FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015

7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015™

Bühne frei für die Standardspezialistinnen

Fara Williams of England scores her penalty goal during the FIFA Womens's World Cup Group F match between England and Colombia at Olympic Stadium on June 17, 2015 in Montreal, Canada.  (Photo by Stuart Franklin - FIFA/FIFA via Ge
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"In kniffligen und sehr ausgeglichenen Partien sind ruhende Bälle ein wichtiges Instrument." Die Worte des englischen Nationaltrainers Mark Sampson bestätigen, was im letzten Gruppenspiel seines Teams gegen Kolumbien deutlich geworden ist. Standardsituationen waren nämlich der ausschlaggebende Faktor für die Engländerinnen.

Auch der Achtelfinalgegner der Engländerinnen bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015™ weiß dieses Mittel zu nutzen. Norwegen hatte nämlich dank eines wunderschönen Freistoßtors von Maren Mjelde, das bereits rund um die Welt gegangen ist, das Remis gegen Deutschland in die Gruppenphase gesichert.

Das Duell zwischen den beiden Teams am 22. Juni in Ottawa könnte daher eine taktisch geprägte Angelegenheit werden, die durch kleine Details in eben diesen Standardsituationen entschieden wird. "Wir arbeiten im Training viel daran. Meiner Meinung nach sind Eckbälle, Freistöße und Einwürfe ein sehr wichtiger Bestandteil des Spiels, vor allem im Frauenfussball. Wir wissen, dass sie im Verlauf eines Turniers zumindest ein paar Mal entscheidend sein können. Daher müssen wir sehr effektiv sein", erklärt Sampson.

Gegen die Cafeteras** ist den Engländerinnen dies gelungen. Der erste Treffer fiel nach einem Freistoß von Steph Houghton. Die kolumbianische Torfrau konnte nur abklatschen und der Ball landete vor den Füßen von Karen Carney, die sich diese Chance nicht nehmen ließ. Der zweite Treffer fiel zwar durch einen Elfmeter, diesem war jedoch ebenfalls ein durch Houghton ausgeführter Freistoß vorausgegangen.

"Das sind sehr wichtige Spielelemente und wir trainieren sie häufig, um im Wettbewerb effektiv zu sein. Bei solchen Aktionen werden im Frauenfussball viele Tore erzielt", meint Fara Williams im Gespräch mit FIFA.com. Sie gehört genau wie Houghton zu den rechtsfüßigen Standardspezialistinnen. Alex Greenwood, die jüngste im Team, ist die beste Option mit dem linken Fuß.

Die Ausführung
Wenn die Schiedsrichterin auf Freistoß für die Engländerinnen entscheidet, stellen sich zwei Spielerinnen auf. Sie bewerten die Situation und entscheiden, wer schießt. Die eine bereitet sich auf die Ausführung vor, während die andere die Arme hebt, damit ihre Teamkameradinnen wissen, was zu tun ist. Und dann geht's los!

"Wir entscheiden unter uns, wer den Freistoß ausführt. Das hängt von der Seite des Platzes, der Tiefe und Torentfernung ab. Es gibt noch einen weiteren wichtigen Aspekt. Die Teamkameradinnen müssen den Spielzug bis zu Ende ausführen. Auf diese Weise ist es Carney auch gelungen, den Abklatscher der kolumbianischen Torhüterin zu verwerten" erklärt Williams, die auf Vereinsebene beim LFC Liverpool aktiv ist.

Zwischen der Einschätzung der Lage und der Ausführung vergehen vielleicht gerade einmal zwei Minuten. Vorausgegangen sind jedoch viele Stunden sorgfältiger Planung durch das Trainerteam und genaue Taktikanweisungen auf Tafeln und Zetteln. Und viele Stunden Training seitens der Spielerinnen. Denn nicht immer ist das Ganze ein Soloauftritt, wie bei dem schönen Versuch von Mjelde. Oftmals ist der Einsatz eines ganzen Ensembles vonnöten, mit sorgfältig aufeinander abgestimmten Instrumenten und einem vielfältigen Repertoire.

"Uns stehen für jede Situation mehrere Optionen zur Verfügung. Man muss in den Partien immer unterschiedliche Muster anwenden, denn wenn die Gegner den Spielzug wiedererkennen, ist es für sie einfacher, uns zu stoppen. Daher muss man variieren, um sie zu überraschen", fährt die Nummer vier der englischen Mannschaft fort. Weitere Details will sie nicht verraten, um den Gegnerinnen nicht die Arbeit zu erleichtern.

Obwohl Freistöße wie der der Norwegerin kaum haltbar sind, gibt es doch Verteidigungsmechanismen, die darauf ausgelegt sind, die gegnerischen Aktionen bei Standardsituationen zu neutralisieren. "Natürlich, es geht nicht nur darum, selbst im Angriff aktiv zu werden, man muss auch den Gegner kennen, um dessen Versuche unschädlich zu machen und selbst keine Tore aus Standardsituationen zu kassieren", bestätigt der 32-jährige englische Trainer, der bereits damit beschäftigt ist, das Team des Routiniers Even Pellerud zu analysieren.

"Uns stehen viele Instrumente zur Verfügung, und wir müssen wissen, welche in der jeweiligen Situation einzusetzen sind. Standardsituationen sind eine Option, die uns für die nächsten Runden gute Dienste leisten können."

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