Frauenfussball

Tonga treibt Neuaufbau von Grund auf voran

Young female footballers at Loto-Tonga Soka Centre, Tonga
  • Tonga investiert deutlich verstärkte Ressourcen in die Entwicklung des Frauenfussballs
  • Mit Unterstützung der FIFA sind die Teilnehmerzahlen deutlich gestiegen
  • Die bevorstehende erste FIFA Frauen-Weltmeisterschaft in der Region sorgt für gesteigertes Interesse

In der vergangenen Woche wurden die Städte und Stadien bekannt gegeben, in denen in gut zwei Jahren die Spiele der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft ausgetragen werden. Wer allerdings meint, die Auswirkungen der erstmaligen Austragung dieses Turniers auf der Südhalbkugel wäre auf Australien und Neuseeland beschränkt, täuscht sich.

Zahlreiche ozeanische Nationen treiben die Entwicklung des Frauenfussballs nun deutlich entschiedener voran und kaum eine ist dabei stärker engagiert als Tonga.

Der Generalsekretär des Fussballverbands von Tonga (TFA), Lui Aho spricht von "gesteigertem Interesse aus den Gemeinden, neue Frauenteams zu registrieren", seitdem feststeht, dass das wichtigste Frauenfussballturnier der Welt in Down Under stattfinden wird.

Der TFA selbst verstärkt sein diesbezügliches Engagement ebenfalls und kann dabei auf die Unterstützung und Anleitung der FIFA zurückgreifen. So gibt es in der TFA nun sogar zwei Beauftragte für die Entwicklung des Frauenfussballs, die sich für alle Inseln einsetzen, nicht nur für die Hauptinsel Tongatapu.

Wie in den benachbarten Nationen ist auch auf Tonga die Motivation besonders groß, da dieses Mal die Möglichkeit zur Teilnahme an einem Playoff-Turnier für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft winkt. Die OFC-Nationen kämpfen um die Teilnahme an dem Event mit zehn Teams, von denen sich letztlich drei für die Endrunde mit 32 Nationen qualifizieren.

Da Neuseeland automatisch qualifiziert ist, liefern sich die anderen OFC-Nationen ein besonders intensives Rennen. Hinzu kommt, dass das traditionelle pazifische Schwergewicht Papua-Neuguinea beim OFC Nationen-Pokal der Frauen 2018 erstmals von Fidschi überflügelt wurde. Tonga hätte zudem bei einer Teilnahme in Australien und Neuseeland einen großen Vorteil, da in beiden Ländern enorm viele Auswanderer von Tonga leben und ihr Team unterstützen würden.

Tonga project

Der Elan auf Tonga hat sich in den vergangenen Jahren stetig intensiviert, doch Frauenfussball wird in der polynesischen Nation schon lange gespielt. Bei der ersten Teilnahme an den Pazifikspielen 2003 holte Tonga gleich die Bronzemedaille. Auch danach zeigte das Team immer wieder starke Leistungen auf kontinentaler Ebene, wobei die Frauen größere Erfolge als die Männer feierten. Und all dies in einer Nation, in der Rugby traditionell die mit Abstand beliebteste Sportart ist.

Adelaide Tuivailala, die Leiterin der Abteilung Frauenfussball beim TFA und Absolventin des FIFA-Kurses für Frauen in Führungspositionen 2017, ist von den neuen Möglichkeiten für das kleine Land mit gerade einmal 100.000 Einwohnern begeistert und arbeitet intensiv an der Gestaltung der Zukunft. Mit einem FIFA-Zuschuss für den Frauenfussball treibt der TFA ambitionierte Pläne in vier Schlüsselbereichen voran:

  • Governance und Führungsarbeit
  • Zugänglichkeit und Teilhabe
  • Wettbewerbe
  • Bekanntheit und Förderung

Im Breitensport erzielt der TFA große Erfolge mit "Heilala Manongi", einem lokal zugeschnittenen Fussballprogramm, das Mädchen an das schönste aller Spiele heranführen soll. Das Programm, das inzwischen auf den vier größten Inseln eingeführt wurde, hat sich in der breiten Öffentlichkeit einen Namen gemacht und ist ein wichtiger Entwicklungsweg für Spielerinnen, Trainerinnen und Freiwillige.

Es gibt indes durchaus historisch bedingte Widerstände dagegen, dass Frauen beim Sport kurze Hosen tragen. "Es ist toll, dass heute viel mehr junge Mädchen Fussball spielen. Wir schaffen für sie ein sicheres Umfeld", so Tuivailala gegenüber FIFA.com. "Das umfasst Spielerinnen, Trainerinnen, Schiedsrichterinnen und Verwalterinnen."

Zu den weiteren Zielen gehören mehr Frauen in Führungspositionen und somit mehr Teilhabe an Entscheidungsprozessen, Zugang zu gut strukturierten Fussball-Einrichtungen sowie die Steigerung der Anzahl an Spielerinnen. Insbesondere beim letzten Punkt hat Tonga bereits deutliche Erfolge erzielt.

Aho bekräftigte zum Abschluss gegenüber FIFA.com, eines der übergeordneten Ziele sei "die Entwicklung eines neuen Image für den Frauenfussball auf Tonga und die Sicherstellung, dass es für Mädchen und Frauen attraktive Entwicklungsmöglichkeiten gibt - auf und abseits des Spielfelds."

Mehr zu diesem Thema erfahren

Empfohlene Artikel