Frauenfussball

Yokoyama: Traumtore und konkrete Ziele

Kumi Yokoyama of Japan poses for a portrait
© Getty Images
  • Kumi Yokoyama hat vor zehn Jahren ein Traumtor erzielt
  • Seither hat sie die durch dieses Tor geweckten Erwartungen erfüllt
  • Jetzt ist sie in den USA aktiv

Mit 16 Jahren und einer Körpergröße von gerade einmal 1,55 Metern lief Kumi Yokoyama für die jungen Nadeshiko auf und zog im Halbfinale der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft 2010 viele Blicke auf sich. Sie dribbelte sechs Nordkoreanerinnen aus und erzielte anschließend eines der schönsten Tore in der Geschichte des Frauenfussballs. Dieses Juwel, mit dem sie im selben Jahr für den Puskás-Preis nominiert wurde, war die Geburtsstunde einer Spielerin, deren Talent in der Folge mehr und mehr zutage trat.

"Dieses Tor war ein Wunder! Ich stehe nur deswegen da, wo ich jetzt stehe", erklärt die japanische Angreiferin am Mikrofon von FIFA.com. "Dieses Tor hat sehr viel Aufmerksamkeit erregt und mich ziemlich unter Druck gesetzt, aber ich habe viel daraus gelernt. Durch die Erfahrung, die ich gesammelt habe, konnte ich einige Hindernisse überwinden, mit denen ich auf meinem Weg konfrontiert war."

Nadeshi-K.O.

Zehn Jahre sind seit diesem persönlichen Erfolg vergangen, und die Japanerin kann auf eine hervorragende Entwicklung zurückblicken – und zwar in jeder Hinsicht. Ihre 43 Einsätze und 17 Tore für das A-Nationalteam ihres Landes und die Teilnahme an der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2019™ sind allein schon ein Beleg für den langen Weg, den sie zurückgelegt hat.

"In meinen Augen habe ich noch nichts erreicht. Ich bin nur bis zum Achtelfinale der WM gekommen", bremst sie. "In unserem Nationalteam gibt es derzeit sowohl auf kollektiver als auch auf individueller Ebene Mängel. Auf uns wartet viel Arbeit, und das gilt auf jeden Fall auch für mich. Unsere Vorgängerinnen haben das Fundament gegossen. Jetzt ist es an uns, den Grundstein für das Gebäude zu legen!"

Tatsächlich kämpft das Land der aufgehenden Sonne nach der Niederlage im Finale der WM 2015 darum, wieder an die Erfolge des letzten Jahrzehnts anzuknüpfen. Japan ist in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste nicht mehr unter den ersten zehn. Die Zeiten, in denen die Nadeshiko mit den USA konkurrieren konnten, die sie beim letzten Zusammentreffen im Rahmen des SheBelieves Cups erneut besiegten (3:1), scheinen in weite Ferne gerückt zu sein.

"Unsere Vorgängerinnen haben die Messlatte hoch gelegt, sie haben Geschichte geschrieben. Ihnen haben wir es zu verdanken, dass der japanische Fussball heute einen so guten Ruf genießt. Das sollte man immer im Auge behalten. Wir müssen diesem Ruf gerecht werden", so ihre Analyse. "Aber ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass Japan sich im Augenblick das Ziel setzen kann, mit den USA mitzuhalten."

Der amerikanische Traum

Kumi Yokoyama kann das sicher besser beurteilen als jede andere. Nachdem sie in der J-League glänzen konnte und beim 1. FFC Frankfurt Erfahrung in der deutschen Frauen-Bundesliga gesammelt hat, spielt die Japanerin seit Anfang des Jahres nämlich in den USA. Dort steht sie bei Washington Spirit unter Vertrag.

"Damit geht für mich ein Traum in Erfüllung. Nicht jeder bekommt die Chance, sich im Land der Weltmeisterinnen weiterzuentwickeln. Ich bin dem Klub sehr dankbar, dass er diese Chance einer Spielerin gegeben hat, die weit davon entfernt ist, korrektes Englisch zu sprechen", erklärt Yokoyama, die aufgrund der COVID-19-Pandemie noch kein einziges Spiel für ihren Klub bestreiten konnte.

Doch die Zwangspause hat die Begeisterung der Stürmerin keinesfalls gedämpft: "Ich will noch höher hinaus", meint sie entschlossen. Mein Ziel ist es, mich als Persönlichkeit weiterzuentwickeln, neue Dinge zu entdecken und als Spielerin Erfahrung zu sammeln, und zwar in der amerikanischen Meisterschaft, im japanischen Nationalteam oder anderswo.

Yokoyama hat sich nach oben keine Grenze gesetzt: "Mein ultimativer Traum ist es, mich in einem Männerteam in einer ausländischen Liga weiterentwickeln zu können", meint sie mit einem breiten Lächeln und fügt noch hinzu: "Ich gebe mich auch mit der japanischen Meisterschaft zufrieden!"

Yokoyama versteht die Kunst, erstaunliche Tore zu erzielen ... und sich erstaunliche Ziele zu setzen!

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