• Colin Bell ist der erste Vollzeittrainer der Frauen-Nationalmannschaft der Republik Irland
  • Der Engländer holte mit dem FFC Frankfurt die Krone in der UEFA Women's Champions League
  • In der WM-Qualifikation trifft Irland auf starke Gegner wie Norwegen und die Niederlande

Die Republik Irland hatte sich noch nie für ein großes Turnier qualifiziert, als die Verbandsführung 1985 eine ambitionierte Entscheidung fällte. Damals wurde die englische Fussballlegende Jack Charlton als erster ausländischer Trainer des Teams verpflichtet. Sein Amtsantritt war auch ein Zeichen dafür, dass weit reichende Veränderungen nötig waren.

Die Entscheidung sollte sich auszahlen: Die Iren qualifizierten sich für die nächste UEFA Europameisterschaft und auch für die nächste FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™. Dort sorgten sie für unvergessliche Fussballmomente, legten die Messlatte hoch und verhalfen dem Fussball landesweit zu ungeahnter Beliebtheit.

32 Jahre später hat man nun auch bei der Frauen-Nationalmannschaft einen ebenso bedeutenden wie ambitionierten Schritt gewagt. Auch hier wurde mit Colin Bell ein Engländer verpflichtet, der das Team zudem als erster Vollzeittrainer betreut.

Bell ist zwar gebürtiger Engländer, doch 1982 zog er nach Deutschland, wo er seine Karriere startete und sich einen Ruf als Erfolgstrainer aufbaute. Entsprechend ist auch seine Fussballphilosophie durch und durch deutsch geprägt. Bell ist überzeugt, dass sein neues Team viel von den fussballerischen Qualitäten seiner Wahlheimat lernen kann. Schließlich ist Deutschland amtierender Weltmeister bei den Männern und Olympiasieger bei den Frauen.

Im Gespräch mit FIFA.com sagte Bell: "Irland ist eine sehr sportliche Nation. Bei den meisten hier beliebten Sportarten spielen physische Kraft und Härte eine wichtige Rolle. Genau das sehe ich auch bei unseren Fussballfrauen: Sie sind bereit, sich voll reinzuhängen, auch wenn es wehtut. Das ist eine großartige Mentalität. Ich liebe diese Leidenschaft."

"Zusätzlich will ich hier auch die deutsche Mentalität fördern, die ich in meiner Karriere kennen gelernt habe und die mir sehr geholfen hat. Das bedeutet, stets gut organisiert zu sein. Man muss unter Druck mentale Stärke beweisen und in den entscheidenden Momenten unbarmherzig zuschlagen."

"Die Deutschen sind eigentlich immer ganz weit vorn mit dabei, wenn es um die Trophäen geht, bei den Männern ebenso wie auch bei den Frauen. Denn sie haben verinnerlicht, dass Leidenschaft allein nicht ausreicht, um Turniere zu gewinnen, und auch nicht technische Stärke allein. Es müssen einfach alle Zutaten stimmen."

Raum für Verbesserungen
Welche Zutaten zusammen ein Erfolgsrezept bilden, weiß Bell sehr gut. Schließlich hat er den FFC Frankfurt noch 2015 zum Titelgewinn in der UEFA Champions League der Frauen geführt. Die bisherige Bilanz der Republik Irland lässt allzu hoch gesteckte Ziele nicht unbedingt realistisch erscheinen. Doch der 55-jährige Coach ist fest entschlossen, mit seinem Team auf Augenhöhe gegen die großen Mannschaften um einen Startplatz bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2019™ zu spielen.

"Wir wollen konkurrenzfähig werden und mit der Überzeugung aufs Feld gehen, dass wir jeden Gegner schlagen können", sagt er. "Ich will keine allzu großen Versprechungen machen, aber ich war auch noch nie der Trainer der sagt: 'Ok, ich brauche zehn Jahre, um hier etwas zu erreichen.' Ich will gleich von Beginn an etwas bewegen und gleich von Beginn an erfolgreich sein."

Das allerdings scheint leichter gesagt als getan. Schließlich steht Bells Team in der Qualifikation für Frankreich 2019 in einer Gruppe mit den beiden EM-Teilnehmern Norwegen und Niederlande sowie mit den mindestens ebenso ambitionierten Nachbarinnen aus Nordirland. Nach den ermutigenden Leistungen seiner Schützlinge beim kürzlich ausgetragenen Cyprus Cup ist Bell sicher, die noch fehlenden Zutaten zu kennen.

"Zunächst einmal müssen wir kompakt stehen und ein schwieriger Gegner sein", so Bell. "Das muss in dieser Anfangsphase unser wichtigstes Ziel sein. Unsere Defensivarbeit und unser Spiel ohne Ball müssen sehr gut werden."

"Dann will ich zu einer attraktiven Spielweise gelangen, so wie man sie aus meiner Zeit in Frankfurt kennt. Wir haben technisch starke Spielerinnen dafür und es rücken immer neue nach. Ich habe ja auch schon mit den Nachwuchsmannschaften gearbeitet, in denen einige sehr interessante Talente stehen", meinte Bell weiter.

"Doch zunächst einmal müssen wir das Fundament legen. Wir müssen anpassungsfähig werden und auch die Fitness ist ein sehr wichtiger Faktor. Die Spielerinnen wissen, dass sie fitter als je zuvor werden müssen, wenn sie auf einem so hohen Niveau mithalten wollen. Und genau dort wollen wir sie hinführen", so der Coach zum Abschluss.