FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019™

7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-WM-Archiv

Sinclair: Brillante Leistung trotz gebrochener Nase

  • Sinclair erinnert sich an ihr fantastisches Freistoßtor 2011 gegen WM-Gastgeber Deutschland
  • Die kanadische Spielführerin spielte einen Großteil der Partie mit gebrochener Nase
  • Sinclair: "Es bräuchte schon mindestens ein gebrochenes Bein, damit ich ein WM-Spiel verpasse"

"Die reine Freude" – so beschreibt Christine Sinclair in diesem Video ihre Emotionen am 26. Juni 2011. In Wahrheit jedoch gibt diese kurze und rundum positive Aussage nur einen Teil der Geschichte wieder.

Ganz sicher war die Freude groß und auch hoch verdient. Schließlich war es Sinclair vor 73.680 beeindruckten Zuschauern gelungen, einen Freistoß perfekt über die Mauer und in den Winkel zu zirkeln. Was Sinclair allerdings verschweigt, obgleich es ihr Traumtor noch bemerkenswerter macht, ist der enorme Schmerz, den sie trotz aller Freude ertragen musste.

In der Anfangsphase der zweiten Halbzeit der Partie – Kanadas Auftaktspiel bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft2 2011™ gegen Gastgeber Deutschland – hatte Sinclair im Zweikampf mit Babett Peter deren Ellenbogen mit voller Wucht mitten ins Gesicht bekommen. "Ich wusste im gleichen Moment, dass meine Nase gebrochen war", sagte sie später. "Es hat übel geknirscht."

Auch Kanadas Trainerin Carolina Morace erinnert sich noch gut an diesen Moment. Eine Auswechslung ihrer Spielführerin schien unvermeidbar. "Der Arzt sagte zu mir: 'Ihre Nase ist gebrochen. So kann sie nicht weiter spielen'", so Morace. "Ich fragte ihn, wie groß das Risiko wäre. Er meinte: 'Es würde noch schlimmer, wenn sie noch einmal im Gesicht getroffen würde und dann müsste sie wohl operiert werden.' Doch Christine sah mich nur an und sagte: 'Lass mich spielen!'"

Diese Entschlossenheit war typisch für die kanadische Spielführerin und Rekordtorjägerin. Selbst ihre eigenen Teamkameradinnen bezweifelten allerdings die Weisheit der Entscheidung. "Ich sah sie nur an und dachte: 'Ach je'", erzählt Torhüterin Erin MacLeod. "Ihre Nase war total verbogen. Ich fragte sie: 'Willst du wirklich weiter hier dabei sein?' Und sie meinte: 'Ja, auf jeden Fall!' Sie ist echt hart im Nehmen."

"Ich dachte: 'OK, meine Nase ist ja noch da. Ich kann weitermachen'", so Sinclair später im Gespräch mit FIFA.com. "Der Trainerstab meinte zwar, es sei gefährlich, aber ich habe versprochen, aufzupassen, um nicht noch einen Schlag ins Gesicht zu bekommen... Schließlich reden wir hier über die WM. Es bräuchte schon mindestens ein gebrochenes Bein, damit ich ein WM-Spiel verpasse!"

Kanada verlor die Partie mit 1:2. Danach musste Sinclairs Nase gerichtet werden – "so etwas wünsche ich niemandem" – und sie musste den Rest des Turniers mit einer Schutzmaske spielen. Doch ihr bemerkenswerter Durchhaltewille im Berliner Olympiastadion wurde zumindest mit einem der schönsten Freistoßtore der Turniergeschichte belohnt.

Pure Freude, also? Wohl eher nicht. Doch ganz sicher ein Moment, den die kanadische Vorzeige-Athletin niemals vergessen wird.

Hätten Sie's gewusst?
Ein Trikot von Christine Sinclair mit Autogrammen der Spielführerin und ihrer Teamkameradinnen ist im Archiv der FIFA Frauen-WM-Archiv im FIFA Welt Fussball Museum in Zürich ausgestellt.

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