Olympische Fussballturniere Rio 2016 - Frauen

3 August - 19 August

Olympische Fussballturnier 2016 - Frauen

Hearn: "Olympia raubt mir immer noch den Atem"

© Getty Images

Wenn man ihre Vita liest, dann klingt diese ziemlich beeindruckend: Zwei WM- und Olympia-Teilnahmen, die dritte steht kurz bevor. Darüber hinaus Rekordtorschützin ihres Heimatlandes. Von wem die Rede ist? Von der Neuseeländerin Amber Hearn, die in der deutschen Bundesliga für den FF USV Jena aktiv ist.

Im Februar 2004 gab sie ihr Debüt im Dress der Football Ferns und durfte 2008 in Peking erstmals Olympia-Luft schnuppern. "Die WM hat im Fussball sicher den höheren Stellenwert, aber die Olympischen Spielen sind etwas, dass man in seinem Lebenslauf haben möchte", resümiert Hearn im Gespräch mit FIFA.com. "Man befindet sich in einer anderen Kultur, umgeben von anderen Athleten. Es ist überwältigend. Man geht in das Olympische Dorf und sieht all die verschiedenen Nationalitäten, Athleten, Formen und Größen. Die Olympischen Spiele sind etwas, das man schätzen und erleben muss. Ich habe es zweimal erleben dürfen und es raubt mir immer noch den Atem."

Während 2008 für Neuseeland bereits in der Vorrunde Schluss war, schafften Hearn und ihr Team vier Jahre später in London den Sprung ins Viertelfinale, wo sie dem späteren Sieger USA unterlagen. Um in diesem Jahr wieder so weit zu kommen, müssen die Football Ferns einen beschwerlichen Weg bestreiten. In Staffel F warten mit Titelverteidiger USA, Frankreich und Kolumbien wahrlich keine leichten Gegner.

Vorbereitung? Schwierig!
"Das erste, was mir in den Sinn kam, als ich unsere Gruppe sah, war: 'Yupp, definitiv die härteste Gruppe.' Wir haben starke Gegner und gegen alle drei Teams bereits gespielt. Die USA sind ein tolles Team und die Nummer 1 der Weltrangliste. Sie verfügen über hochklassige Spielerinnen. Das gilt auch für Frankreich und Kolumbien. Es liegt an uns, diese Herausforderung anzunehmen und ein Zeichen zu setzen."

Es bleiben noch rund drei Monate, um sich auf die Gruppenphase vorzubereiten. Doch genau diese Vorbereitung erweist sich für die Neuseeländerinnen als äußerst schwierig. "Die Opfer, die wir alle für unser Team bringen, machen den Mädchen alle Ehre. Wir haben nicht wirklich viel Zeit, um uns auf die Spiele vorzubereiten. Was die meisten Menschen nicht wissen, ist, dass fast jeder im Ausland lebt", erläutert die 31-Jährige die Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben. "Die Mehrheit der Spielerinnen ist auf der ganzen Welt verteilt. Der Rest lebt in Neuseeland. Es ist so viel schwieriger für uns, als zum Beispiel für Deutschland. Der Großteil spielt in Europa. Da ist dann vielleicht eine Stunde Flugzeit, um ins Trainingslager zu kommen. Nach Neuseeland reist man um die halbe Welt."

Trotzdem ist Hearn ganz zufrieden. Beim Algarve Cup erreichte Neuseeland das Spiel um Platz drei, das im Elfmeterschießen gegen Island verloren ging. In einem Freundschaftsspiel gegen die Niederlande gab es zuletzt eine Niederlage. "Die Vorbereitung ist gut, die Ergebnisse sind es weniger. Einige Dinge laufen gut, hier und da fehlt noch etwas", fasst die zweifache Ozeanienmeisterin zusammen.

Erfahrung? Wichtig, aber nicht alles!
"Defensiv sind wir ein solides Team. Persönlich finde ich, dass wir vor dem gegnerischen Tor abgebrühter und angriffsorientierter werden müssen. So werden Spiele gewonnen. Wir müssen uns mehr darauf konzentrieren, regelmäßig zu gewinnen und Spiele frühzeitig zu entscheiden, anstatt hinterherzulaufen und diese mit einem Unentschieden zu beenden."

Wer Spiele gewinnen will, muss Tore schießen, lautet nicht umsonst eine viel zitierte Binsenweisheit. Für die quirlige Stürmerin weniger das Problem. Mit 50 Treffern avancierte Hearn zur Rekordschützin Neuseelands und gehört mit über 100 absolvierten Länderspielen zu den erfahrenen Spielerinnen.

"Statistisch gesehen sollte man mehr Spiele gewinnen, wenn man mehr erfahrene Spieler in seiner Mannschaft hat. Im Fussball erlangt man so viel Erfahrung, wenn man in einem Team spielt. Das Spiel entwickelt sich jeden Tag. Da gibt es so viele junge Spieler und unterschiedliche Talente. Der Fussball hat  in den letzten Jahren dramatische Fortschritte gemacht. Es gibt da draußen so viele talentierte Spieler", zeigt sich die torgefährliche Jena-Spielerin bescheiden und glücklich über das, was sie bisher erreicht hat. Auch wenn sie noch einen Traum hat.

"Ruhestand", sagt sie mit einem herzhaften Lachen. "Kleiner Scherz. Jeder träumt davon bei einem großen Turnier spielen zu dürfen, bei einer WM dabei zu sein. Mein Traum ist es, eine Medaille mit nach Hause zu bringen. Für mich persönlich? Ich denke, dass ich erreicht habe, was ich wollte - glaube ich", schließt sie das Interview mit einem weiteren Lachen ab.

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