Frauenfussball

Zwei Frauen aus Spanien als Wegbereiterinnen

Erica Hernández, head of medical services of Quingdao Huanghai FC
  • Frauen sind im Männerfussball nach wie vor eine Seltenheit
  • Erica Hernández in China und 'Mulán' in Spanien zählen zu den Ausnahmen
  • Sie berichten über ihre Erfahrungen und Barrieren, die es noch zu durchbrechen gilt

Jedes Mal, wenn sich ein Spieler des chinesischen Klubs FC Qingdao Huanghai verletzt, eilt Erica Hernández auf den Platz, um ihm zu helfen. Die Spanierin ist, gemeinsam mit ihrem Mann Jordi Escura, Leiterin des medizinischen Dienstes des Klubs und die einzige Frau, die dem Betreuerstab eines Klubs der chinesischen Super League angehört.

In Valencia stellt Nuria Sánchez eine weitere Abweichung von der Norm da. Mulán, wie sie auch genannt wird, ist die einzige Rehatrainerin im spanischen Männerfussball. Nach einer erfolgreichen Spielerinnenkarriere arbeitet sie täglich mit den vielversprechenden Talenten des Klubs.

Die beiden verbindet ihre Leidenschaft für Sport und Gesundheit und die Lust, immer weiter zu lernen. Im Gespräch mit FIFA.com berichten sie über ihre Erfahrungen und teilen ihre Ansichten zu Frauen im Männerfussball. Welcher Schritt steht als nächster an, damit Fälle wie ihre nicht die Ausnahme bleiben?

Erica Hernández, treats Romain Alessandrini, of Quingdao Huanghai FC

Erica Hernández: Vom Kulturschock zum Erlernen neuer Therapien

  • Ausbildung: Abschluss als Sportlehrerin und Physiotherapeutin, Erfahrung als Dozentin an der Universität
  • Position: Leiterin des medizinischen Dienstes des FC Qingdao Huanghai seit 2016
  • Info: Qingdao bestreitet seine erste Saison in der ersten chinesischen Liga.

Nach einer ersten Erfahrung in Thailand kamen Erica und ihr Mann Jordi 2016 in China an, wo sie den medizinischen Dienst von Qingdao leiten sollten. Sie bilden seit Jahren ein Team. "Uns gibt es nur im Doppelpack", meint sie gut gelaunt. "Was er am besten kann, fällt mir schwer und umgekehrt. Also macht am Ende jeder von uns das, was er am besten kann, und wir sind perfekt aufeinander eingespielt."

Sie räumt ein, dass China ein Land ist, das sie noch immer überrascht. "Sie haben eine ganz andere Denkweise. Eine Sache, die mich am Anfang wirklich sprachlos gemacht hat, war, dass man hier glaubte, es sei nicht gut, einem Spieler mehr Zeit zu widmen, weil der Körper allein arbeiten muss!"

Die Lösung ist laut Hernández geduldiges Abwarten, dann würden sich die Dinge von selbst erledigen. Außerdem muss man Neuem gegenüber aufgeschlossen sein. "Es gibt hier durchaus Therapien, die funktionieren, und die weder besser noch schlechter sind als unsere. Ich bin immer offen für neue Dinge. Wenn wir Schröpfgläser aufsetzen, Akupunktur oder Kräuter anwenden sollen, dann tun wir das."

Einen Kulturschock gab es für sie auf allen Ebenen, von der Sprache bis hin zu den Auswirkungen des Aberglaubens. "Unserem Trainer wurde gesagt, es sei nicht normal, dass Frauen gemeinsam mit der Mannschaft reisen oder sich bei den Spielen auf die Bank setzen, weil sie Unglück brächten. Also fragte ich: 'Wie kann es sein, dass sie Unglück bringen? Schließlich hat es bisher noch keine gegeben!", meint sie lachend.

Trotz all dieser Anekdoten ist Hernández begeistert von ihrer China-Erfahrung. Gleiches gilt für die Spieler. "Ich habe eine perfekte Beziehung zu ihnen. Wenn du professionell arbeitest, eine gute Ausbildung hast und in einer Umkleidekabine zurechtkommst, gibt es kein Problem."

Welche Barriere gilt es zu durchbrechen, damit es bald mehr Ericas im Männerfussball gibt? "Die Barrieren sind eine Mischung aus Bequemlichkeit ('Das haben wir immer so gemacht') und Unkenntnis. Ich bin überzeugt davon, dass bei den Teams, für die ich tätig war, auch andere Frauen Chancen haben werden, weil die Erfahrung mit mir positiv war."

Nuria Sánchez, member of Valencia's youth team staff
© Jorge Ramírez | Valencia CF

Mulan: Eigene Erfahrung auf die Spieler anwenden

  • Ausbildung: Abschluss am Instituto Nacional de Educación Física (INEF), 3 Master-Abschlüsse und ein Doktortitel in Sport und Geschlechterperspektive. Sie ist ausgebildete Trainerin.
  • Position: Rehatrainerin beim FC Valencia Mestalla, der zweiten Mannschaft des FC Valencia
  • Info: Ehemalige Profispielerin, die unter anderem beim FC Valencia, bei Real Sociedad San Sebastián, Leeds United und Villarreal aktiv war

Für Mulan war immer klar, dass es ihr nicht möglich sein würde, vom Fussball zu leben. Daher hat sie neben dem Sport immer studiert. "Mein Tagesablauf sah so aus: Ich stand auf, ging morgens in die Uni, dann hatte ich eine Stunde Zeit zum Mittagessen, sprang ins Auto und absolvierte meine Trainerinnenausbildung. Der Kurs ging bis 19:00 Uhr. Von 20:00 bis 22:00 Uhr trainierte ich dann."

Daher kann sie nur lachen, wenn einige der von ihr betreuten Spieler sich beschweren, weil sie am Nachmittag ein paar Unterrichtsstunden haben. "Wenn ich das sehe, sage ich zu ihnen: 'Stellt euch nicht an Jungs, ich hatte noch nicht mal Zeit für eine Beziehung, Treffen mit Freunden und schon gar nicht für Partys.'"

Nuria Sánchez, member of Valencia's youth team staff
© Jorge Ramírez | Valencia CF

Die vielen Opfer, die sie gebracht hat, haben sich gelohnt. Im Alter von 30 Jahren hilft sie nun nach einer ersten Etappe in der Nachwuchsabteilung von Villarreal ihren Schützlingen von der zweiten Mannschaft dabei, nach Verletzungen wieder fit zu werden. Manchmal sind die Spieler fast wie Familie für sie. "Bei langwierigen Verletzungen wie Knieverletzungen, die sich über sechs bis acht Monate hinziehen, verbringen sie oft mehr Zeit mit mir als mit ihrer Freundin", meint sie lachend.

Nach der anfänglichen Überraschung, eine Frau im Team zu haben, vertrauen die Spieler ihr zu 100 Prozent. "Wenn sie sehen, dass du gut arbeitest und die Sache ernst nimmst, dass das, was du ihnen sagst, auch funktioniert und sie am Ende in Raketengeschwindigkeit über den Platz düsen, dann hast du sie in der Tasche." Außerdem weiß sie als ehemalige Spielerin genau, was in ihren Köpfen vorgeht. "Ich hatte zig Verletzungen, und am Ende behandelst du die Spieler so, wie du gern behandelt werden würdest."

Mulan würde gern mehr Frauen auf Positionen wie der ihren sehen und glaubt, dass zwei Faktoren für einen Wandel entscheidend sind: "Zum einen muss der Klub, wie in diesem Fall Valencia, Fachkräfte unabhängig davon einstellen, ob es sich um Männer oder Frauen handelt. Zum anderen musst du alles geben, wenn du die Chance bekommst."

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