FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011 ™

7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011™

Aline: "Wir wollen Weltmeisterinnen werden"

© Getty Images

Wenn wir im Zusammenhang mit dem Frauenfussball von Brasilien sprechen, haben wir automatisch Marta vor Augen - Dribblings, Tore und Zauberfussball. Aber die Seleção Canarinha, die an der FIFA Frauen-WM 2011 teilnimmt, hat viel mehr zu bieten als nur eine gute Angriffsabteilung. Tatsächlich wusste das Team von Kleiton Lima bisher mit einer ausgesprochen soliden Abwehr zu beeindrucken. Die Brasilianerinnen haben als einzige Mannschaft in der Gruppenphase keinen einzigen Gegentreffer kassiert.

Für diese positive Bilanz ist natürlich einerseits Torfrau Andreia verantwortlich, aber natürlich auch die Dreierabwehrkette mit Erika, Daiane und Spielführerin Aline. Die Verteidigerin des FC Santos, die vor drei Tagen 29 Jahre alt geworden ist, gehört zu den routinierten Spielerinnen im Team, hat 2004 beim Olympischen Fussballturnier der Frauen in Athen bereits die Silbermedaille gewonnen und ist in China Vize-Weltmeisterin geworden.

"Ich habe eine Botschaft an diejenigen, die von der brasilianischen Auswahl einen glanzvollen Auftritt erwarten. Sie werden eine Seleção sehen, die viel läuft und viel kämpft, um jede Partie zu gewinnen, egal, ob dabei ein sehenswertes Spektakel herauskommt. Wir sind hier, um Weltmeisterinnen zu werden, auch wenn wir jedes Spiel nur mit 1:0 gewinnen", erklärt sie kategorisch im Gespräch mit FIFA.com. "Wenn wir diese Siege auch mit schönen Auftritten erreichen, wenn die Umstände des Spiels in einigen Situationen ein schönes Spiel zulassen, dann ist das wunderbar. Aber was zählt sind Siege. Die Verpackung interessiert uns nicht, damit können sich die Fans beschäftigen."

*Nicht mehr nur Zauberfussball
*
Aline ist eine erklärte Bewunderin von Lucio, dem Mannschaftskapitän der A-Nationalmannschaft der Männer. "Die Mädels sagen, ich hätte Ähnlichkeiten mit ihm, selbst physisch! Weil ich eben groß bin", meint sie lachend. "Früher habe ich mit der Trikotnummer drei gespielt, da war ich ihm noch ähnlicher. Er ist ein Kämpfer, ein großes Vorbild", fährt sie fort. Inzwischen trägt die Verteidigerin die Rückennummer vier. Warum dieser Wechsel? "Ich habe immer mit der drei gespielt, aber ich möchte, dass es bei dieser WM anders läuft. Deshalb habe ich auch angefangen, mit einer anderen Nummer zu spielen", erklärt sie.

Damit meint die Brasilianerin natürlich, dass man sich dieses Mal einen anderen Finalausgang erhofft als bei vorherigen Auflagen. Aber da muss das Team erst einmal hinkommen. Nachdem man die Gruppe D mit einer optimalen Ausbeute abschließen konnte, steht jetzt nämlich ein Härtetest auf dem Programm: die USA. Es gibt eine Neuauflage des Halbfinales der WM 2007 in China, in dem Brasilien sich mit 4:0 durchsetzte. "Eine Mannschaft vom Niveau der USA ist immer sehr schwer zu spielen. Die Spielerinnen sind zwar nicht mehr dieselben, aber die grundlegende Spielweise ist gleich geblieben: Sie sind kraftvoll, technisch versiert und spielen sehr geschlossen. Sie machen viel über die Kraft." Diese Analyse stammt von Marta, die in der Partie vor vier Jahren mit wahrem Zauberfussball zu beeindrucken wusste.

"Diese WM ist anders. Das Niveau ist allgemein stark gestiegen. Das ist ein sehr ausgeglichenes Turnier", so die Spielführerin, einige der wenigen, die sich nicht an den "musikalischen Auftritten" beteiligt, mit denen die Brasilianerinnen ins Stadion einlaufen. "Na ja, ich kann einfach kein Instrument spielen! Also dirigiere ich lieber. Das ist unsere Art, Druck abzubauen und gut gelaunt auf das Spielfeld zu kommen", erklärt sie.

*"Wir halten alle zusammen"
*
Sie dirigiert nicht nur die improvisierte Musikgruppe. Sie führt auch in der Kabine das Wort, wie es sich für die Trägerin der Kapitänsbinde gehört. "Das ist eine große Verantwortung. Man muss das Geschehen auf dem Spielfeld aufmerksam verfolgen und viel mit den Mannschaftskameradinnen kommunizieren. Aber es ist auch eine sehr dankbare Aufgabe, und ich übernehme sie gern, wenn ich auch ab und an mal einer Kollegin die Leviten lesen muss", versichert sie.

"Ich habe kein Problem damit, Marta zu sagen, dass etwas nicht in Ordnung ist, auch wenn sie in den letzten fünf Jahren die beste Spielerin war. Hier sind alle gleich. Wir halten alle zusammen, haben Respekt voreinander und jeder darf seine Meinung äußern. Wenn Marta etwas an uns auszusetzen hat, dann sagt sie es, aber wir fahren sie auch an, wenn sie es verdient hat. So ist das", meint sie abschließend.

Jetzt hoffen die Brasilianerinnen, dass es an diesem Sonntag nicht viel Grund geben wird, sich gegenseitig zurechtzuweisen, sondern dass sie bei der Rückkehr ins Hotel Grund zu Feiern haben werden.

Mehr zu diesem Thema erfahren

Empfohlene Artikel

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011™

Cristianes Doppelpack lässt Brasilien jubeln

06 Jul 2011

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011™

Marta führt Brasilien ins Viertelfinale

03 Jul 2011

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011™

Aline, capitana de Brasil

09 Jul 2011