Thailand gehörte zu den Überraschungsgästen bei der letztjährigen FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ in Kanada, wo das südostasiatische Land sein Debüt auf der weltweiten Bühne gab. Das Team musste zwar zwei deftige Niederlagen gegen Deutschland und Norwegen hinnehmen, errang aber in einer mitreißenden Partie gegen die Elfenbeinküste einen 3:2-Erfolg nach anfänglichem Rückstand. Mit ihrem beherzten Auftreten gewannen die Thailänderinnen viele Sympathien.

Nun, da der Sprung auf die weltweite Bühne gelungen ist, ist es Thailands Ziel, diesen Schwung zu nutzen und darauf aufzubauen. Die nächste Gelegenheit, um sich in einem internationalen Wettbewerb zu messen, ist die AFF Frauen-Meisterschaft, die am kommenden Dienstag in Mandalay, Myanmar, beginnt.

Thailand geht als Titelverteidiger in das zehntägige Turnier, an dem acht Nationen teilnehmen, wird sich jedoch starker Konkurrenz aus der südostasiatischen Region erwehren müssen. Die Thailänderinnen wurden in eine Gruppe mit Vietnam, Singapur und den aufstrebenden Philippinen gelost. Die andere Gruppe besteht aus Osttimor, Malaysia und einer australischen Juniorinnen-Auswahl, deren Spielerinnen 19 Jahre und jünger sind, da sich der Nachwuchs der Matildas auf die kommende FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft 2018 vorbereitet. Die Gruppe wird von den Gastgeberinnen komplettiert, die inzwischen von dem erfahrenen niederländischen Coach Roger Reijners betreut wird.

Erwartungen handhaben
Es werden die ersten Pflichtspiele für Thailand seit Kanada 2015 sein. Vor zwei Monaten übernahm Spencer Prior die Leitung des Nationalteams. Der Engländer, der auf die Erfahrung von über 500 Ligaspielen zurückgreifen kann, machte sich sofort an die Aufgabe, Versäumtes nachzuholen. Prior war zuvor Trainer der australischen U-20-Frauenauswahl und nahm als Assistenzcoach der Matildas an der Frauen-Weltmeisterschaft 2011 teil. Nun hat er im "Land des Lächelns" einen Zweijahresvertrag unterschrieben und entwickelt eine langfristige Vision, um den Frauenfussball voranzubringen, auch wenn die regionale Meisterschaft momentan seine ganze Aufmerksamkeit erfordert.

"Es wird hart, aber ich bin optimistisch", sagt Prior im Gespräch mit FIFA.com über das bevorstehende Turnier. "Ich möchte mich in erster Linie darauf konzentrieren, mit welcher Spielweise wir Spiele gewinnen können, und nicht darauf, wie wir das Turnier gewinnen. Wir können nicht nur das Endziel im Fokus haben."

"Es wird außerdem wichtig sein, mit den Erwartungen umzugehen, sowohl intern als auch extern. Die Nummer eins der ASEAN-Region zu sein, bringt große Erwartungen mit sich. Dies darf aber nicht auf den Spielerinnen lasten. Es ist meine Aufgabe, das zu handhaben."

"Ich glaube, dass die Mädchen in der Lage sein werden, die bei der WM gesammelten Erfahrungen zu nutzen, um besser mit dem Turnierfussball zurechtzukommen. Sie kennen nun die Herausforderung und das Niveau, das sie haben müssen, wenn die nächste WM-Qualifikation ansteht. Es ist wahnsinnig hart, sich in der asiatischen Konföderation zu qualifizieren, aber die Spielerinnen glauben inzwischen mehr an sich. Diese Erfahrung [Kanada 2015] wird mit Sicherheit ihren Appetit angeregt haben, sich erneut zu qualifizieren."

Ein schlafender Riese
Zahlreiche Hinweise deuten darauf hin, dass Südostasien, eine Region mit einer enormen Bevölkerung, bald zu einer bedeutenden Kraft im Fussball avancieren könnte. Auf *Facebook *gab es eine halbe Million Besucher beim jüngsten Testspiel Thailands gegen Myanmar, und das Playoff-Duell für Kanada 2015 in Ho Chi Minh City, Vietnam, konnte sich über eine fünfstellige Zuschauerzahl freuen. Die Begeisterung des Publikums war überwältigend. "Nach der erfolgreichen Qualifikation für die WM stieg ihre Popularität, und ich hoffe, dass sich dies auch auf die Beliebtheit im Basisfussball niederschlägt", sagt Prior.

Aber da es in Thailand zuletzt keine Frauen-Liga gab, sind die meisten Spielerinnen derzeit für Universitätsmannschaften aktiv. Prior ist dennoch davon überzeugt, dass das vorhandene Potenzial in Thailand enorm ist. "Es ist eine großartige Basis vorhanden, um wieder eine Liga einzuführen, und das ist sehr wichtig", betont er. "Die Vereine in der Thai Premier League [der Männer] verfügen über viele Ressourcen. Es wäre großartig, wenn die Fussballklubs einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen und ein Frauenprogramm auflegen würden. An dem Modell wird bereits gearbeitet. Es muss vor allem nachhaltig sein und gewisse Standards einhalten."

"Eine längerfristige Strategie baut darauf auf, den Fussball im Grassroots-Bereich zu entwickeln und Vollzeit-Programme für talentierte Spielerinnen aufzulegen. Die thailändischen Fussballerinnen sind technisch gut mit großer Spielintelligenz. Sie brauchen einfach nur mehr Spielpraxis und Wettkampfmöglichkeiten."

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