Olympisches Fussballturnier der Frauen Tokio 2020

Olympisches Fussballturnier der Frauen Tokio 2020

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Tokio 2020 - Frauen

Doppelstar McCormick visiert Olympia an

Jenna McCormick in action for Australia against Chile at Coopers Stadium, Adelaide, November, 2019
© Getty Images
  • Jenna McCormick war letztes Jahr in zwei Sportarten auf Eliteniveau aktiv
  • Innenverteidigerin hofft auf Olympiateilnahme mit Australien
  • Frankreich 2019 war ein Ansporn für McCormick

Jenna McCormick ist keine gewöhnliche Sportlerin. Als sie noch zur Schule ging, war ihr Name immer der erste, der gerufen wurde, wenn zwei Jungen auf dem Schulhof in altehrwürdiger Manier abwechselnd Spieler für ihr Team auswählten. Rückblickend hatten diese Jungen genau den richtigen Riecher.

Anfang 2019 stand McCormick dann für die Adelaide Crows auf dem Platz und gewann mit dem Team vor 50.000 Zuschauern die Meisterschaft im Australian Football. Das Ereignis war ein Meilenstein und die Zuschauerzahl bis vor einigen Tagen nationaler Rekord für eine Frauensportveranstaltung in Down Under.

Als sie die Zahl auf der Anzeigetafel aufleuchten sah, lief McCormick laut eigener Aussage ein Schauer über den Rücken. Eine Karriere im Australien Football, der Sportart, die in Australien die meisten Zuschauer anzieht, schien ihr sicher zu sein.

Doch dann lief sie Ende des Jahres für das australische Fussballnationalteam auf. Bei ihrem Debüt für die Matildas legte sie als Innenverteidigerin einen sicheren und selbstbewussten Auftritt hin, obwohl ihre Gefühlswelt offensichtlich eine ganz andere war. Nach der Partie gegen Chile im November gestand die 25-Jährige, dass sie kurz davor war, sich "die Augen auszuheulen".

McCormick hat seit ihrem Debüt in der W-League im Jahr 2012 eine ungewöhnliche Entwicklung durchlaufen, die eher einer Achterbahnfahrt als einem konstanten Aufwärtstrend gleicht. In der W-League zählte sie immer zu den Leistungsträgerinnen im Hintergrund, doch noch vor zwei Jahren war sie kurz davor, die Fussballschuhe an den Nagel zu hängen. Nun hat sie bei ihren vier Länderspieleinsätzen seit ihrem Nationalteamdebüt im November kaum etwas falsch gemacht.

Und plötzlich träumt sie von einer Olympiateilnahme. Das Hinspiel der Playoff-Runde für das Olympische Fussballturnier Tokio 2020 konnten die Australierinnen am letzten Freitag mit 5:0 für sich entscheiden. Nun steht morgen das Rückspiel in Vietnam an.

Vor vier Jahren hat McCormick sich den Auftritt der Matildas bei der Olympiade in Rio noch im Fernsehen angeschaut und nicht im Entferntesten davon geträumt, eines Tages vielleicht selbst auf dieser exklusiven Bühne zu stehen.

"Ich habe mir die Spiele angeschaut, aber ich bin überhaupt nicht auf die Idee gekommen, dass sich diese Möglichkeit eines Tages für mich selbst ergeben könnte. Wenn ich ehrlich bin, dachte ich immer, ich sei nicht gut genug", so McCormick im Gespräch mit FIFA.com. "Ich hatte das überhaupt nicht auf dem Schirm. Erst in den letzten beiden Jahren habe ich begonnen, daran zu glauben, dass ich das Spitzenniveau erreichen kann."

"Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich mich spielerisch gesteigert habe. Meine Einsätze in den letzten sechs Monaten haben mich noch weitergebracht."

Anders als viele ihrer ehemaligen Teamkameradinnen im Australian Football, kommt McCormick aus einer eingefleischten Fussballfamilie. Ihr Vater Brian war in Mount Gambier ein legendärer Spieler des örtlichen Fussballklubs, und Jenna hatte schon im Alter von zwei Jahren einen Ball am Fuß.

Doch trotz dieser engen Bande war McCormick nach einem unglücklichen Intermezzo in Norwegen und dem lockenden Ruf des Australian Football drauf und dran, in ihrem Sportleben eine neue Richtung einzuschlagen. 

"Meine Verbesserung war ein ziemlich großes Puzzle. In den letzten vier Jahren sind viele Dinge passiert, die mich an diesen Punkt gebracht haben", meint sie. 

"Anfang 2018 war ich mir ziemlich sicher, dass ich nur noch AFL [Australian Football] spielen würde, und damals war ich auch zufrieden damit."

"Dann kam aber ziemlich schnell die Kehrtwende, ich habe meine Liebe zum Fussball wiederentdeckt und mir wurde bewusst, dass ich vielleicht wirklich die nächste Stufe erklimmen kann." 

Ein zusätzlicher Anreiz waren die Spiele der Matildas bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019™. McCormick hatte plötzlich das Gefühl, dass es noch "unerledigte Aufgaben" für sie gab. 

"Ich habe mir die WM-Spiele angeschaut, und das war für mich ein Ansporn. Ich beschloss, dass ich mich für eine der beiden Sportarten entscheiden musste. Deshalb stehe ich jetzt da, wo ich heute stehe."

"Ich hatte auf jeden Fall die Olympischen Spiele im Hinterkopf, und danach strebe ich jetzt. Ich habe Opfer gebracht, um so weit zu kommen, und ich möchte auf der Kaderliste stehen."

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