FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011 ™

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7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011™

Delie: "Jetzt wollen wir auch den Titel"

Marie-Laure Delie of France runs with the ball
© Getty Images

Marie-Laure Delie zählt zu den wichtigsten Offensivkräften im französischen Team, das bei der FIFA Frauen-WM 2011 das Halbfinale erreicht hat. Die bevorstehende Partie gegen die USA geht die Torjägerin in dem Bewusstsein an, nahezu jedes Mal, wenn sie im Nationaltrikot aufläuft, auch zu treffen.

Den Fans sowie eingefleischten Statistikern war es sicher nicht entgangen, dass die Angreiferin der Bleues vor dem Viertelfinalspiel gegen England mit 23 Treffern in ebenso vielen Länderspieleinsätzen auf eine ganz besondere Bilanz verweisen konnte. Einige setzten sogar noch eins drauf und erinnerten daran, dass die Zahl 23 auch ihrem aktuellen Alter entspricht und dass sie exakt am 23. September 2009 ihr Nationalmannschaftsdebüt gegeben hatte.

*Leistung und Motivation *
Die Betroffene selbst scheint sich mit derlei symbolischen Zahlenspielen nicht allzu lange zu beschäftigen. "An diese Dinge denke ich nur manchmal, im Moment konzentriere ich mich lieber darauf, auf dem Platz mein Bestes zu geben." Nachdem wir ihr bescheinigt hatten, dass ihre Leistung  sowohl auf nationaler Ebene als auch im internationalen Maßstab höchste Anerkennung verdient, lautete ihre Antwort so: "Das französische Nationaltrikot beflügelt und motiviert mich bis in die Haarspitzen! In der heimischen Liga kennt man sich inzwischen so gut, dass unsere Gegner genau wissen, wie sie gegen uns spielen müssen. Da gibt es Mannschaften, die mit zehn Spielerinnen verteidigen und uns förmlich auf den Füßen stehen. Hier dagegen haben wir die Chance, auch mal für die eine oder andere Überraschung zu sorgen. Dieses Gefühl habe ich von Anfang an gehabt, seit ich im Nationalteam spiele", so die Stürmerin von HSC Montpellier.

Und nach einer kleinen Pause fügte Delie hinzu: "Richtig ist auch, dass es mir diese Saison im Klub an Selbstvertrauen mangelte und ich einfach zu wenig Tore geschossen habe", so der bescheidene Rückblick der Angreiferin auf die vergangene Saison, in der sie in 21 Pflichtspielen immerhin 14 Treffer für ihr Team erzielte. Was indes ihre Leistung in der Nationalmannschaft anbelangt, so sind ihr derlei Zweifel offensichtlich noch nie in den Sinn gekommen. In diesem Team fühlte ich mich von Beginn an wohl. Das war selbst dann der Fall, als ich nicht in der Stammformation gespielt habe. Denn ich wusste ja, dass ich das Vertrauen des Trainers hatte."

Und die Geduld hat sich ausgezahlt. Davon zeugt nicht zuletzt die Einschätzung ihres Trainers Bruno Bini. "Marie-Laure ist beim Turnier in Zypern regelrecht explodiert, indem sie Tore wie am Fließband produzierte. Eine Stürmerin erlebt häufig Glanzzeiten wie diese, die jeweils mehr oder weniger lange anhalten. Bei einem Spielertypen wie Jean-Pierre Papin waren es sogar vier Jahre, und bei Marie-Laure sind es mittlerweile auch schon drei Monate. Sämtliche Bälle, die zuvor an den Pfosten prallten oder am Tor vorbei gingen, landen jetzt im Netz. Sie hat intensiv und hart dafür gearbeitet, deshalb ist es nur gerecht, dass sie dafür auch belohnt wird."

Geschichte für ihr Land schreiben
In ihrer Jugend war Papin übrigens nicht das Idol von Marie-Laure. "Als ich mit dem Fussballspielen begann, habe ich in einer gemischten Mannschaft mit den Jungs gespielt. Damals war der Brasilianer Ronaldo mein Vorbild", erinnert sie sich. "Ich habe mir Videokassetten gekauft und mir die Aufnahmen immer wieder von vorn angesehen. Vorbilder aus dem Frauenfussball hatte ich erst später, als ich schon in Clairefontaine war." Ihre Aufnahme im berühmten Ausbildungszentrum für den französischen Fussballnachwuchs fiel zeitlich mit der Entdeckung von Marinette Pichon zusammen. "Ihr Torinstinkt hat mich sehr beeindruckt. Im Training schoss sie ein Tor nach dem anderen, und das aus allen Lagen und mitunter wie aus dem Nichts heraus."

Also schaute sich die junge Marie-Laure eine Menge von ihrer legendären Vorgängerin ab und begann ihrerseits, von einer glänzenden Karriere zu träumen. "Als ich nach Clairefontaine kam, hatte ich mehrere Ziele vor Augen. Erstens wollte ich meine Leidenschaft, den Fussball, weiterentwickeln. Und zweitens wollte ich später einmal für unsere Nationalmannschaft spielen. Beides war als Voraussetzung unabdingbar, um meinen dritten Traum, nämlich im Trikot der Bleues auch Tore zu schießen, verwirklichen zu können." Auch wenn sie von der absoluten Rekordmarke - 82 Treffer in 112 Länderspielen - von Marinette Pichon noch ein gutes Stück entfernt ist, so befindet sich die aktuelle Topstürmerin der Bleues, die im Moment als drittbeste Torjägerin aller Zeiten des französischen Frauen-Nationalteams geführt wird, zumindest auf einem guten Weg. "Falls ich in dieser Hinsicht Geschichte schreiben könnte, wäre dies für mich eine Riesenfreude."

Delie im Halbfinale
Marie-Laure Delie weiß natürlich, dass Zahlen allein nicht ausreichen, um für immer einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Daher kam sie auch gleich zur Sache, als wir sie nach ihren unmittelbaren Ambitionen befragten. "In der Runde der letzten Vier zu stehen, ist an sich schon ein großer Erfolg. Unser Ziel ist es allerdings, jetzt auch den WM-Titel zu holen. Schließlich sind wir nicht als Touristinnen nach Deutschland gekommen. Dass wir bereits für das Olympische Fussballturnier London 2012 qualifiziert sind, ist für uns ebenfalls ein Erfolg. Dennoch wollen wir jetzt auch noch die beiden restlichen Spiele hier gewinnen."

All das sagte die Angreiferin mit einer Gelassenheit, die sie ihren eigenen Aussagen nach auch auf dem Spielfeld an den Tag legt. "Ich bleibe ganz cool, denn es macht mir einfach Spaß, Fussball zu spielen und zu gewinnen. Wir haben bislang ein gutes Turnier gespielt. Außerdem spüren wir von außerhalb kaum Druck, so dass wir relativ unbelastet auftreten können. Wenn man gesehen hat, welchem Druck die deutsche Mannschaft durch die Medien ausgesetzt war, bin ich schon der Meinung, dass dies für die Deutschen extrem belastend gewesen sein muss. Sie waren von vorn herein zum Siegen verdammt, während wir als Außenseiter angereist waren."

*Großer Respekt vor den USA
*
Selbst die Niederlage im letzten Gruppenspiel gegen den noch amtierenden Weltmeister scheint der Moral der Französinnen nicht geschadet zu haben. "Die Art und Weise, wie wir zwei Mal wieder ins Spiel zurückgefunden haben, sowie unser Aufbäumen in der zweiten Halbzeit haben uns trotz der Niederlage nur noch stärker gemacht. Schließlich hätten wir uns auch einfach schonen und am Ende vielleicht ein 0:5 in Kauf nehmen können. Stattdessen haben wir Charakter gezeigt und bis zum Schluss gekämpft. Unter dem Strich also ein Plus."

Auf dem Weg zum möglichen Titelgewinn treffen die Bleues nun auf ein weiteres Top-Team. "Ich habe schon gegen die USA gespielt, aber das war 2008 mit der U-20-Auswahl. Damals haben wir mit 0:3 verloren. Hier in Deutschland habe ich gesehen, wozu die U.S.-Amerikanerinnen fähig sind. Sie haben eine auf allen Positionen ausgeglichen besetzte Mannschaft, deren Spielerinnen über eine beeindruckende Athletik verfügen." Ebenso wie die Französinnen sicherten sich die USA den Einzug ins Halbfinale erst im Elfmeterschießen. Marie-Laure Delie entschuldigte sich nun, um sich ein wenig auszuruhen. Genau dies könnte sich in der bevorstehenden Halbfinalpartie als ein wichtiger Schlüssel zum angestrebten Erfolg erweisen.

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