FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019™

7. Juni - 7. Juli

FIFA Frauen-WM 2019™

Bonsegundo und die nächste Generation

© FIFA.com
  • Sie wird bei der WM 2019 eine der Spielführerinnen der Albiceleste sein
  • Symbolfigur für den Wandel des Frauenfussballs in Argentinien
  • Die Argentinierinnen treffen in Gruppe D auf Japan, England und Schottland

"Ich habe mir dieses Tor sehr oft angeschaut und bekomme jedes Mal eine Gänsehaut. Da kommen viele Gefühle hoch. Das war einzigartig."

María Florencia Bonsegundo lächelt von einem Ohr zum anderen, als sie sich einmal mehr das Tor anschaut, mit dem die Qualifikation der Albiceleste für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019™ perfekt gemacht wurde. Und auf dieses erlösende Tor musste sie sieben Monate lang warten.

Argentinien hatte bei der Copa América 2018 knapp den Sprung auf einen der ersten beiden direkten Qualifikationsplätze verpasst und musste die interkontinentale Playoff-Runde gegen Panama bestreiten. Das Hinspiel entschieden die Südamerikanerinnen in der Provinz Buenos Aires mit 4:0 deutlich für sich.

Im Rückspiel gingen die Canaleras zunächst in Führung, doch Bonsegundo erzielte den Ausgleichstreffer (1:1). Mit einem Schuss von der linken Seite machte sie die heiß ersehnte WM-Teilnahme perfekt.

"Ich bin stolz darauf, mein Land vertreten zu dürfen und zu den Vorbildern zu gehören", so die argentinische Spielführerin. "Ich spiele seit mehr als zehn Jahren für die Nationalmannschaft, und dies ist der Lohn für viele Mühen."

Vom Amateur zum Profi

Im argentinischen Frauenfussball macht sich Hoffnung breit. Außer der WM-Qualifikation gab es kürzlich auch noch die Zusage, ein lokales Turnier zu professionalisieren. Der argentinische Fussballverband (AFA) hat finanzielle Unterstützung zugesichert, damit die Gehälter der Spielerinnen gestemmt werden können.

Und das ist noch nicht alles. Mehrere Initiativen, wie die Schaffung eines Pokalwettbewerbs oder das Engagement einiger Klubs für die Öffnung großer Stadien wie La Bombonera oder Nuevo Gasómetro für den Frauenfussball deuten auf eine sehr positive Entwicklung hin.

"Die Lage in Argentinien ändert sich – in sportlicher und gesellschaftlicher Hinsicht", meint Bonsegundo. "Diese Generation und diese Entwicklungen sind sehr wichtig. Ich hoffe, dass alle, die zur WM fahren, in Zukunft vom Fussball leben können."

Die Nummer 11 der Albiceleste ist eine von zahlreichen argentinischen Spielerinnen, die Angebote aus dem Ausland angenommen haben, um einen Sprung nach vorn zu machen und ihren Traum von der Profikarriere verwirklichen zu können. "Mein Leben hat sich innerhalb eines Jahres enorm verändert. Gestern habe ich noch studiert und gearbeitet, heute widme ich mich nur noch dem Fussball."

In ihrer ersten Saison im Ausland spielte Bonse in den Reihen des Sporting Club de Huelva eine Schlüsselrolle bei der Sicherung des Klassenerhalts in der ersten spanischen Liga. Sie bestritt 29 Spiele, stand bei 91 % der Spielminuten auf dem Platz und erzielte fünf Treffer, einschließlich des Siegtors im Auswärtsspiel gegen den FC Barcelona.

"Es war ein Traum, in dieser Liga spielen zu dürfen", meint Bonsegundo. "Woche für Woche trittst du gegen sehr starke Teams und Spielerinnen an. Doppelt so viel Training und dieser starke Wettbewerb haben mich spielerisch weiter gebracht."

Realität und Pragmatismus

Ihr Wechsel nach Europa fiel mit den Testspielen der Nationalmannschaft für die WM zusammen. Anfang des Jahres setzte es drei Niederlagen gegen die Republik Korea (0:5), Neuseeland (0:2) und Australien (0:3).

"Diese Ergebnisse ändern nichts", so die offensive Mittelfeldspielerin. "Das war der erste FIFA-Spieltag, an dem wir gegen andere WM-Teilnehmer angetreten sind. Das sind Fussballmächte und wir sind Realisten, aber die Spiele haben uns enorm weitergebracht und wir werden weiter an uns arbeiten."

Weit entfernt davon, sich entmutigen zu lassen setzte das Team von Carlos Borrello seine Vorbereitung Ende März mit einer Tour durch die USA fort.

Diesmal sah die Bilanz schon besser aus: Zwei Siege, ein Remis und eine Niederlage gegen Universitätsteams stehen zu Buche.

"Wir haben gezeigt, dass wir über Talente verfügen. Jetzt brauchen wir mehr Zeit zusammen, aber wir machen einen Sprung nach vorn und möchten Spuren hinterlassen", meint Bonsegundo. "Wir wissen, dass dies erst der Anfang ist. Der Anfang für eine Generation, die von sich reden machen wird."

Von der VR China nach Frankreich

Frankreich 2019 bietet die beste Bühne, um die Gegenwart und Zukunft des argentinischen Frauenfussballs zu präsentieren. Nach zwölf endlosen Jahren des Wartens ist die Albiceleste endlich wieder bei einer WM-Endrunde vertreten.

Wir fragen nach dem Ziel. "Argentinien hat noch kein einziges WM-Spiel gewonnen. Das möchten wir jetzt ändern. Das wäre ein historischer Erfolg", meint die Mittelfeldspielerin überzeugt.

Bei ihrer zweiten WM-Teilnahme treffen die Argentinierinnen in der kniffligen Gruppe D auf Japan und England – gegen das man bereits 2007 angetreten war – sowie auf Schottland, einen der vier Debütanten.

Ist es also besser, bei der Rückkehr auf die Weltbühne gegen sehr starke Teams anzutreten? "Das wird eine wirklich harte Gruppe werden, aber so können wir uns gleich zu Anfang sagen: 'Das ist die WM und so muss man spielen!' Argentinien wird kämpfen, und das Gute ist, dass wir immer gewinnen wollen."

Sie verabschiedet sich mit einem Traum. "Es wäre ein Traum, in die nächste Runde einzuziehen oder ein Tor zu erzielen und zu feiern und vielleicht auch noch zu gewinnen."

Träume sind etwas Schönes. Und die Argentinierinnen haben durchaus das Zeug dazu, sich ihre Träume zu erfüllen.

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