FIFA Frauen-Weltmeisterschaft China 2007 ™

10 September - 30 September

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2007™

Deutschland setzt neue Maßstäbe

© AFP

Dank ihres abgebrühten 2:0-Sieges über eine starke brasilianische Nationalauswahl, die auf dem Weg ins Turnierfinale allenthalben Glanz verbreitet hatte, verteidigten die deutschen Fussballfrauen erfolgreich ihren Weltmeistertitel und zementierten ihren Ruf als Weltmacht des Frauenfussballs. Die stets mit bemerkenswerter Konstanz auftretenden Deutschen sind somit das erste Team in der Geschichte, das zwei Mal in Folge die Weltmeistertrophäe in die Höhe recken durfte, wobei dies nur einer von mehreren Rekorden der Champions von China 2007 war.

Das diesjährige Finale zwischen Deutschland und Brasilien war das erste Frauen-WM-Endspiel, das zwischen einem europäischen und einem südamerikanischem Land ausgetragen wurde. Die UEFA-Vertreterinnen aus Deutschland kassierten in den fünf ersten Spielen des Turniers kein einziges Gegentor und gingen mit einem Defensivrekord ins Finale. Dort erwartete sie ein angriffslustiges Brasilien, das auf dem Weg ins alles entscheidende Match 17 Tore erzielt hatte, unter anderem vier im Halbfinale gegen einen weiteren Titelaspiranten, die USA.

Ein enges und hart umkämpftes Spiel zwischen einem soliden Abwehrbollwerk und inspiriertem Angriffswirbel endete mit einem Sieg für die Titelverteidigerinnen. Unter der Leitung von Nationaltrainerin Silvia Neid gelang es der physisch starken und gut organisierten deutschen Mannschaft mustergültig, die Asse von Jorge Barcellos auszuschalten. Vor allem die quirlige Stürmerin Marta, Dreh- und Angelpunkt des brasilianischen Spiels, wurde konsequent abgeschirmt und konnte nicht ein Mal ungestört aufs Tor schießen oder effektiv mit ihren Mitspielerinnen kombinieren. Der Treffer von Birgit Prinz in der 52. Minute versetzte den Herausforderinnen einen entscheidenden Dämpfer, die von da an immer stärker unter Druck gerieten. Zwölf Minuten nach diesem Tor bot sich den Südamerikanerinnen dann eine Möglichkeit, ins Spiel zurückzukommen, als ihnen ein Elfmeter zugesprochen wurde. Doch der Strafstoß der 21-jährigen Marta wurde pariert. Stattdessen erzielte Simone Laudehr in der 86. Minute den entscheidenden zweiten Treffer für den amtierenden Weltmeister und machte die letzten Hoffnungen der Gegnerinnen auf ein Unentschieden in der regulären Spielzeit zunichte.

Deutschland setzte eine neue Turnierbestmarke und eroberte den Weltmeistertitel ohne ein einziges Gegentor in sechs Spielen. Eine Leistung, die vor allem der Effizienz eines Verteidigungsverbundes unter der Führung von Nadine Angerer zu verdanken war. Mit mehreren herausragenden Leistungen brach die deutsche Torhüterin einen Rekord aus dem Jahre 1990, als Italiens Walter Zenga bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ im eigenen Land 517 Minuten lang ohne Gegentor blieb.

Am anderen Ende des Feldes wurde durch die Gewinnerin des Silbernen Balls von adidas, Birgit Prinz, ein weiterer Rekord aufgestellt. Deutschlands Toptorjägerin, die im Halbfinale gegen Norwegen mit einer herausragenden Leistung glänzte, war als erste Frau bei drei WM-Endspielen dabei. Die dreifache FIFA-Weltfussballerin des Jahres führte ihr Team bereits im Jahre 2003 zum entscheidenden Finalsieg gegen Schweden. Im Endspiel der Auflage von 1995 verlor sie mit den DFB-Damen gegen Norwegen. Mit ihrer konstanten Abschlussstärke und der Fähigkeit, in wichtigen Spielen die entscheidenden Tore zu schießen, ist die 29-jährige Torjägerin zu einem leuchtenden Vorbild für die vielen jungen Stars geworden, die im Laufe des Turniers am Fussballhimmel aufgingen.

**Brasilien untermauert guten Ruf

** Einer der Höhepunkte der diesjährigen FIFA Frauen-Weltmeisterschaft war zweifellos der von der "Magierin" Marta inspirierte Offensivzauber der brasilianischen Nationalauswahl. Die FIFA-Weltfussballerin des Jahres 2006 verblüffte die Zuschauer immer wieder aufs Neue mit ihren Dribbelkünsten und erhielt am Ende sowohl den Goldenen Schuh als auch den Goldenen Ball von adidas.

Vermutlich kostete sie ihre Unerfahrenheit den Finalsieg, aber die Brasilianerinnen eroberten mit ihrer unterhaltsamen Spielweise die Herzen von Zuschauern und Experten. Sie wurden von den FIFA.com-Usern mit 42,12 % der Stimmen zum unterhaltsamsten Team des Turniers gewählt und lagen damit weit vor den Deutschen, die nur 18 % der Stimmen auf sich vereinigen konnten. Obwohl die Brasilianerinnen das Finale gegen die Titelverteidigerinnen verloren, gibt die Spielstatistik ein beredtes Zeugnis ihrer Offensivqualitäten: 57 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse und fünf Eckbälle.

Zwar konnten die starken Australierinnen im Viertelfinale einen Zwei-Tore-Vorsprung Brasiliens zunächst noch egalisieren, dann aber erzielte Cristiane in der 75. Minute mit einem fulminanten Fernschuss doch noch den Siegtreffer. Damit war der Weg ins Halbfinale gegen die USA frei. Dort demonstrierten die Auriverde ihr vernichtendes Angriffspotenzial mit einem klaren 4:0-Sieg, erreichten zum ersten Mal überhaupt das Finale einer FIFA Frauen-Weltmeisterschaft und fügten dem hohen Turnierfavoriten die höchste Niederlage seiner Geschichte zu. Martas zweites Tor in diesem Spiel, bei dem sie zunächst eine Verteidigerin raffiniert austrickste und dann einen platzierten Torschuss setzte, wurde zum am häufigsten wiederholten Höhepunkt des Turniers.

**AFC-Stars nervenstark

** Angesichts der starken Vorstellungen von Teams wie der DVR Korea, Australien und England kann konstatiert werden, dass die Qualität der 16 Teilnehmer des diesjährigen Turniers ausgeglichener war denn je.

Vor allem die vier Vertreter aus Asien haben bewiesen, dass sie über die mentale Stärke verfügen, neben den Besten der Welt zu bestehen. Sei es nun die DVR Korea, die nach anfänglichem Rückstand mit großem Kampfgeist ein 2:2 gegen die USA erreichte, oder Japan mit dem Ausgleichstreffer in der letzten Minute gegen England: die Vertreter des AFC haben bewiesen, dass sie gute Ergebnisse erzielen können, auch wenn sie einmal ins Hintertreffen geraten. Dann waren da noch die Australierinnen, die sich erst in der Nachspielzeit ihres letzten Gruppenspiels gegen Kanada die Qualifikation für das Viertelfinale sicherten. Dort jagten die Matildas auch Brasilien einen gehörigen Schrecken ein, bevor Cristiane mit ihrem späten Siegtreffer ihre Träume beendete. Obwohl sie das Halbfinale nicht erreichten, hinterließen das temporeiche Passspiel und der unglaubliche Kampfgeist der Australierinnen einen bleibenden Eindruck bei den Fans.

Trotz der Enttäuschung im Halbfinale, als ihr Traum vom zweiten Weltmeistertitel platzte, sicherten sich die USA noch den dritten Platz auf dem Siegertreppchen. Stürmerlegende Kristine Lilly war die einzige Frau, die an allen fünf FIFA Frauen-Weltmeisterschaften teilgenommen hat, und Topstürmerin Abby Wambach erhielt den Silbernen Schuh von adidas. Ihre nordamerikanischen Nachbarn aus Kanada hingegen scheiterten knapp in der Gruppenphase, nachdem sie gegen Australien in der Nachspielzeit noch das Ausgleichstor kassierten. Der Treffer war ein harter Schlag für die Kanadierinnen und markierte den Höhepunkt eines äußerst engen und ausgeglichenen Spiels, dessen Ausgang wohl kaum jemand vorherzusagen gewagt hätte.

**Teilnehmer:

** Argentinien, Australien, Brasilien, Kanada, Deutschland, China VR, Dänemark, England, Ghana, Korea DVR, Japan, Nigeria, Norwegen, Neuseeland, Schweden, USA

**Abschlusstabelle:

** 1. Deutschland

  1. Brasilien

  2. USA

  3. Norwegen

Austragungsorte und Stadien:
Hongkou-Fussballstadion (Shanghai), Olympic-Center-Stadion (Tianjin), Sports-Center-Stadion (Chengdu), Dragon-Stadiom (Hangzhou), Sports-Center-Stadion (Wuhan)

**Zahl der Tore:

** 111 (Durchschnitt pro Spiel: 3,47)

**Beste Torschützinnen:

** 7 Tore: Marta (Brasilien)

6 Tore: Abby Wambach (USA)

6 Tore: Ragnhild Gulbrandsen (Norwegen)

Gesamtzuschauerzahl:
1.190.971

Durchschnittliche Zuschauerzahl:
37.218

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