Wenn vier Mannschaften aus den Top 20 der FIFA/Coca-Cola-Frauenweltrangliste antreten, um in einem Mini-Turnier (2.-9. März in den Niederlanden) den letzten verfügbaren Startplatz für das Olympische Fussballturnier der Frauen in Rio 2016 untereinander auszuspielen, dann sind Spannung und enge Spiele vorprogrammiert. Schweden (8), Norwegen (10), Gastgeber Niederlande (12) und die Schweiz (20) haben dieses Ziel fest im Blick und wollen neben Deutschland und Frankreich als Vertreter Europas um eine Medaille kämpfen.

Mit jeder Menge Turniererfahrung im Gepäck reisen die Skandinavierinnen nach Rotterdam (in Den Haag wird nur die Begegnung zwischen der Schweiz und den Niederlanden ausgetragen, Anm, d. Red.). Schweden war, ebenso wie Norwegen, bei jeder Frauen-WM vertreten und fehlte bei keiner Ausgabe des Olympischen Fussballturniers. Norwegen war 2004 in Athen und 2012 in London zwar nicht dabei, ist aber der bisher einzige europäische Goldmedaillengewinner (2000 in Sydney).

Wird Erfahrung den Ausschlag geben?
“Für mich war die Olympia-Teilnahme das Größte in meiner Karriere. Ich möchte es auf jeden Fall wieder erleben. Ich bin eine der ältesten und erfahrensten Spielerinnen. Es ist meine letzte Chance, noch einmal an den Olympischen Spielen teilnehmen zu können. Ich werde mein Bestes geben”, sagte die norwegische Torjägerin Elise Thorsnes im exklusiven Interview mit FIFA.com.

An der Seite von Ada Hegerberg soll Thorsnes für Gefahr im gegnerischen Strafraum sorgen, langjährige Nationalspielerinnen wie Trine Rønning und Maren Mjelde für die nötige Sicherheit in der Defensive.

Auch auf schwedischer Seite kann man auf jede Menge Know-how zurückgreifen. An der Seitenlinie agiert Pia Sundhage, die als Trainerin mit den USA bereits zwei Mal olympisches Gold gewinnen konnte. Auf dem Weg nach Rio kann die 56-Jährige auf einen erstklassigen Kader zurückgreifen. Mit Nilla Fischer steht ihr eine der besten Abwehrspielerinnen der Welt zur Verfügung und mit Lotta Schelin die alleinige Rekordtorschützin Schwedens.

WM-Debütanten greifen nach dem Olympia-Ticket
Ob dies jedoch ein Vorteil ist, lässt sich im Vorfeld nicht mit Gewissheit sagen. Zwar konnten weder die Niederlande noch die Schweiz jemals am Olympischen Fussballturnier der Frauen teilnehmen, mit ihrem WM-Debüt im letzten Sommer stellten sie jedoch eindrucksvoll unter Beweis, dass sie mehr als Ernst zu nehmende Gegner sind.

In der Qualifikation für die UEFA Frauen-Europameisterschaft feierten die Schweizerinnen zuletzt deutliche Siege und wollen diesen Schwung mitnehmen. "Ich hoffe, dass wir dieses tolle Jahr 2015 für den Schweizer Frauenfussball insgesamt mitnehmen und in positive Leistungen ummünzen können", erklärte die Schweizer Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg im Gespräch mit FIFA.com. "Wir sind präsenter und stärker geworden. Wir wollen agieren und uns nicht verstecken. Wir wollen unser Spiel machen. Viele Spielerinnen, die in der Bundesliga aktiv sind, haben einen enormen Reifeprozess durchlebt und sich jede Woche dem Leistungsgedanken mit Haut und Haaren verschrieben."

Die Oranje Leeuwinnen können ebenfalls auf so manchen Trumpf im Ärmel zurückgreifen. Als Gastgeberinnen spielen sie vor heimischem Publikum und können auf die volle Unterstützung der Fans zählen. Nicht umsonst wird das Publikum oft als zwölfter Mann, in diesem Fall Frau, bezeichnet. Im Sturm wirbelt die gerade einmal 19 Jahre alte Vivianne Miedema, die für den Bundesligisten FC Bayern München spielt und als holländischer Messi bezeichnet wird. Spielführerin Mandy van den Berg unterschrieb erst Anfang des Jahres einen Vertrag in Liverpool.

"Nach der WM haben wir zueinander gesagt: Wir sind noch nicht fertig. Seitdem ist die Qualifikation für die Olympischen Spiele unser neues Ziel. Daran haben wir in den letzten Monaten gearbeitet. Eine EM oder WM zu spielen, ist offensichtlich groß. Aber die Olympischen Spiele sind der ultimative Traum eines jeden Athleten“, so Van den Berg auf der Internetseite OnsOranje. Spätestens am 9. März wissen wir, für wen sich dieser ultimativer Traum erfüllen wird.