Freestyle

Zimouche öffnet mit Freestyle Türen

Lisa Zimouche (Freestyle)
© Others
  • Lisa Zimouche ist ein Star im Freestyle-Fussball
  • Mehr als 2 Mio. Menschen folgen ihr bei Instagram
  • Die Französin öffnet folgenden Generationen viele Türen

"Ich weiß nicht, ob ich heute ein Vorbild bin. Auf jeden Fall möchte ich den Leuten zeigen, dass Mädchen, die Fussball spielen, etwas völlig Normales sind. Wenn ich junge Frauen dadurch inspirieren kann, dann habe ich mein Ziel erreicht", sagt Lisa Zimouche im Gespräch mit FIFA.com. Heute ist die 21-jährige Französin mit algerischen Wurzeln ein Weltstar im Freestyle-Fussball – allein auf Instagram folgen ihr über zwei Millionen Menschen. In ihren Videos zeigt sie unglaubliche Tricks und Kabinettstückchen, die selbst die größten Fussballer staunen lassen.

Ihren Anfang nahm die Geschichte von Lisa Zimouche vor dem Haus ihrer Eltern. Inspiriert von den Erfolgen der französischen Nationalmannschaft um ihre Idole Zinédine Zidane, Franck Ribéry oder auch Samir Nasri unternahm sie dort ihre ersten Versuche mit dem Ball. "Als ich anfing, hatte ich ausschließlich männliche Spieler als Vorbild. Ich kannte zwar einige Spielerinnen wie Louisa Necib, mit der man mich später manchmal verglichen hat, aber das war eher am Rande. Heute ist der Frauenfussball viel sichtbarer geworden, was sich an vielen Beispielen festmachen lässt. Ich möchte Frauen dabei unterstützen, mehr Selbstbewusstsein zu gewinnen – sei es durch Freestyle oder durch Sport im Allgemeinen."

Anfangs war Zimouche "nicht besser als der Durchschnitt", wie sie selbst sagt. "Da ich in einer Mannschaft spielte, in der es eigentlich nur Jungs gab, musste ich jedoch doppelt so hart arbeiten, um mir meinen Platz zu erkämpfen. Selbst als ich bei mir zu Hause spielte, musste ich mich durchsetzen und zeigen, dass ich richtig kicken kann. Das war einfach so."

Als sie schließlich ihren Platz gefunden hatte, sah sie sich immer wieder sexistischen Vorurteilen gegenüber, die sie dann mit dem Ball am Fuß zerstreuen durfte: "Unsere Gegner spuckten oftmals große Töne. Sie sagten, dass sie uns schlagen würden, weil wir ein Mädchen in unserem Team haben. Doch das hat mich nur zusätzlich motiviert. Ich wollte ihnen zeigen, dass sie auf dem Holzweg waren", erinnert sie sich.

Eines Tages entdeckte die Ballkünstlerin den Freestyle für sich – sie war sofort Feuer und Flamme: "Ich kann mich noch genau daran erinnern, als es Klick gemacht hat. Ich war zehn und habe mich für ein Straßenfussballturnier angemeldet. Dort waren dann ein paar Freestyler, die ihre Show präsentiert und einen Workshop veranstaltet haben. Das hat mir die Augen geöffnet, es war Liebe auf den ersten Blick. Danach habe ich jeden Tag trainiert. Ich habe mir unzählige Videos im Internet angeschaut und versucht, die ganzen Tricks nachzumachen", so Zimouche weiter.

"Im Freestyle gibt es so viel zu lernen, dass ich immer weiter trainiert habe, um den nächsten Trick zu beherrschen. Nehmen wir beispielsweise den Around the World. Ich war noch klein und habe den Trick immer und immer wieder bei mir zu Hause geübt, bis er mir endlich gelungen ist. In den Anfangsjahren habe ich bis zu fünf Stunden pro Tag trainiert."

Neben ihrer neuen Leidenschaft Freestyle spielte sie parallel weiterhin Fussball und schaffte es in der Altersklasse der 14- bis 16-Jährigen sogar zu Paris Saint-Germain. Diese Erfahrung lehrte sie die nötige Disziplin und Ausdauer, um ihre Ballkunst weiter zu perfektionieren. Mit 15 wurde sie Weltmeisterin in der Variante Panna, wo es darum geht, seine Gegner zu tunneln. Daraufhin explodierten die Klickzahlen ihrer Videos und ihre Karriere nahm richtig Fahrt auf.

Heute hat Zimouche die ganze Welt bereist und Millionen Views mit ihren überaus kreativen Videos generiert. "Ich lasse mich von all meinen Eindrücken inspirieren. Das kann Musik sein oder auch andere Sportarten, die mir gefallen – zum Beispiel Basketball. Auch Orte, die ich bereise, dienen mir als Inspirationsquelle. Manche meiner Videos plane ich im Voraus, andere sind pure Improvisation – das ist das Wahre am Freestyle!"

Gemeinsam mit anderen Vorkämpferinnen wie Melody Donchet hat sie zukünftigen Generationen junger Mädchen den Weg geebnet, ihrer Kreativität mit einem Ball Ausdruck zu verleihen und die Grenzen des traditionellen Fussballs zu überwinden – in einer Disziplin, in der nahezu alles erlaubt ist.

Welchen Rat würde die Ballartistin anderen geben, die ihr nacheifern wollen? "Man braucht Leidenschaft. Denn Leidenschaft ist der Antrieb für harte Arbeit. Das gilt für alle Bereiche. Natürlich muss man auch am eigenen Selbstvertrauen arbeiten, um sich nicht von äußeren Einflüssen ablenken zu lassen. Und man braucht Instinkt. Als ich noch ein Kind war, habe ich immer wieder gehört, dass das, was ich mache, nicht gut für mich sei und mich absolut nicht weiterbringen würde. Doch tief in meinem Innersten wusste ich genau, dass das nicht stimmte."

Bedeutende Begegnungen ...

Paul Pogba und Presnel Kimpembe

Diese beiden Spieler sind sehr zugänglich und unkompliziert. Wir haben uns gleich verstanden, vielleicht auch, weil wir aus einem ähnlichen Umfeld stammen. Ich habe großen gegenseitigen Respekt gespürt, da sie meine Videos schauen. Paul Pogba hat mich besonders beeindruckt: Ich habe ihn zum ersten Mal 2015 bei einem Werbedreh kennengelernt und er hat Tricks auf Lager, die manche Freestyle-Profis nicht hinbekommen.

Usain Bolt

Diese Begegnung hat mich sehr geprägt. Er ist einerseits eine Legende, andererseits aber auch ein unkomplizierter Typ mit unglaublich viel Energie. Er liebt den Fussball und fühlt sich immer zum Ball hingezogen. Man kommt total leicht mit ihm ins Gespräch.

Neymar

Als ich ihn traf, war er verletzt. Daher konnte ich ihn nicht live spielen sehen. Doch wenn man ihm auf dem Rasen zuschaut, dann spürt man seine enge Verbindung zum Ball. Das kennt man von der Freestyle-Kultur oder den Futsal-Spielern, die den Ball oft mit der Sohle streicheln.

Zinédine Zidane

Ich war zu einem Turnier in seinem Fussballzentrum "Z5" in Marseille eingeladen. Dort habe ich es mit seiner ganzen Familie aufgenommen (lacht) – ich durfte gegen seine Söhne, seine Neffen und ihn selbst spielen. Das war beeindruckend, weil man gleich gespürt hat, dass sie eine verschworene Einheit sind und dass sie häufiger zusammenspielen. Sie verstehen sich blind. Zizou macht völlig verrückte Dinge, ohne es dabei zu übertreiben. Er ist ein echter Künstler am Ball und seine Qualitäten kommen beim Fünf-gegen-Fünf voll zur Geltung.

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