FIFA Frauen-Weltmeisterschaft China 2007 ™

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft China 2007 ™

Das Duell unter der Lupe

Angerer “hält” DFB-Auswahl in die Geschichtsbücher

  • WorldCupAtHome geht weiter, heute mit Deutschland - Brasilien (China VR 2007)
  • Deutschland verteidigt als erstes Team den WM-Titel
  • Wann? Montag, 27. April, ab 20 Uhr

Wahre Spitzenspieler sind in der Lage, in entscheidenden Momenten ihre Höchstleistung abzurufen - dieser Grundsatz ist so alt wie der Fussball selbst. Und so gelang es Deutschland als erstem Team die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft zum zweiten Mal hintereinander zu gewinnen, denn als der Druck am größten war, behielt Birgit Prinz die Nerven und Marta nicht.

Spielinfo

Deutschland - Brasilien 2:0
30. September 2007
Shanghai Hongkou Football Stadium, Shanghai (CHN)

Torschützinnen: 1:0 Birgit Prinz (52. Minute), 2:0 Simone Laudehr (86.)

Aufstellungen:

  • Deutschland: Nadine Angerer – Kerstin Stegemann, Ariane Hingst, Annike Krahn, Linda Bresonik – Melanie Behringer (74. Martina Müller), Renate Lingor, Simone Laudehr, Kerstin Garefrekes – Sandra Smisek (80. Fatmire Bajramaj), Birgit Prinz (C)
  • Brasilien: Andreia – Elaine, Aline (C, 88. Kátia), Tania (81. Pretinha), Renata, Daniela, Formiga, Maycon, Marta, Cristiane, Ester (63. Rosana)

Hintergrund

Die deutsche Mannschaft, die dieses faszinierende Spektakel in China VR mit einem Elf-Tore-Festival begann, beendete das Turnier im selben Stadion in Shanghai mit einem Sieg über Brasilien, bei dem das Team zwei Treffer erzielte. Dabei hätte schon ein einziger Treffer genügt, um den Titel zu verteidigen, den die Elf 2003 zum ersten Mal gewonnen hatte. Denn ein Treffer genügt immer, solange man eine Torfrau und eine Verteidigungsreihe hat, die fest entschlossen sind, keinen Ball und keine gegnerische Stürmerin auch nur in die Nähe der eigenen Torlinie zu lassen.

Spielverlauf

Die 31.000 begeisterten Zuschauer im restlos ausverkauften Shanghai-Hongkou-Stadion sahen ein intensives und hart umkämpftes Finale, in dem sich die Ballzauberinnen vom Zuckerhut mit zunehmender Spieldauer Feldvorteile verschafften. Besonders Marta ließ im ersten Spielabschnitt mehrfach ihre Extraklasse aufblitzen, blieb aber erfolglos. Nach dem Seitenwechsel brachte Birgit Prinz (52.) den Titelverteidiger in Führung. Nur Momente später hätte Annike Krahn alles klar machen können. Nach einem Eckball köpfte sie jedoch Zentimeter am Tor vorbei. Stattdessen sollte die Dramatik in Shanghai ins Unermessliche steigen: Nach 64 Minuten drang Cristiane in den deutschen Strafraum ein und konnte von Linda Bresonik nur noch per Foul gestoppt werden. Den anschließenden Elfmeter von Marta parrierte Angerer jedoch durch rasches Abtauchen ins rechte untere Eck in Weltklassemanier. In der Schlussphase warfen die starken Brasilianerinnen alles nach vorne und wollten den Ausgleich erzwingen. Doch die phänomenale Defensive um Abwehrchefin Ariane Hingst blieb standhaft. Simone Laudehrs Kopfballtreffer vier Minuten vor Schluss besiegelte den zweiten WM-Triumph.

Der Star

Nadine Angerer erwies sich nicht nur im Finale, sondern auch während des gesamten Turniers als unüberwindbar. Im Endspiel hielt sie einen Elfmeter von Marta, parierte einige weitere Mal sensationell, führte die DFB-Frauen zum 2:0-Sieg und damit schließlich zum erneuten Titelgewinn. Doch damit nicht genug: Die Keeperin kassierte im gesamten Turnier keinen einzigen Gegentreffer, brach den Rekord des Italieners Walter Zenga bezüglich Minuten ohne Gegentor bei einer WM und wurde zur besten Spielerin des Finales sowie zur besten Torhüterin des Turniers gewählt.

Zitate

"Man muss klar sagen, die besseren Einzelspielerinnen bei diesem Turnier hatten andere. Aber wir waren halt einfach als Mannschaft top. Wir haben immer zueinander gehalten, als Einheit. Und wir hatten viel Spaß zusammen. Das war unser Erfolgsrezept bei dieser WM."
Birgit Prinz (Stürmerin, Deutschland)

"Wir haben hart darum gekämpft, in dieses Finale zu kommen. Für uns war das schon ein enormer Schritt, der in die Fussballgeschichte eingeht. Leider mussten wir unsere Fehler teuer bezahlen. Im Abschluss hat es gehapert, ich hatte bei meinem Elfmeter kein Glück, dann haben wir noch zwei oder drei Mal das Aluminium getroffen. Es ist uns nicht gelungen, den Spielrhythmus zu ändern, aber so ist es nun einmal im Fussball. Manchmal kann man ungeheuer gut sein und erreicht das Ziel trotzdem nicht."
Marta (Stürmerin, Brasilien)

"Ich hatte ja meine Klappe vor der WM 2007 sehr weit aufgerissen, dass ich die Nummer eins sein möchte. Und dann kam plötzlich der Punkt, an dem ich das bestätigen musste. Deswegen war jedes einzelne Spiel damals in China von der ersten Minute an sehr, sehr emotional für mich. Ich hatte mir selbst einen unfassbar großen Druck gemacht und sage ja deswegen auch, dass ich manchmal selbst meine größte Kontrahentin war. Aber, wie schon gesagt: Wer weiß, wo ich gelandet wäre, wenn ich das nicht so gemacht hätte."
Nadine Angerer (Torhüterin, Deutschland)

Und danach?

Der Traum vom dritten Titel in Folge - und dazu noch vor heimischen Publikum - platzte vier Jahre später für die deutschen Fussballerinnen. Das Team von Silvia Neid musste sich im Viertelfinale der Frauen WM 2011 dem späteren Weltmeister Japan mit 0:1 nach Verlängerung geschlagen geben.

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