™

Deutschlands großer Traum ist geplatzt

© Getty Images

*ZUSAMMENFASSUNG DES TAGES - *Meistens liegen Freude und Frust ganz nahe beieinander. So auch an diesem ersten Viertelfinalspieltag bei der FIFA Frauen-WM 2011, der  gleich in mehrerer Hinsicht unvergessen bleiben wird. Während Gastgeber, Titelverteidiger und Topfavorit Deutschland erstmals seit zwölf Jahren wieder ein Spiel bei dieser Turnierserie verlor - damals ebenfalls in der Runde der letzten Acht mit 2:3 gegen die USA - und damit der Traum von mehr als 80 Millionen Menschen im eigenen Land auf den dritten Titelgewinn in Folge platzte, rechnete Frankreich mit der jüngeren Vergangenheit ab.

Die Bleues besiegten auf den Tag genau fünf Jahre nach dem im Elfmeterschießen gegen Italien verloren gegangenen Finale der FIFA WM 2006 - ebenfalls in Deutschland - England im dramatischen Duell zwischen Schützin und Keeperin, um erstmals überhaupt in die Runde der letzten Vier einzuziehen. Der Sieg der Französinnen war zugleich ein weiterer Beweis dafür, dass der Nervenkitzel des Elfmeterschießens bei Engländern nicht wirklich große Freude auslöst.

Die Fans in Leverkusen wurden Zeuge des überhaupt erst vierten Elfmeterschießens in der Geschichte dieser Turnierserie. Ausgerechnet der ältesten Akteurin im englischen Kader, Spielführerin Faye White, versagten im entscheidenden Moment die Nerven, als sie den fünften Schuss ihres Teams im Duell aus elf Metern an die Oberlatte hämmerte, um die Bleues jubeln zu lassen, ohne selbst ein einziges WM-Spiel nach regulärer Spielzeit verloren zu haben. Allerdings muss Frankreichs Erfolg als verdient betrachtet werden, denn man dominierte die Partie, obwohl erst in der 88. Minute der Führungstreffer von Jill Scott durch Elise Bussaglia ausgleichen werden konnte.

In Wolfsburg spielte das deutsche Team über die gesamte Spieldauer deutlich überlegen, schaffte es aber schlichtweg nicht, ein Tor zu schießen. In der Verlängerung zeigte die eingewechselte Japanerin Karina Marayuma, wie man es besser macht, als sie durch einen tödlichen Pass von Homare Sawa in Szene gesetzt wurde, eiskalt zum Siegtreffer einnetzte und das weite Rund zum Verstummen brachte.

Durch das Ausscheiden von Deutschland ist WM-Halbfinalist Frankreich zudem für das Olympische Fussballturnier der Frauen 2012 in London qualifiziert, da aus Europa ansonsten nur noch Schweden die Runde der letzten Vier erreichen kann. England ist als Gastgeber automatisch startberechtigt.

*Die Ergebnisse
*
England - Frankreich 1:1 n.V. (1:1, 0:0) 3:4 i.E.
Deutschland - Japan 0:1 n.V.

Das Tor des Tages
England -  Frankreich, Elise Bussaglia (88.)
*Mehr Dramatik geht nicht. Nachdem die *Bleues
29 Minuten lang mit entschlossener Offensivkraft einem 0:1-Rückstand hinterhergelaufen waren, fasste sich Bussaglia ein Herz und versenkte das Leder aus vollem Lauf kurz vor der Strafraumgrenze mit der Innenseite ihres linken Fußes gewollt und gekonnt genau im Winkel. Das Traumtor der 25-Jährigen aus der nordfranzösischen Region Champagne-Ardenne traf die kämpfenden Engländerinnen ins Herz und sorgte damit für den Wendepunkt, der ihrem Team am Ende erlaubte, die Korken knallen zu lassen.

Die unvergessenen Momente
*
Das doppelte Geduldsspiel
*Zwei Mal an einem Tag nicht nur über die vollen 90 Minuten, sondern auch jeweils noch mit dem Bonus der Verlängerung: Bei diesem von überwältigender Begeisterung begleiteten Turnier der Extraklasse konnte es am ersten Tag der K.o.-Phase ja eigentlich gar nicht anders kommen. Allerdings hatte die Geschichte der FIFA Frauen-WM schon einmal ein vergleichbares Szenario. Und ebenfalls bei einer Auflage, die Rekorde sprengte: Die Endrunde 1999 in den USA präsentierte einen Finaltag, an dem sowohl das von Brasilien gewonnene Spiel um Platz drei als auch das von den Gastgeberinnen vor 90.185 Zuschauern im Rose Bowl von Pasadena für sich entschiedene Endspiel ins Elfmeterschießen ging. Ein gutes Omen für den restlichen Verlauf dieses globalen Kräftemessens in Deutschland, auch wenn der Gastgeber nicht mehr im Rennen ist.

*Nichts geht über "Tea Time"
*Wer glaubt, dass Anspannung, Stress und Hektik der Begleiter eines jeden Fussball-Teams auf dem Weg zum nächsten großen Auftritt ist, liegt völlig falsch. Als die Engländerinnen an diesem Nachmittag gegen 17 Uhr mit ihrem Mannschaftsbus an der Leverkusener Arena vorfuhren, ließen es sich Trainerin Hope Powell und ihre Betreuer-Crew nicht nehmen, ganz im Stile der heimischen Tradition erst einmal eine Tasse Tee zu sich zu nehmen. Recht hatten sie, schließlich war es auf der Insel gerade 16 Uhr, die klassische "Tea Time". Und davon abgesehen: Stressig und hektisch wurde es in den nächsten Stunden für sie ohnehin genug.

*Die Zahl des Tages
*
600 - Jill Scotts sehenswerter Führungstreffer in Leverkusen geht in die Geschichtsbücher ein. Die 24-Jährige markierte damit das 600. Tor in der Historie der FIFA Frauen-Weltmeisterschaften™. Gefeiert hat die 1,80 Meter große Mittelfeldspielerin diesen Meilenstein allerdings ganz sicher nicht, schließlich reichte es am Ende für England dennoch nicht zum Einzug in die Runde der letzten Vier.

Das Zitat des Tages
*"Unser Problem war, dass wir keine Tore schießen konnten, denn die Engländerinnen rannten und verteidigten um ihr Leben. Aber ich bin natürlich sehr froh, dass wir noch gewinnen konnten, obwohl wir sowohl in der regulären Spielzeit bis kurz vor dem Schlusspfiff als auch im Elfmeterschießen einem Rückstand hinterherlaufen mussten."
*
Bruno Bini (Trainer, Frankreich)**

So geht es weiter
*
Sonntag, 10. Juli
*Schweden - Australien, Augsburg, 13:00 Uhr (Ortszeit)
Brasilien - USA, Dresden, 17:30 Uhr (Ortszeit)

*Ihre Meinung zählt
*
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