Frauenfussball

Von Greifensee zur "Canarinha"

Natascha Honegger
© imago images
  • Natascha Honegger gab beim Tournoi de France ihr Debüt für Brasilien
  • Damit ging für die in Uster, Schweiz, geborene Torfrau ein Traum in Erfüllung
  • Nati-Trainer Nils Nielsen riet ihr dazu, ihrem Traum zu folgen

Seleção? Kennt jeder! Marta? Sowieso. Aber haben Sie schon einmal von Greifensee gehört? Nein, wir meinen damit nicht den See im Schweizer Kanton Zürich, sondern das am Greifensee gelegene historische Städtchen mit demselben Namen. Genau hier wuchs Natascha Honegger auf, für die im März ein Traum in Erfüllung ging. Aber beginnen wir von vorne…

Geboren wurde Honegger in der Nähe von Zürich und hat sowohl die schweizerische als auch brasilianische Staatsangehörigkeit. Seit sie ein Kind ist hat sie davon geträumt, einmal das Trikot der Seleção überzustreifen und für das Heimatland ihrer Mutter aufzulaufen. Doch zunächst einmal durfte sie ihr Können in den Juniorinnenteams der Schweiz unter Beweis stellen und nahm 2016 an der UEFA U-19-Frauen-EM teil. Anfang 2019 wurde sie in die A-Nationalmannschaft berufen und trainierte noch mit dem Schweizer Kreuz auf der Brust. Mittlerweile war aber auch der brasilianische Verband auf sie aufmerksam geworden und nach einem Anruf entschied sich Honegger, für Brasilien zwischen den Pfosten zu stehen. Eine Entscheidung, die ihr schwerfiel und über die sie lange nachdenken musste.

"Es ist die Wahl des Herzens", erklärt die hochgewachsene Torhüterin auf der Internetseite von Le Parisien. "In meiner Persönlichkeit sind zwei Seiten vertreten. Ich bin stolz, in der Schweiz aufgewachsen zu sein. Es ist ein Land, das mir viel gegeben hat. Aber seit ich ein kleines Mädchen bin, trage ich brasilianische Trikots. Ich habe meiner Mutter immer gesagt, dass ich für die Seleção spielen möchte."

Die Entscheidung gab sie in einem Post auf ihrem Instagram-Account bekannt und bekam von keiner Geringeren als der sechsfachen FIFA-Weltfussballerin Marta eine Nachricht. "Seja bem vinda 😁👏🏻👏🏻👏🏻" schrieb diese: Willkommen.

Am 4. März 2020 war es für die 22-Jährige, die seit dieser Saison für den FC Paris spielt, dann soweit. Beim Tournoi de France kam Honegger im Spiel gegen Vize-Weltmeister Niederlande für Aline in die Partie und gab ihr beeindruckendes Debüt für die Canarinha.

"Als mir der Torwarttrainer sagte, dass ich in der zweiten Halbzeit spielen würde, dachte ich, es sei ein Witz. Ich war nervös, aufgeregt und gestresst. Dies ist mein erstes Spiel mit Brasilien gegen eine großartige Mannschaft und großartige Spielerinnen wie Van de Sanden. Ich habe sie schon oft gesehen und fand sie immer stark. Zwei Paraden gegen sie gemacht zu haben, ist toll. Ich kann es immer noch nicht glauben, aber ich fühle mich erleichtert und glücklich", so Honegger nach ihrer Premiere (footofeminin.fr).

Auch Brasiliens Trainerin Pia Sundhage zeigte sich begeistert vom ersten Auftritt ihrer Torhüterin. "Wir haben einen Torhütertrainer in unserem Team, Veludo. Ich habe ihm die Aufgabe erteilt, die beste Torhüterin zu finden und zu trainieren. Er hat bisher großartige Arbeit geleistet und mir Natascha empfohlen. Sie ist groß, imposant und ruhig. Ich bin beeindruckt von der Spielstärke, die sie bei diesem Treffen hatte, da man normalerweise mehrere Spiele braucht, um mit der Verteidigung klarzukommen. Sie hatte einen wirklich guten Auftritt und war in diesem Spiel wichtig."

Beste Voraussetzungen für Honegger, auch in Zukunft im Dress der Seleção zu glänzen und ihren Traum zu leben. "Ich bin jung, 22 Jahre alt, und die anderen brasilianischen Torhüterinnen sind über 30. Es war eine sehr gute Gelegenheit für mich, dort zu sein. Ich wollte ein Spiel machen, um der Trainerin zu zeigen, dass sie Recht hatte, als sie mich anrief. Es wird mich wachsen lassen."

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