FIFA Frauen-Weltmeisterschaft China 2007 ™

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft China 2007 ™

7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2007™

Daniela: "Das ist die Chance unseres Lebens"

In der Kabine der Brasilianerinnen herrscht Partystimmung. Laute brasilianische Musik erfüllt den Raum, während die Spielerinnen ausgelassen feiern und ihre Sachen zusammenklauben. Katia Cilene und Maycon halten Instrumente in der Hand und geben den Rhythmus vor. Dann setzt sich die Mannschaft im Sambaschritt in Richtung Bus in Bewegung. Die Gesänge nehmen kein Ende... Daniela bewegt sich im Tanzschritt zum Rhythmus, den ihre Mannschaftskameradinnen vorgeben, und bearbeitet gleichzeitig unermüdlich ihr Mobiltelefon.

"Mit dieser Musik bringen wir unsere Freude zum Ausdruck. Das ist bei uns immer so. Wir singen auf dem Weg zum Stadion, auf der Rückfahrt zum Hotel und wenn wir zum Training fahren", meint Daniela gegenüber FIFA.com.

Zu diesem Zeitpunkt haben die Brasilianerinnen auch einen ausgesprochen guten Grund, sich gemeinsam zu Partyrhythmen zu bewegen. Die Seleção hat den USA gerade ihre höchste Niederlage aller Zeiten beigebracht (0:4), und das auch noch im Halbfinale der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft China 2007.

"Unsere Gefühle sind einfach unbeschreiblich, weil wir es nach so vielen Jahren endlich geschafft haben, gegen sie zu gewinnen. Darüber freuen wir uns natürlich sehr. Dieser Sieg war immens wichtig. Wir wollen bei dieser WM unseren ersten Titel holen und wussten, dass diese Begegnung eigentlich ein Finale sein würde", gesteht die Nummer sieben mit erleichtertem Gesichtsausdruck.

Die 24-Jährige ist noch immer ganz auf ihr Telefon konzentriert, beantwortet Glückwünsche und schickt SMS-Nachrichten an ihre Familie. "Dieser Sieg ist meiner Familie in Bahía und São Paulo gewidmet, und natürlich meinem Freund", erklärt sie voller Stolz.

Ein Wendepunkt
Nachdem die U.S.-Amerikanerinnen in den ersten Spielminuten für einige Schrecksekunden sorgten, bestimmten die Brasilianerinnen bald den Spielrhythmus und belagerten fortan den gegnerischen Strafraum. "Wir sind sehr entschlossen in diese Partie gegangen und wollten unbedingt gewinnen. Das war für uns praktisch das Spiel unseres Lebens. Wir waren sehr konzentriert und haben uns gar nicht darum gekümmert, wer unser Gegner war. Wir wussten, dass wir ohnehin gewinnen mussten, wenn wir ins Finale wollten."

Im Moment möchten die Brasilianerinnen einfach nur diesen Sieg genießen. An die bevorstehende Begegnung mit Deutschland könne man später noch denken. Am Sonntag wird Brasilien im Kampf um den WM-Pokal gegen das DFB-Team antreten. Zuvor muss das Ergebnis aus Hangzhou unbedingt gefeiert werden, nachdem gegen die U.S.-Amerikanerinnen zuvor jahrelang kein Sieg gelingen wollte und die Statistiken somit gegen Brasilien sprachen.

Trotzdem gibt es da noch eine Kleinigkeit, die der zweikampfstarken Daniela mit der mächtigen Schusskraft gegen den Strich geht. "Ich freue mich sehr darüber, dass meine Mannschaftskameradinnen Marta, Cristiane und Formiga fleißig Tore schießen. Jetzt warte ich nur noch auf meine eigenen Treffer, denn damit scheint es einfach nicht zu klappen (lacht). Ich hoffe, dass ich meine Tore für das Finale gegen Deutschland aufgespart habe", meint sie lachend.

Im Augenblick hat sie nur einen einzigen Treffer auf dem Konto. Sie sorgte im Auftaktspiel Brasiliens gegen Neuseeland für das erste Tor, und zwar mit ihrer Spezialität: einem Distanzschuss. Dabei fühlt sich die Spielerin in ihrem Element und nutzt ihr Potenzial am Besten aus. Obwohl sie keine weiteren Treffer mehr erzielte, wurde sie in den Partien gegen Dänemark und Australien jeweils zur besten Spielerin gekürt.

In der Kabine der Mannschaft, die gerade Fussballgeschichte schreibt, herrscht Optimismus. Die meisten Spielerinnen spielen bereits seit vier Jahren zusammen. Sie haben schon zwei Goldmedaillen bei den Panamerikanischen Spielen und eine Silbermedaille beim Olympischen Fussballturnier gewonnen. In China haben sie bereits jetzt mit dem Finaleinzug ihre beste Leistung bei einer WM geboten. Zuvor war der dritte Platz 1999 in den USA der größte Erfolg in diesem Wettbewerb gewesen.

"Wir wollen im brasilianischen Fussball Geschichte schreiben", meint Daniela zuversichtlich. "Wir sehen diese Weltmeisterschaft als die Chance unseres Lebens. Wir brauchen diesen Sieg. Der Einzug ins Finale kann in Brasilien schon viel verändern. Ein Sieg würde dem brasilianischen Frauenfussball noch viel mehr Aufschwung geben", fährt sie fort.

Im Augenblick traut Daniela, übrigens eine erklärte Anhängerin von Dunga, der Truppe alles zu. "Ich könnte nicht sagen, was unser Schwachpunkt ist. Aber unsere größte Stärke ist der Zusammenhalt. Wir sind keine Mannschaft, wir sind eine Familie. Wir verbringen mehr Zeit miteinander, als mit unseren eigenen Familien. Diese Geschlossenheit hat viel dazu beigetragen, dass wir jetzt im Finale stehen", versichert sie.

Und während die Party mit den Mannschaftskameradinnen weitergeht, verrät sie uns überraschend noch ihr großes Ziel: "Mein größter Wunsch ist es, in meinem Land Fussballprofi zu werden."

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