Überraschend werden beim Olympischen Fussballturnier der Frauen im kommenden Jahr zwei Teams aus dem Süden des Kontinents die CAF-Zone vertreten. Simbabwe und Südafrika konnten sich in der entscheidenden Runde, die in den letzten zwei Wochen mit Hin- und Rückspiel ausgetragen wurde, durchsetzen und das Ticket nach Rio de Janeiro buchen.

Vor allem Trainer Shadreck Mlauzi schrieb mit der Qualifikation Simbabwes Geschichte. Es ist das erste Mal in der Fussballhistorie des Landes, dass sich eine Nationalauswahl der Mighty Warriors für ein weltweites Turnier qualifiziert. Das südafrikanische Team hingegen wird den Kontinent in Rio 2016 zum zweiten Mal in Folge bei Olympia vertreten.

Chance genutzt
Simbabwes Weg an den Zuckerhut war eine wahrhaftige Achterbahnfahrt, die dank der Auswärtstorregel und einem unerwarteten Rückzug der Elfenbeinküste ins Ziel führte. Nach einem Freilos starteten die Mighty Warriors in Runde zwei in die Qualifikation und bekamen es zunächst mit Sambia zu tun. Nach einem knappen 1:0-Sieg vor eigenem Publikum reichte es dank des Auswärtstors trotz der 1:2-Niederlage im Rückspiel zum Weiterkommen. In der dritten Runde konnten die Simbabwerinnen nicht nach Abidjan reisen, so dass das Hinspiel mit einem 3:0-Sieg für die Heimmannschaft gewertet wurde. Zunächst hieß es, dass damit die Westafrikanerinnen weiter seien und das Rückspiel ausfalle, doch diese Entscheidung wurde aufgehoben. Da die Elfenbeinküste ihr Team vor dem Rückspiel überraschend zurückzog, ging der Sieg an Simbabwe.

In der letzten Qualifikationsrunde trafen die Mighty Warriors auf Kamerun, den zweiten afrikanischen Vertreter von London 2012. Das Hinspiel in Yaoundé wurde 1:2 verloren, doch in der zweiten Partie vor heimischem Publikum in Harare gelang Rudo Neshamba in der achten Minute der Treffer des Tages, der Simbabwe das Ticket nach Olympia bescherte. Die Stürmerin hatte schon im Hinspiel gegen Kamerun das einzige Tor ihres Teams erzielt. Dieser Sieg verursachte eine Welle der Begeisterung im ganzen Land. Die Regierung versprach den Spielerinnen Sonderleistungen und organisierte eine Parade durch Harare in einem offenen Bus. "Wir haben vom ersten Tag an betont, dass wir von Großem träumen sollten. Deshalb ging es immer um diesen Traum und ich freue mich, dass wir ihn am Ende wahr machen konnten", sagte Mlauzi, der das Team erst kurz vor den Partien gegen Kamerun übernahm.

Neshamba weinte nach dem Sieg Freudentränen und hatte Mühe, ihre Emotionen auszudrücken: "Das ist etwas, wovon viele Teams lange geträumt haben, aber nie erreichen konnten. Es bedeutet dem Team und den Fans so viel." Auch die blumige Mitteilung des Sport- und Bildungsministers des Landes, Makhosini Hlongwane, sei an dieser Stelle nicht unterschlagen: "Die Trockenzeit der Freude ist vorbei. Heute verabschieden wir uns von der Mittelmäßigkeit. Der Fussball hat uns allen als Simbabwern die Freude zurückgebracht", hieß es, bevor dem Team für die Reise nach Rio alle Unterstützung versichert wurde.

"Banyana" wieder da
Während Simbabwes Weg nach Rio voller Hindernisse war, verlief die Qualifikation für Südafrika weitaus ruhiger. Die Banyana Banyana, die nach einer Niederlage in der Playoff-Runde gegen die Elfenbeinküste denkbar knapp die Qualifikation für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ verpasst hatte, setzte sich mühelos gegen Gabun und Kenia durch. In der abschließenden Runde aber stand sie gegen das Spitzenteam aus Äquatorialguinea vor einer großen Herausforderung.

Die Westafrikanerinnen hatten in der Runde zuvor den neunmaligen Afrikameister und dreimaligen Olympia-Teilnehmer Nigeria aus dem Rennen geworfen und rangen den Südafrikanerinnen im Hinspiel ein torloses Unentschieden in der Fremde ab. Doch in Bata mussten sie mit Entsetzen miterleben, wie Jermaine Seoposenwe nach einer knappen Stunde den einzigen Treffer des Spiels erzielte und ihr Team damit nach Rio führte.

Die südafrikanische Kapitänin Janine van Wyk verriet FIFA.com, dass sich die zweite Halbzeit in Bata für alle wie eine komplette Partie angefühlt habe: "Es ging immer weiter und dauerte endlos lang. Wir verteidigten wie verrückt, und als der Schlusspfiff ertönte, fielen wir alle zu Boden. Es war ein Wahnsinnsgefühl, vor allem der Erleichterung, dass sich all die harte Arbeit ausgezahlt hatte."

"Wir fühlten uns wie auf dem Gipfel der Welt und waren einfach nur froh, dass wir nicht noch einmal diese Enttäuschung nach der verpassten WM-Qualifikation durchmachen mussten. Nun wollen wir bei den Olympischen Spielen eine gute Leistung zeigen und über die Gruppenphase hinauskommen. Ich bin sehr stolz, dass wir den Durchhaltewillen und die Motivation hatten, nach zwei erfolglosen Turnieren wieder zurückzukommen."

Arbeit und Erfahrung
Der südafrikanische Technische Direktor für Frauenfussball, Frank Hilton-Smith, bestätigte, wie wichtig die Qualifikation für Rio für den südafrikanischen Frauenfussball war. "Nach dem verpassten Versuch, uns für Kanada zu qualifizieren, mussten wir uns neu formieren und auf Olympia konzentrieren."

Hilton-Smith zollte außerdem dem Nachbarn aus Simbabwe seinen Respekt. "Ihre Qualifikation ist großartig für den Frauenfussball in der Region. Es ist ein entschlossenes Team, das kaum finanzielle Unterstützung hat. Im Dezember war ich dort bei einem Trainerkurs der FIFA, und sie sind so begeistert und engagiert. Ich bin sehr stolz auf die simbabwischen Frauen, zu denen wir eine enge Beziehung pflegen."

In London fiel die Bilanz Südafrikas mit zwei Niederlagen und einem Unentschieden in der Gruppenphase nicht besonders erfolgreich aus. "Dieses Mal werden wir aber definitiv besser vorbereitet sein. Die meisten Spielerinnen waren in London dabei und haben den Weltfussball kennen gelernt. Einige gehörten auch zum Kader der U-17-Auswahl, die 2010 in Trinidad und Tobago dabei war. Außerdem hoffen wir, einige Partien gegen Spitzenteams wie Frankreich, Deutschland oder die USA bestreiten zu können, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo wir stehen und woran wir arbeiten müssen."