FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft USA 1999 ™

FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft USA 1999 ™

7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 1999™

Chastains unsterblicher Augenblick im Sonnenschein

Brandi Chastain celebrates winning the 1999 Women's World Cup
© Getty Images
  • Brandi Chastain verwandelte im WM-Endspiel 1999 den entscheidenden Elfmeter gegen die VR China
  • Das Finale fand vor 90.000 Zuschauern im Rose Bowl in Pasadena statt
  • Chastain: "In den ersten ein, zwei Monaten danach habe ich wohl nicht sehr viel geschlafen"

Man weiß, dass ein Augenblick wichtig war, wenn man Jahrzehnte später noch genau sagen kann, wo man selbst in diesem Moment war. Dies gilt auch für die Erinnerung an den von Brandi Chastain verwandelten entscheidenden Elfmeter im Finale der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft USA 1999™ gegen die VR China und ihre anschließende Jubelpose vor mehr als 90.000 Zuschauern an einem Sommernachmittag im Rose-Bowl-Stadion in Pasadena (Kalifornien).

Das Bild der jubelnden Chastain, die ohne Trikot auf dem Rasen kniet und mit geschlossenen Augen ihre grenzenlose Freude herausschreit, ist aus der Geschichte des amerikanischen Frauenfussballs nicht wegzudenken und hat zudem seinen festen Platz als eines der bekanntesten Sportfotos aller Zeiten.

"Ich kann mir mein Leben ohne dieses Bild nicht vorstellen", sagte Chastain kürzlich im Gespräch mit FIFA.com. "In den ersten ein, zwei Monaten danach habe ich wohl nicht sehr viel geschlafen."

Dieser Augenblick zeigt nicht nur einen Sportlerin, die den Sieg bejubelt, sondern den Beginn einer neuen Zeitrechnung im Frauenfussball.

Brandi Chastain celebrates scoring winning penalty in the 1999 FIFA Women's World Cup Final
© Getty Images

"Das Foto ist eine Art Zugang zu etwas, das zuvor lange Zeit kaum zur Kenntnis genommen wurde. Es ist sozusagen ein Fenster, durch das viele Leute erstmals einen Blick auf den Frauenfussball warfen. Darauf bin ich stolz", so Chastain. "Es ist zwar mein Augenblick, weil ich es bin, die auf diesem Bild zu sehen ist, doch unser ganzes Team, der Stab und der Fussballverband US Soccer dürfen darauf ebenso stolz sein."

Sieg trotz widriger Umstände

Die USA und China hatten in den 120 Minuten zuvor kein Tor zustande gebracht. Chastain war die fünfte Spielerin auf der Liste der Elfmeterschützinnen von Trainer Tony DiCicco und trug damit eine besondere Verantwortung.

"Glücklicherweise ging mir da draußen auf dem Spielfeld während des Elfmeterschießens nicht allzu viel durch den Kopf. Ich war einfach aufgeregt, dabei zu sein, und ich hatte ein gutes Gefühl, dass wir gewinnen würden", so Chastain weiter. "Wir hatten sehr hart gearbeitet und glaubten einfach, dass wir gewinnen würden, dass wir alles dafür tun würden."

Dieser Glaube half den U.S.-Amerikanerinnen, widrige Umstände zu überwinden. So hatte Chastain im Viertelfinale gegen Deutschland nach fünf Minuten ein Eigentor fabriziert, dann aber in der zweiten Halbzeit auf dem Weg zum Sieg selbst den Ausgleich erzielt. Und auch vor dem Anstoß in Pasadena war nicht alles rund gelaufen.

"Die meisten Leute werden sich wohl eher nicht daran erinnern, dass wir uns vor dem Spiel nicht auf dem Feld aufwärmen konnten!" erzählt Chastain. "Das Spiel um Platz drei zwischen Norwegen und Brasilien ging ebenfalls in die Verlängerung und ins Elfmeterschießen. Daher mussten wir uns in den dunklen Eingeweiden des Rose-Bowl-Stadions aufwärmen. Das war sinnbildlich für unser Team: Egal, welche Schwierigkeiten es gab, wir konnten damit umgehen. Wir konnten uns auf uns selbst konzentrieren und dann unsere Aufgabe erledigen."

Revanche für den Algarve Cup

Chastains Jubel macht deutlich, was der Gewinn der Weltmeisterschaft für einen Sportler bedeutet. Er zeigt indes auch, wie groß ihre Erleichterung war. Im März des Jahres hatte Chastain im Finale des Algarve Cup in Portugal ebenfalls einen Elfmeter gegen die chinesische Torhüterin Gao Hong geschossen und dabei nur die Latte getroffen. Die USA verloren mit 1:2. Die Stars and Stripes hatten zwar 1991 die erste FIFA Frauen-WM gewonnen, doch beim Algarve Cup waren sie damit nun schon fünf Mal in Folge ohne den Titel abgereist.

"Als ich nach vorn ging, um mir den Ball für den fünften Elfmeter zurecht zu legen, habe ich darauf geachtet, die Torhüterin nicht anzusehen", so Chastain. "Beim Algarve Cup hatte sie wie bei zwei Boxern im Ring direkt vor mir gestanden und das Psychoduell gewonnen, so dass ich meinen Elfmeter verschoss und wir am Ende das Spiel verloren. Diese Chance wollte ich ihr kein zweites Mal geben."

FWWC 1999 FINAL USA - CHN 5:4 Brandi CHASTAIN/USA
© Getty Images

Gao Hong versuchte auch im WM-Finale von Pasadena, Chastain zu verunsichern, doch es gelang ihr nicht. Der Druck lastete auf der chinesischen Torhüterin, da Brianna Scurry den vorherigen Elfmeter von Liu Ying gehalten hatte.

Chastains Schuss konnte daher die Entscheidung bringen. Und dieses Mal ließ sich Chastain die Chance nicht nehmen. Sie konzentrierte sich drei Sekunden lang, dann nahm sie Anlauf und beförderte den Ball perfekt platziert mit dem linken Fuß an der gegnerischen Torhüterin Hong vorbei in die Maschen – so hatte sie in San José wieder und wieder Elfmeter trainiert.

Sie riss sich das Trikot vom Leib, fiel auf die Knie und schrie ihre ganze Freude heraus – und einen magischen Moment lang schien die Zeit stillzustehen, als sie den Kopf zum Himmel wandte und für immer in die Fussballgeschichte einging.

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