FIFA Frauen-Weltmeisterschaft China 2007 ™

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft China 2007 ™

7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2007™

Deutschland verteidigt den WM-Titel

Der alte und neue Weltmeister heißt Deutschland. Das Ensemble von Bundestrainerin Silvia Neid hat das Finale der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft China 2007 am Sonntagabend in Shanghai mit 2:0 gegen Brasilien gewonnen und damit als erstes Frauen-Team überhaupt den Titel verteidigen können. Die dreifache FIFA-Weltfussballerin des Jahres, Birgit Prinz, sowie Jungstar Simone Laudehr sorgten mit ihren Treffern in der zweiten Hälfte dafür, dass sich die deutschen Frauen auch für die nächsten vier Jahre auf dem Thron befinden werden.

31.000 begeisterte Zuschauer im restlos ausverkauften Shanghai-Hongkou-Fussballstadion sahen eine Partie, die von der ersten Minute an keinen Zweifel ließ, dass sich hier die beiden absolut herausragenden Teams dieses Turniers gegenüberstehen würden. Äußerst zweikampfbetont, aber dennoch auf einem taktischen und technischen Topniveau spielend, ließen sich die Deutschen und die Brasilianerinnen auf dem Rasen kaum einen Meter Platz, um zur Entfaltung zu kommen. Dennoch konnten sich die Ballzauberinnen vom Zuckerhut mit zunehmender Spieldauer Feldvorteile verschaffen.

Die aktuelle FIFA-Weltfussballerin des Jahres, Marta, ließ im ersten Spielabschnitt mehrfach ihre Extraklasse aufblitzen, als sie immer wieder vom rechten Flügel aus kommend intuitiv ins Zentrum zog, das Tempo verschärfte und dank ihres starken linken Fußes entweder per Distanzschuss oder mit Soloeinlagen in den gegnerischen Strafraum eindringend den Torerfolg suchte. Deutschlands Keeperin Nadine Angerer konnte Martas Abschlüsse jedoch ebenso sicher parieren wie einen fulminanten 25-Meter-Kracher der äußerst laufstarken Formiga. Gegen Daniela hätte Angerer jedoch das Nachsehen gehabt, als die brasilianische Mittelfeldakteurin in der 24. Minute erst per Volley-Direktabnahme mit links den Innenpfosten traf, um dann aus kürzester Distanz über den Querbalken zu köpfen.

Im sicheren Bewusstsein, in Eins-gegen-Eins-Situationen gegen die Südamerikanerinnen ohnehin unterlegen zu sein, zielte das Team von Bundestrainerin Silvia Neid vor allem darauf ab, die Räume eng zu machen, um über dynamisch vorgetragene Konter gefährlich zu werden. In der Tat, wäre diese Rechnung zweimal fast aufgegangen. In der fünften Minute setzte die äußerst bemühte Melanie Behringer mit einem präzisen Diagonalpass Kerstin Garefrekes in Szene, ehe in Minute 14 eine sehenswerte Kombination über Simone Laudehr und Birgit Prinz bei Sandra Smisek landete - in beiden Fällen setzten die überhastet wirkenden deutschen Stürmerinnen das Leder aber alleine vor Brasiliens Torfrau Andreia auftauchend am Gehäuse vorbei.

Nach dem Seitenwechsel schien sich der Titelverteidiger jedoch nicht mehr nur mit dem Reagieren zufrieden zu geben. Die deutschen Frauen nahmen das Heft fortan selbst in die Hand und wurden für ihren Mut prompt belohnt. Zunächst setzte Behringer einen Volleyschuss aus kurzer Distanz noch über das Tor, doch in der 52. Minute war es das gefürchtete Frankfurter Sturmduo Smisek und Prinz, das in Co-Produktion für die Führung sorgte: Die kleine, wendige Smisek ließ mit einer Körpertäuschung im gegnerischen Strafraum zunächst ihre Gegenspielerin aussteigen, um dann auf die heranstürmende Prinz abzulegen, die den Ball überlegt aus zehn Metern ins gegnerische Netz setzte.

Nur Momente später hätte die erst 22-jährige Annike Krahn alles klar machen können. Nach einem Eckball köpfte sie jedoch um Zentimeter am Tor vorbei. Stattdessen sollte die Dramatik in Shanghai ins Unermessliche steigen: Nach 64 Minuten drang Cristiane in den deutschen Strafraum ein und konnte von Linda Bresonik nur noch per Foul gestoppt werden. Den anschließenden Elfmeter von Marta konnte die schier unglaubliche Angerer jedoch durch rasches Abtauchen ins rechte untere Eck in Weltklassemanier parieren. Es war die gleiche Torfrau, die drei Minuten später zudem einen Freistoß von Daniela aus dem Winkel holte, um just in dieser Sekunde den Rekord von Walter Zenga einzustellen bzw. 60 Sekunden später gar zu brechen. Niemals zuvor hat bei einer Weltmeisterschaft jemand so lange kein Tor kassiert wie die 28 Jahre alte Angerer.

In der Schlussphase machten die starken Brasilianerinnen noch mal mächtig Druck und wollten den Ausgleich erzwingen. Doch die phänomenale Defensive um Abwehrchefin Ariane Hingst blieb standhaft und schaffte das Kunststück, eine gesamte WM lang ohne Gegentor zu bleiben. Gejubelt wurde stattdessen auf der anderen Seite: In der 86. Minute setzte Renate Lingor einen Eckball genau auf die höher als die gesamte Abwehr Brasiliens springende Laudehr, die in unwiderstehlicher Manier zur 2:0-Entscheidung einköpfte und Deutschland endgültig die Titelverteidigung feiern ließ.

Spielerin des Spiels: Nadine Angerer (Deutschland)

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