FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011 ™

7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011™

Als Wambach Brasilien mitten ins Herz traf

© Getty Images
  • Abby Wambach erzielte eines der unvergessenen Tore der Frauen-WM
  • Ihr Kopfball wurde in einer Umfrage 2015 zum schönsten Tor jemals bei einer Frauen-WM gewählt
  • Erzielt wurde das Tor 2011 bei der WM in Deutschland im Viertelfinale gegen Brasilien

Im Vorfeld der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015™ ließ FIFA.com die Fans über das beste Tor in der Geschichte des Turniers abstimmen. Ziemlich schnell ging ein klarer Gewinner aus der Umfrage hervor.

Abby Wambachs Treffer zählte weder zu den technisch anspruchsvollsten noch zu den ästhetisch ansprechendsten Beiträgen in der Liste mit 15 Vorschlägen. Doch die einzigartige Dramaturgie dieses Kopfballs und seine Folgen sicherten ihm einen dauerhaften Platz in den Herzen der Fans. "Die Kraft dieses Tores ist unglaublich", sagte die Torschützin. "Die Leute erzählen mir immer wieder, wo sie gerade waren, als ich diesen Treffer erzielte."

Wambach wird diesen Moment sicherlich nie vergessen – genauso wenig wie die Emotionen, die diesem historischen Kopfball vorausgingen und darauf folgten. Die Stürmerin blickte bereits verzweifelt auf die Uhr: Die 121. Spielminute im Viertelfinale gegen Brasilien war abgelaufen und der Abpfiff musste jeden Augenblick ertönen. Die Südamerikanerinnen, die Wambach und Co. beim Turnier vier Jahre zuvor in der Runde der letzten Acht gedemütigt hatten, lagen mit 2:1 in Führung und standen kurz vor dem Halbfinaleinzug.

Die Stars and Stripes von Trainerin Pia Sundhage gingen in dieser denkwürdigen Begegnung zunächst früh in Führung. Doch die Partie nahm Mitte der zweiten Hälfte eine dramatische Wendung: Nach einem Foul im Strafraum wurde Rachel Buehler des Feldes verwiesen und Marta verwandelte den anschließenden Elfmeter – im zweiten Anlauf – zum Ausgleich. Als die brasilianische Starspielerin die Seleção in der zweiten Minute der Verlängerung in Führung brachte, befürchtete Wambach das Schlimmste: "Ich dachte, das war's", sprach sie in die Mikrofone von ESPN. "Wenn du [in der Verlängerung] ein Tor kassierst, ist das meistens die Entscheidung. Der Gegner zieht sich zurück und wir waren nur noch zu zehnt. Es schien, als sei die ganze Welt gegen uns."

Aber Wambach steckte genauso wenig auf wie die erfahrene Verteidigerin Christie Rampone. Beim Versuch der Brasilianerinnen, die Uhr herunterlaufen zu lassen, ging sie energisch dazwischen und eroberte den Ball. Dieser fand anschließend über Ali Krieger den Weg zu Carli Lloyd im zentralen Mittelfeld. Wambach war sich sicher, dass der Schlusspfiff jeden Augenblick ertönen musste. Sie schrie ihrer Mitspielerin zu: "Carli, zu mir! Nicht auf den Flügel, zu mir!" Abby Wambach dürfte auf ewig dankbar sein, dass ihr Flehen nicht erhört wurde, da Lloyd das Spiel auf die linke Seite zu Megan Rapinoe verlagerte.

Rapinoe, die nicht in der Anfangself stand und auch nach ihrer Einwechslung in der 55. Minute nicht wirklich zu überzeugen wusste, erinnert sich so: "Trainerin Pia Sundhage hatte schon überlegt, ob sie mich wieder auswechselt. Irgendwie wollte ich mich selbst rehabilitieren."

Das gelang der Mittelfeldspielerin schließlich mit einer der besten Vorlagen in der Geschichte der Frauen-Weltmeisterschaft. Noch bevor Abby Wambach die erste von unzähligen Wiederholungen dieser Traumflanke gesehen hatte, sagte sie nach Schlusspfiff voller Ehrfurcht zu FIFA.com: "Dieser Ball von Rapinoe muss der beste des gesamten Turniers gewesen sein".

Das Bemerkenswerte an diesem erstklassigen Pass ist nicht nur, dass er von der linken Seite zentimetergenau auf den langen Pfosten segelte, sondern auch, dass Rapinoe ihn mit ihrem schwächeren Fuß schlug. "Ich habe ihn kommen sehen", erinnert sich Wambach, "und Pinoe wusste vielleicht, dass ich dort vorne warte." Die Vorlagengeberin bleibt hingegen bescheiden und gibt ehrlich zu, dass es anders war. "Ich würde gerne sagen, dass ich den Ball aus 35 Metern mit meinem schwächeren Fuß punktgenau auf Abby spielen wollte. Doch das stimmt nicht. Ich wusste zwar, dass sie irgendwo im Strafraum lauern würde, aber ich dachte einfach, ich muss den Ball so schnell wie möglich nach vorne schlagen, da das Spiel jede Sekunde zu Ende sein könnte. Ich habe einfach meine gesamte Kraft in diese Flanke gelegt und Abby hat das Ding versenkt."

Wambach berechnete die Flugbahn des Balles, der sowohl ihre Gegenspielerin Daiane als auch Brasiliens Torhüterin Andreia düpierte, perfekt voraus und beförderte ihn mit einem energischen Kopfball ins Netz. Diese Szene hielt selbst neutrale Zuschauer nicht mehr auf ihren Sitzen.

Auch eine andere Legende des U.S.-Frauenfussballs sprühte vor Begeisterung: "Wer mit solchem Tempo nach einem derart langen Ball läuft, wird im schlimmsten Fall von der Torhüterin ausgeknockt", sagte Mia Hamm bei ESPN. "Diese Entschlossenheit und dieser Wille, den Ball zu verwandeln, zeugt von herausragender Courage", so das einstige Idol von Abby Wambach weiter.

Als Belohnung für ihren Mut erzielte die Stürmerin einen Treffer, der ihr einen festen Platz in der U.S.-amerikanischen Sporthistorie einbrachte und der wohl das dramatischste Comeback in der Geschichte ihres Teams markiert. Nach diesem Tor war der anschließende Sieg im Elfmeterschießen geradezu vorgezeichnet: "Nach dem Ausgleich wusste ich, dass wir das packen", so Wambach.

Später sagte sie gegenüber FIFA.com, dies sei der emotionalste Moment in ihrem Leben gewesen. Die ganze Bedeutung dieses höchst dramatischen Treffers wurde erst im Laufe der Zeit offensichtlich. "Dieser Kopfball war ein entscheidender Augenblick. Nicht nur für mich und meine Karriere, sondern für unser gesamtes Team. Dieser Augenblick 2011 gegen Brasilien brachte den Frauenfussball in den USA wieder zurück ins Rampenlicht", erinnert sich die Torschützin nicht ohne Stolz.

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